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Blieskasteler Karnevalsgesellschaft will die Session durchziehen

Die Blieskasteler Narren schauen mutig und entschlossen in die Zukunft : Dieses Brauchtum darf nicht untergehen

Die Blieskasteler Karnevalsgesellschaft „Nix wie druff“ will – allen Unwägbarkeiten zum Trotz – die Session durchziehen.

Unbedarft, wie man als Außenstehender gelegentlich ist, stellt man schon mal eine blöde Frage: Wenn alle Stricke reißen, warum kann man dann den Gaudiwurm nicht auf das Frühjahr oder den Sommer verlegen? Ein Ding der Unmöglichkeit, belehren uns Christian Pöbl und Elmar Becker, das verbiete aufs Schärfste die „Ethik-Charta“ des Bundes Deutscher Karneval e. V. Und zwar in Paragraf 1. Da steht unmissverständlich geschrieben, dass die Fastnacht „als Schwellenfest vor der österlichen Fastenzeit“ eine klare zeitliche Begrenzung hat: „Am Aschermittwoch ist definitiv Schluss.“ Okay, dann ist das jetzt auch geklärt.

Christian Pöbl ist der Präsident der Blieskasteler Karnevalsgesellschaft „Nix wie druff“ und Elmar Becker deren Ehrenpräsident. Viele närrisch gesinnte Vereine im Saarpfalz-Kreis, so unsere Gesprächspartner, stünden gerade vor den entscheidenden Sitzungen. Sitzungen, in denen darüber entschieden wird, ob die Faasenacht dieses Jahr aus den allseits bekannten Gründen gänzlich an den Nagel gehängt wird – oder auch nicht. Allein im Regionalverband Saarbrücken haben sich bereits drei Karnevalsvereine dazu durchgerungen, die bevorstehende Session zu streichen.

232 Mitglieder, 150 Aktive, davon 90 Kinder, 13 Trainerinnen, fünf Garden plus Männerballett, vier Solisten und vier Büttenredner: Das ist die BKG in Zahlen. Für Emotionen wiederum, für Gefühle auf einer Skala von „völlig deprimiert“ bis „überschäumend optimistisch“ gibt es kein statistisches Zahlenwerk. Und Emotionen sind unter den Fastnachtern im Saarland und darüber hinaus in diesen ungewissen Zeiten zuhauf unterwegs, man kann es leicht und locker nachempfinden.

Und was macht die BKG? Die Kampagne ist fertig geplant, erklären unsere beiden Gesprächspartner, eine Absage der ein oder anderen Veranstaltung sei bislang nicht vorgesehen. Es sei denn, die äußeren Bedingungen hinsichtlich der Pandemie verschlechterten sich rapide. Stichwort: eine zweite Welle. Dann, und nur dann, tritt Plan B in Kraft: Es käme eine interne Feier mit den BKG-Aktiven in Betracht. Ansonsten aber, so Elmar Becker, werde man die Narretei ab 11.11. hochleben lassen, und dabei selbstredend alle Vorschriften beachten. Leichtsinn mit Luftschlangen – das soll es nicht geben. Nun denn, körpernahes Schunkeln im Saal wird wohl nicht drin sein. Einiges andere aber schon.

Falls die Abstandsregeln zu Sessionsbeginn noch gelten, wollen die Blieskasteler eben mit weniger Publikum in der Bliesgaufesthalle feiern. „Die Besucher werden noch bewusster unser Brauchtum würdigen“, ist der Ehrenpräsident überzeugt. „Es werden die Leute kommen, die unser Kulturgut lieben“, fügt er noch hinzu: „Der Stimmung tut das keinen Abbruch.“

Becker und Pöbl betonen, dass man in der Rathaus-Verwaltung viel Unterstützung erfährt, dass hier ein gedeihliches Miteinander gepflegt werde, man sei im ständigen Dialog, tausche sich alle vierzehn Tage aus. Wobei wir nun auf den Fastnachtsumzug zu sprechen kommen. Bürgermeister Bernd Hertzler sehe wenig Chancen, ihn zu veranstalten, solange kein Impfstoff gefunden ist. Bis zu 25 000 Männer, Frauen und Kinder verfolgen diesen Gaudiwurm Jahr für Jahr. Für die BKG und befreundete Vereine wäre es extrem traurig, wenn er nicht stattfinden könnte. Aber: Auch er ist in der Schwebe, es gilt abzuwarten, mehr kann man nicht tun. Tausende aufwändig gestaltete Orden sind schon beauftragt, die Umzugspins soll es auch noch geben. Und wenn gar nichts mehr geht, werden die Orden eben 2021 verliehen und die Pins ebenfalls ein Jahr später verkauft. Sie sollen dann problemlos noch Verwendung finden. Im Übrigen, so BKG-Präsident Pöbl, sei das Sicherheitskonzept für den Fastnachtsumzug nochmal überarbeitet worden, „unseres ist beispielhaft“, ergänzt der BKG-Ehrenpräsident.

Zum guten Schluss erfahren wir noch, dass das neue Kinderprinzenpaar schon gefunden ist, aufgrund der besonderen Umstände soll es nicht, wie sonst üblich, für ein, sondern auf zwei Jahre inthronisiert werden. Und was die erwachsene Prinzessin angeht, so liegen schon Bewerbungen vor. Ausgesucht werden muss die Dame also noch.

 Wehmut schleicht sich bei den närrisch gesinnten Menschen ein, wenn sie sich die Bilder des Blieskasteler Gaudiwurms vor Augen führen Das Bild entstand dieses Jahr am Fastnachtssonntag, als der Umzug mit Tausenden von Zuschauern durch die Barockstadt ging. Es folgte alsbald eine düstere Zeit.
Wehmut schleicht sich bei den närrisch gesinnten Menschen ein, wenn sie sich die Bilder des Blieskasteler Gaudiwurms vor Augen führen Das Bild entstand dieses Jahr am Fastnachtssonntag, als der Umzug mit Tausenden von Zuschauern durch die Barockstadt ging. Es folgte alsbald eine düstere Zeit. Foto: Erich Schwarz

Fazit: Ungewöhnliche Umstände strapazieren gerade das Nervenkostüm all derjenigen, die sich der Faasenacht verschrieben haben.