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Brutzeit bei Störchen und Schwänen in Blieskastel und Gersheim

Von Störchen und Schwänen in Blieskastel und Gersheim : Jetzt ist die große Brutzeit angebrochen

Es tut sich was rund um die Störche in Blieskastel und Reinheim. Und es gibt einen neuen Storchenhorst.

Im Landschaftsdreieck zwischen Biesingen, Aßweiler und Seelbach hat der Verein für Natur- und Vogelschutz Biesingen mit der Aufstellung eines neuen Horstes eine Nistmöglichkeit für einen Weißstorch geschaffen. Der Vorsitzende Dominik Krill stellte dazu ein privates Gelände zur Verfügung und präsentierte als „Storchevadder“ Mitgliedern, Bürgermeister Bernd Hertzler und Ortsvorsteherin Annette Weinmann den zehn Meter hohen Horst.

„Die letzten Jahre hatten wir mehrmals in Biesingen Störche gesichtet und wollten deshalb eine Nistmöglichkeit schaffen“, sagte unserer Zeitung Dominik Krill. „Gemeinsam mit dem Storchen-Experten Christoph Braunberger vom Landesamt für Umwelt- und Artenschutz sowie dem Nabu haben wir dazu geeignete Stellen gesucht und uns letztlich für den Weg zwischen Würzbacher Straße und Lettkaul entschieden“, so Krill, der auf prompte Unterstützung zählen durfte. Die Schlosserei Schneider aus Aßweiler sorgte für die Herstellung des 1,30 Meter breiten Nestes, Peter Stopp (Transport), Albert Krill (Stellen des Mastes), und Hans Werner Schäfer sowie weitere Helfer trugen zur Realisierung bei. Finanzielle Beteiligung zum Storchenhorst kam von der Stadt Blieskastel (800 Euro) und dem Ortsrat Biesingen (500 Euro).

Nach dem Storchenhorst in Einöd, Ingweiler, Beeden, Limbach, Webenheim, im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Altheim, Blickweiler und jüngst in Breitfurt hoffen die Biesinger Naturfreunde, mit ihrem Werk zur vermehrten Storchenpopulation im Biosphärenreservat beizutragen. „In der Region finden die Störche genügend Nahrung und Wasser, ebenso Holz und Reisig als Baumaterial, mit dem sie ihr Nest, von den Menschen vorbereitet, zusätzlich ausstatten“, hält Dominik Krill fest.

Dass Störche im Bliestal auch ohne Horst ihr Nest bauen, ist aktuell im Wolfersheimer Bann zu sehen. Bei einem Spaziergang am Karfreitag in dem verwegenen Gelände entdeckte der ehemalige Ortsvorsteher und Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Blickweiler, Stephan Schepp-Weyrich, die neue Bleibe des Storchs. „Dieses Nest wird derzeit, für die Menschen etwas versteckt, vom Storch auf einem großen Baumstumpf gebaut“, hat Stephan Schepp-Weyrich ausgemacht. Sein Bekannter Siggi Demmer hielt dies zum Sonnenaufgang am Ostersonntag per Tele- Objektiv fest. Das Klappern der Schnäbel zur Begrüßung und das gemeinsame Balzgehabe auf dem Naturnest sind Gesang in den Ohren des Wolfersheimers, für den diese Premiere etwas ganz Besonders darstellt.

Neuigkeiten zu berichten gibt es auch aus dem Europäischen Kulturpark. „Während viele Singvögel noch bei der Partnersuche und mit dem Nestbau beschäftigt sind, ist das Brutgeschäft bei den Störchen und Schwänen schon seit geraumer Zeit in vollem Gange. Bei den Störchen brüten sowohl der Storchenmann als auch die Störchin“, teilt uns Hobbyfotograf Walter Veith mit. Lande der Partner auf dem Nest, erfolge zumeist eine heftige und ausdauernde Begrüßung auf Storchenart: „Mit dem Brutwechsel auf dem Nest lassen sie sich dann aber viel Zeit, die oft noch zu einer ausgiebigen Gefiederpflege genutzt wird.“ Seien die Storchenküken aber geschlüpft und müssen unentwegt gefüttert werden, gehe der Wechsel auf dem Nest sehr schnell – „fliegender Wechsel“ sei da quasi angesagt. Und wenn die nächsten Tage nicht zu kalt und verregnet sind, sei bei dem Storchenpaar im Kulturpark auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichem Nachwuchs zu rechnen.

Auch bei den Schwänen ist Brutzeit, so Walter Veith. Im Gegensatz zu den Störchen brüte die Schwänin allein das Gelege aus. Auch der Nestbau sei „reine Frauensache“. Nur zur Nahrungsaufnahme verlasse sie das Nest. „Der Schwanenmann patrouilliert derweil meist in ihrer Nähe. Seit zwei Jahren brütet die Schwänin gut geschützt vor Füchsen, frei laufenden Hunden oder allzu neugierigen Personen inmitten eines Parkgewässers auf einer kleinen Bauminsel.“

Zur Futtersuche suchten die Schwäne auch die pflanzenreichen Uferzonen auf, was einer Schwänin vor vier Jahren leider zum Verhängnis geworden sei. Sie sei vermutlich von einem freilaufenden Hund totgebissen worden. „Das bestätigten mir auch ein Tierarzt und ein Schwanen-Experte nach Vorlage der Fotos, die ich noch am selben Tag dort gemacht hatte“, so der Pensionär, und: „Der Schwanenmann schwamm nach dem Verlust seiner Partnerin noch wochenlang in Nestnähe herum und trauerte.“ Die Fotos die er damals am „Tatort“ gemacht hatte, mochte er keinem Tierfreund zumuten und verzichtete deshalb auf die Veröffentlichung. „Das Gelege, das erst wenige Tage bebrütet worden war, lag nun ungeschützt in der heißen Sonne. Der Schwanen-Experte warnte davor, sich in den nächsten Tagen dem Nest zu nähern, da mit der Fortdauer der hohen Temperaturen die Gefahr bestünde, dass die Eier gewissermaßen explodieren und sich ihr bakterieller Inhalt meterweit ausbreiten könnte.“

Gerade in den nächsten Tagen und Wochen sollte man darauf verzichten, abseits der befestigten Wege mit seinem Vierbeiner durch die Natur zu streifen, um die sensible Tierwelt, insbesondere die Wasser- und Singvögel, nicht bei ihrem Brutgeschäft zu stören oder gar zu gefährden.

 Auf dem Biesinger Bann wartet ein Storchenhorst auf Bewohner. Dominik Krill (4. von links) präsentierte den zehn Meter hohen Mast.
Auf dem Biesinger Bann wartet ein Storchenhorst auf Bewohner. Dominik Krill (4. von links) präsentierte den zehn Meter hohen Mast. Foto: Hans Hurth
 Das Foto zeigt das Storchenpaar auf seinem Nest im Europäischen Kulturpark. Offenbar begutachten die beiden ihr Gelege.
Das Foto zeigt das Storchenpaar auf seinem Nest im Europäischen Kulturpark. Offenbar begutachten die beiden ihr Gelege. Foto: Walter Veith

„Sollte alles gut gehen, wird man demnächst auch wieder die Schwaneneltern mit den Küken bei ihren ersten Ausflügen in gewohnter ‚Schwanen-Art’ – Mutter vorne, Nachwuchs in der Mitte, Vater hinten – auf den Parkgewässern schwimmen sehen“, sagt Walter Veith abschließend und freut sich schon jetzt auf schöne neue Fotomotive im Gelände, das er so gerne mit offenen Augen und seiner Kamera durchstreift.