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Blieskastel: Trauer um nie geschlüpfte Vögelchen in einem Auto

Das „Geschenk“ wurde vor die Tür gelegt : Katze erlegt Küken in Porsche-Kühlergrill in Blieskastel

Fünf Eier eines Hausrotschwänzchens hatten in dem Nest gelegen.

Es hätte so schön sein können: ein Happy-End, wie man es sich wünscht. Doch jetzt kam uns die Nachricht zu Ohren, dass ein Vogel, der – wie wir im Mai berichtet hatten – kurioserweise sein Nest hinter den Kühlergrill eines Porsche Cayenne in Blieskastel gebaut und fünf Eier hineingelegt hatte, nicht mehr lebt. Eine Katze war schneller, wie uns jetzt der Autobesitzer Etienne Sand und seine baldige Ehefrau, Ann-Christine Fries, erzählen. Zum Ausbrüten kam es also nicht mehr, und so sind wohl nicht nur die Beiden, sondern bestimmt auch andere Leute traurig, dass es nichts wurde mit den fünf Vögelchen, die man beim Aufwachsen und ihren ersten Flugversuchen gerne beobachtet hätte. Die Katze wiederum – so wie das alle Stubentiger ihrem Naturell gemäß tun, legte sein gefiedertes Opfer noch dekorativ einem Nachbarn vor die Haustür. Und deshalb weiß man von dessen Ableben und den Folgen, die sich daraus ergaben.

Bei dem Vogel handelte es sich um einen Hausrotschwanz. Er ist kleiner und auch schlanker als der Haussperling. Das Fatale an der Geschichte ist, dass bei dieser Art nur das Weibchen die Eier ausbrütet. Und so gibt es für diese Aufgabe keinen Ersatz. Das Männchen hat überdies auch mit dem Nestbau nichts zu tun.

Die Story fing vor Wochen folgendermaßen an: Etienne Sand staunte nicht schlecht, als er, der Parfümdesigner mit Firmen-Niederlassung in Saargemünd, mit seinem schwarzen, etwas verstaubten Wagen eine Autowaschanlage ansteuerte – nicht wissend, dass das Auto ein Vogelnest birgt. Anschließend fuhr er zügig ins Büro. Als er wieder rauskam, wunderte er sich über noch immer vorhandene Verschmutzungen an der Vorderfront des Fahrzeugs. Als er nachschaute, entdeckte er das fertig gebaute Nest und die Eier, die der Hausrotschwanz hineingelegt hatte. Das gefiederte Freundchen hatte mit all seinem Nestbau-Material ein ums andere Mal die Querverstrebungen des Kühlergrills überwunden und sein Werk vollendet. Nun ja fast, wie gesagt.

Etienne Sand fuhr nun sehr gemächlich nach Hause, um das Gelege nicht zu gefährden und stellte den Porsche gewissermaßen still, bis die Vögelchen geschlüpft sein sollten. Und dann ging es wenige Tage später erstmal in den Urlaub. Nach der Heimkehr erfuhr das Blieskasteler Paar von dem, was sich ereignet hatte. Der Herr des Hauses zog sich Handschuhe an und entfernte, wie er erzählt, Stück für Stück das Nest hinterm Kühlergrill. Die Eier, von denen er hoffte, dass irgendein anderer Vogel sie vielleicht ausbrüten werde, hat er dann einige Zeit später auch entsorgt. Es war halt gar nichts mehr zu machen.

Doch bei aller Trauer hinsichtlich der Tierwelt: Das Paar erwartet selbst Nachwuchs, das Kind kommt im Sommer zur Welt. Und die große Vorfreude steht, wie das bei werdenden Eltern so ist, natürlich absolut im Vordergrund. „Es wächst und gedeiht“, sagt der Vater in spe mit Blick aufs Baby um noch lachend hinzuzufügen, dass an die werdende Mutter mit Sicherheit keine Katze geht. Die würde auch gewiss den Kürzeren ziehen.