Blick in Betriebe im Nachbarland

Innerhalb des Austauschprogrammes der Handwerkskammern des Saarlandes und der von de la Manche in der Normandie arbeiten derzeit 14 französische Azubis in saarländischen Betrieben. Einer von ihnen ist der KFZ-Lehrling Adrien Leclerc.

In der Bliesgau-Garage in Mimbach arbeitet derzeit der Auszubildende Adrien Leclerc. Der junge Mann kommt aus Coutances in der Normandie und schnuppert für eine Woche in der Mercedes-Werkstatt von Martin Bitsch sozusagen saarländische Benzinluft. Insgesamt 14 Austausch-Azubis arbeiten derzeit in saarländischen Betrieben, von der Autowerkstatt über die Bäckerei bis hin zur Metzgerei. Dies ist Bestandteil eines Austauschprogrammes, das die saarländische Handwerkskammer (HWK) mit der Handwerkskammer de la Manche in der Normandie ausgehandelt hat. Einmal pro Jahr im Wechsel kommen französische Auszubildende in saarländische Betriebe, im kommenden Jahr sehen sich saarländische Lehrlinge in Betrieben der Normandie um.

"Die Partnerschaft mit der französischen Handwerkskammer besteht schon seit über 30 Jahren", erläutert Bernd Wegener, Präsident der saarländischen HWK. Diese Partnerschaften seien seinerzeit politisch erwünscht gewesen. "Das wir eine Partnerschaft mit der HWK von de la Manche haben ist zufällig, man wurde damals zugelost", erzählt der HWK-Präsident. Aber inzwischen haben sich daraus freundschaftliche Beziehungen entwickelt, man kennt sich und ist befreundet. An diesem Freitag nun besuchten Teilnehmer der HWK-Delegation aus Frankreich mit ihren deutschen HWK-Partnern die Betriebe, in denen die Azubis für eine Woche arbeiten. Schüchtern gibt Adrien Leclerc den Delegationsteilnehmern die Hand, lässt sich beim Arbeiten über die Schulter sehen und beantwortet geduldig die Fragen der Teilnehmer. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte der junge Mann zuvor schon erzählt, dass er die Arbeit in der deutschen Werkstatt sehr interessant findet:

"Ich arbeite in Frankreich in einer markenfreien Autowerkstatt. Da sind die Abläufe anders als hier, auch sind die Werkzeuge und die Diagnosegeräte ganz anders. Aber das hier ist sehr gut für mich, ich lerne viel dazu", erläutert Leclerc auf Französisch. Er hat Glück: Mit Alain Porte steht ihm ein Mitarbeiter der deutschen Werkstatt zur Seite, der selbst aus Frankreich kommt. Seit 23 Jahren arbeitet der Frauenberger bei Martin Bitsch in Blieskastel-Webenheim: "Das mit der Sprache ist für den jungen Mann schon ein Problem. Wenn ich nicht da wäre, könnte er sich kaum verständigen". Die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, unterstreicht Porte, der dem jungen Mann auch viele nützliche Tipps mit auf den Weg gibt: "Ich habe ihm geraten, nach der Lehre wieder in eine andere Werkstatt zu wechseln. Nur so kann man sich weiter entwickeln", ist der Frauenberger überzeugt. Für Martin Bitsch ist der Austausch auch eine sinnvolle Sache, die er gern unterstützt.

Im Gespräch mit der französischen Delegation geht es auch um die deutschen Besonderheiten bei der Ausbildung. Aber in einem Punkt sind sich französische Handwerker mit den deutschen einig: Die schulische Ausbildung der Azubis lässt zu Beginn der Ausbildung diesseits wie jenseits der Grenze sehr zu wünschen übrig.