"Das ist blöd, eigentlich Kappes"

Es ist ein sehr kalter Herbstsamstag, die Leute vor der Bäckerei Mamok in Bierbach sind samstags ohnehin in Eile, zumal sie das gefragte Thema offensichtlich mehr amüsiert denn interessiert. "Schreiben Sie einfach nur, dass ich das blöd finde", meinte Carmen Fess auf die Frage der SZ, was man vom Namenszusatz "an der Blies" halte

Es ist ein sehr kalter Herbstsamstag, die Leute vor der Bäckerei Mamok in Bierbach sind samstags ohnehin in Eile, zumal sie das gefragte Thema offensichtlich mehr amüsiert denn interessiert. "Schreiben Sie einfach nur, dass ich das blöd finde", meinte Carmen Fess auf die Frage der SZ, was man vom Namenszusatz "an der Blies" halte. Das Hinzufügen des Namenszusatzes "an der Blies" hatte für reichlich Diskussionen im Orts- und auch im Stadtrat geführt, die Bürger nahmen von der Diskussion indes kaum Notiz. Es hatte im Vorfeld zwar den Versuch von Bürgerbeteiligungen gegeben, aber es gab kaum Interesse. Die Meinung der Bürger schwankte bei der (nicht repräsentativen) Umfrage zwischen Ablehnung und Gleichgültigkeit: "Mir ist das egal, die Adresse bleibt ja", meinte Brigitte Eschenbaum im Vorübergehen. "Ich halte nicht viel davon, Bierbach hätte doch gereicht. Aber vielleicht gewöhnt man sich ja daran", nahm es Georg Pahler gelassen. "Das ist doch blöd, eigentlich Kappes", stellte Iris Wack mit deutlichen Worten ihre Meinung klar. Sie stammt aus Bierbach, wohnt aber in Frankreich und hatte von der Diskussion noch nichts mit bekommen. Nicole Schlicker nimmt es ebenfalls gelassen: "Mir ist das eigentlich ziemlich egal. Ich bin aber der Meinung, dass wir so einen Namenszusatz nicht brauchen." Seit etwa zwei Jahren wohnt Markus Zettl in Bierbach. Er findet es sehr schön hier, ihm gefällt die ländliche Idylle. "Es ist hier viel schöner als in einer Stadt. Mir gefällt es, da ist mir der Name egal. Wir werden bei anderen Dingen ja auch nicht gefragt, also ist mir das auch gleich", meint er auf die Zusatzfrage, wie es um die Bürgerbeteiligung bestellt gewesen sei. "Ich finde das überhaupt nicht gut", bezieht Kurt Bubel klare Stellung. Es gebe ja noch andere Orte an der Blies, die könnten das ja für sich auch reklamieren. Außerdem sei die Lage Bierbachs ja nur am Rande der Blies, also an einem Ufer. Und im Vorbeigehen ruft ungefragt Maria Klaus herüber: "Ich bin absolut dagegen. Ich möchte wissen, was das bringen soll. Wir haben weder Tourismus noch sonst etwas. Was soll das also?", machte sie sich ihre Gedanken. "Es bringt eigentlich nicht viel", stellte auch Jürgen Klaus heraus. Er halte den Gedanken der Biosphäre grundsätzlich für sehr gut, aber was Bierbach nun für ein Alleinstellungsmerkmal mit dem Namenszusatz haben wolle, sei ihm nicht klar. "So viele Orte mit dem Namen Bierbach gibt es ja überhaupt nicht." Man merke ja auch, dass es in der Bevölkerung kaum Interesse gebe: "Die Leute wollen das eigentlich nicht, jedenfalls der Großteil der Bevölkerung." Er frage sich, wie Bierbach davon profitieren wolle: "Uns fehlt doch hier in Bierbach jegliche Infrastruktur, wir können doch hier nicht auf den großen Tourismus setzen", stellt er seine Meinung klar. Inzwischen ist auch Bäckereibesitzer Johannes Mamok auf die Umfrage aufmerksam geworden. Er hat viel zu tun an diesem Samstagvormittag, seine Bäckerei läuft gut: "Das ist alles sehr wichtig für Bierbach", findet er. Bierbach sei ein pulsierender Ort, wenn Feste gefeiert würden, kämen immer sehr viele Gäste, auch von außerhalb: "Ich bin der Meinung, das bringt schon sehr viel für unseren Ort", machte er seinen Standpunkt klar.