„Das ist eine gute Sache“

In der Flüchtlingshilfe Blieskastel e.V. helfen und betreuen seit 1. Juli 2015 rund 160 Freiwillige die Flüchtlinge in der Blieskasteler Region. Felix Lindinger traf sich mit der Vorsitzenden Maria Dussing-Schuberth.

Die Flüchtlingshilfe Blieskastel ist eine breit aufgestellte Anlaufstelle. Welche Angebote bietet das Gesamtspektrum?

Dussing-Schuberth: Ein wichtiges Standbein sind die Deutschkurse von zeitweise über vierzig ehrenamtlichen Lehrern. Diese Anzahl ist nun etwas zurück gegangen, da immer mehr Plätze in offiziellen Integrationskursen frei werden. Jetzt bin ich dabei, ein Netz von Nachhilfelehrern aufzubauen, um so weitere Hilfe zu leisten. Weiterhin wichtig sind verschiedene Kurse und die Betreuung. So beraten wir zum Beispiel Paten, die Gruppen von Flüchtlingen betreuen; etwa bei Behörden oder sonstigen bürokratischen Vorgängen wie Schulanmeldungen. Dazu kommen noch Kurse für Berufs- und Führerscheinvorbereitung, Kochkurs, Nähkurs, ein Transport-Team und natürlich unser Aushängeschild die Kleiderkammer, wo wir auch Sachspenden annehmen und verteilen.

Werden diese Angebote auch wirklich viel wahrgenommen?

Dussing-Schuberth: Auf jeden Fall. Wir haben überall definitiv eine hohe Nachfrage, vor allem bei Kleiderkammer, Transportteam und den Kursen.

Wie sind die ersten Reaktionen der Flüchtlinge auf Ihre Angebote und Hilfen?

Dussing-Schuberth: Anfangs, als wir für Neuankömmlinge Willkommenstüten, zum Beispiel mit zweisprachigen Bildwörterbüchern und Grundgesetzen, verteilt haben, wurde das sehr gut angenommen. Immer wieder werden wir dafür bis heute noch gelobt. Nun nach der Schließung der Balkanroute kommen immer weniger Flüchtlinge an. Aber auch heute sind die Menschen noch sehr froh über unsere Unterstützung, das ist eine gute Sache.

Wie sehen sie die Rolle von kleineren Städten und Gemeinden in der Verteilung der Flüchtlinge ?

Dussing-Schuberth: Die dezentrale Unterbringung ist mit Sicherheit von großem Vorteil. Wir erfahren im Gespräch mit Flüchtlingen auch, wie es in großen Städten aussieht. Ein Fall, der mich sehr betroffen gemacht hat, war der eines unserer ersten Blieskasteler Deutsch-Schüler, der nun nach Hamburg gegangen ist. Er war kürzlich noch einmal hier zu Besuch, und seine Deutschkenntnisse haben sich deutlich verschlechtert. Das liegt daran, dass er in Hamburg mit Syrern in einem großen Heim wohnt und nur Arabisch spricht. Er hätte in Hamburg keinen Kontakt mehr zur deutschen Bevölkerung.

Sehen Sie bei der Unterbringung auf dem Land auch Nachteile?

Dussing-Schuberth: Ja, die Infrastruktur ist im Grunde genommen einer der größten Nachteile. Das schlimmste Beispiel sind die Flüchtlinge , die im Freishauserhof untergebracht sind. Es fährt nur zweimal am Tag ein Schulbus, gelegentlich kommt noch ein Sammeltaxi, und Internet-Empfang ist dort oben auch schlecht, was für die Betroffenen sehr dramatisch ist, da es ihre einzige Verbindung in die Heimat ist. Einige Vorhaben sind daran gescheitert, dass die Transportkosten für manche Flüchtlinge einfach nicht tragbar sind.

Wie fällt die Reaktion der Bevölkerung aus?

Dussing-Schuberth: Die Welle der Hilfsbereitschaft war von Anfang an sehr hoch. Ich denke mittlerweile ist das Potential fast ausgeschöpft. Glücklicherweise lässt auch die Zahl der Ankommenden nach. Da muss man nun abwarten wie es weitergeht.

Wie läuft die Arbeit mit der Politik?

Dussing-Schuberth: Die Zusammenarbeit mit der Stadt Blieskastel hat von Anfang an überwiegend gut funktioniert. Mittlerweile ist zu beobachten, dass wir nicht mehr viel mehr machen können. Wir würden uns zum Beispiel eine Wiederbelebung der Caritas-Stelle in Blieskastel wünschen. So etwas fehlt noch hier. Auch unser DRK-Betreuer sitzt in Saarbrücken, was für Flüchtlinge kaum erreichbar ist. Und noch glücklicher wären wir, wenn viele unserer Tätigkeiten von der Stadt übernommen würden. Es läuft gut, aber da ginge noch mehr.

Sollten offizielle Stellen da mehr tun?

Dussing-Schuberth: Auf kommunaler Ebene kann nicht viel mehr gemacht werden. Auch sollte man mit Kritik etwas zurückhaltend sein, jeder musste in diese Aufgabe erst einmal rein wachsen und bis etwas auf höherer politischer Ebene ankommt, dauert es in der Regel eine Zeit lang. Die Flüchtlingspolitik im Saarland, gesteuert durch Vorgaben der Bundesregierung, kehrt sich meiner Meinung nach von der Willkommenskultur zur Zeit ins Gegenteil. Einige, die hier leben und bestens integriert sind, dürfen nicht arbeiten und ihre Familien nicht nachkommen lassen. Der Innenminister im Saarland gibt vorm Abschieben oft nicht einmal die Gelegenheit, die Härtefallkommission zu Rate zu ziehen. Da haben wir schwierige Fälle, die für uns sehr schlimme Entwicklungen sind. Wir an der Basis erleben schwere menschliche Einzelschicksale, und für die Politik sind das nur pauschal "die Flüchtlinge ".

Gibt es auch negative Reaktionen?

Dussing-Schuberth: Wir hatten am Anfang eine Kommentarfunktion auf der Homepage, und wir erhielten etliche Hasskommentare, Paten sind bedroht worden. Das ist natürlich alles illegal, aber Anzeigen verlaufen oft im Sande. Daher mussten wir leider die Kommentarfunktion streichen, seither haben wir glücklicherweise keine direkten negativen Kommentare mehr.

Ihre Bilanz nach einem Jahr Vereinsgeschichte?

Dussing-Schuberth: Kurz positiv. Alle, mit denen wir ins Gespräch kommen, haben viel Gutes zu berichten. Für alle, die auch an irgend einer Stelle helfen wollen.

Wo gibt es bei ihnen immer Bedarf?

Dussing-Schuberth: Hauptsächlich kann sich jeder mit Sachspenden beteiligen. Wir haben eine Liste mit den notwendigsten Gegenständen auf der Homepage. Fahrräder, Fahrradschlösser und Helme sind natürlich immer gesucht. Jetzt, wo mehr Familien kommen, werden wieder vermehrt Haushaltsgegenstände benötigt. Geschirr, Besteck, Wäschetrockner, Decken oder mal nur eine Tischdecke viele der Wohnungen sind sehr karg eingerichtet, um sie etwas wohnlich zu gestalten, fehlt da noch viel.

Der "Kaschdler Treff" lädt alle interessierten Bürger ein, die Flüchtlingshilfe Blieskastel e.V. montags, dienstags und donnertags in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr im Haus des Bürgers am Luitpoldplatz zu besuchen.

 Maria Dussing-Schuberth ist die neue Vorsitzende der Flüchtlingshilfe in Blieskastel. Foto: W. Schuberth
Maria Dussing-Schuberth ist die neue Vorsitzende der Flüchtlingshilfe in Blieskastel. Foto: W. Schuberth Foto: W. Schuberth

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