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Biotop der Gelbbauchunke liegt auf der Strecke des MSC Niederwürzbach

Besondere Motocross-Strecke In Niederwürzbach : Unken und Motorsportler Seite an Seite

Das Biotop der Gelbbauchunke in der Lettkaul liegt genau auf der Motocrossstrecke des MSC Niederwürzbach. Ins Gehege kommt man sich aber nicht – im Gegenteil.

Motorsportler und Naturschützer – dem Klischee nach sind das zwei Gegensätze. Aber so muss das gar nicht sein, beides geht wunderbar zusammen. Zum Beispiel beim Motorsportclub Niederwürzbach (MSC), der seine Motocross-Strecke in der sogenannten Lettkaul betreibt. Auf demselben Gelände lebt schon seit Jahr und Tag eine kleine Population der streng geschützten Gelbbauchunke, die im ganzen Saarland nur noch an etwa 25 Stellen vorkommt. Das Gelände enthält, obwohl hoch gelegen, recht viel Wasser, das sich in kleinen Tümpeln sammelt.

Der Witz: Offenbar ist der Motorsportbetrieb, auch wenn es vielleicht mal ein Einzelexemplar kostet, für die Art insgesamt von Vorteil. Warum das so ist, wissen Gabi Stein und Norman Wagner vom Naturschutzbund (Nabu). Beide sind auf die saarländischen Vorkommen von Amphibien und Reptilien spezialisiert. Gabi Stein klärt auf: „Die Gelbbauchunke braucht kleine, wenig bis gar nicht bewachsene Tümpel zum Ablaichen, die müssen nicht viel größer als eine Pfütze sein. Da findet sie in der Lettkaul ideale Bedingungen.“ Wichtig sei auch, dass das Gelände um die Wasserstellen herum nicht zu sehr mit Büschen und Bäumen zuwächst – die Unke hat es nämlich gerne sonnig.

Durch den Motorsport ist das gewährleistet, die Strecken führen nah an den Tümpeln vorbei. Der Lärm scheint den Tieren nichts auszumachen – abends, wenn es ruhig wird, erklingen dann im Sommer die Balzrufe: ein wenig aufdringliches „Uh“, die sprichwörtlichen Unkenrufe. Fressfeinde wie Bachstelze oder Reiher haben da schon mehr Probleme mit den Motorrädern und lassen sich nicht blicken, solange diese fahren. Allerdings hat das MSC-Mitglied Mario Müller, das sich hauptsächlich um das Wohlergehen der Unken kümmert, eine Ringelnatter entdeckt, die sich an den Amphibien vergehen dürfte.

Vielleicht bevorzugt sie aber auch den Bergmolch, der die größerem Gewässer des Geländes bewohnt. Tagsüber hängen die Unken auf der Wasserfläche oder am Gewässerrand und warten auf Futtertiere: „Wie alle Amphibien frisst sie alles, was sich bewegt und sie überwältigen kann“, sagt Wagner. Was die Tiere besonders hübsch macht, ist, wie der Name schon sagt, der signalgelbe Bauch mit schwarzen Flecken, der an den Feuersalamander erinnert. Im Tierreich bedeutet diese Zeichnung „Friss mich besser nicht, ich bin giftig“. Tatsächlich sondern Unken ein Hautgift ab, das für den Menschen nicht gefährlich ist, aber seine Schleimhäute reizt.

Das Interessante beim Besuch des MSC ist die Tatsache, dass die Unken nicht als notwendiges Übel oder gar feindselig betrachtet werden. Im Gegenteil, Vorsitzender Harry Leiner und das langjährige Mitglied Mario Müller sind beide naturverbunden und somit sehr interessiert am Wohlergehen der seltenen Lurche. Trocknen die kleinen Laichgewässer aus, werden die Kaulquappen in einen größeren Tümpel versetzt. Sitzt eine Unke mal versehentlich in einer Pfütze mitten auf der Rennstrecke, wird sie in sicheres Gebiet gebracht. Und überhaupt wird sehr darauf geachtet, dass genug Wasser in den Tümpeln ist.

„In den letzten trockenen Sommern haben wir so 50, 60 Kubikmeter zugespeist“, sagt Mario Müller. Leider muss der Verein für diesen Artenschutz selbst finanziell aufkommen – der Wunsch, solche Maßnahmen auch mal gesponsert zu bekommen, bestünde jedenfalls. Einen besonderen Standortvorteil besitzt die Unke auf der Rennstrecke auch noch: Sie entgeht den Versuchen jener Zeitgenossen, so ein putziges Tierchen mal mit nach Hause zu nehmen, weil es sich vielleicht im Gartenteich so gut macht. Erstens ist das natürlich streng verboten, zweitens sind die allerwenigsten Gartenteiche für eine artgerechte Haltung geeignet, und drittens wachen die Mitglieder des Vereins darüber, dass niemand Unbefugtes mit einem Kescher über die Rennstrecke läuft. Eine Kameraanlage zur zusätzlichen Überwachung ist vom Verein bereits bestellt worden.

 Unken halten sich gerne am Ufer auf, wo sie auf Beutetiere (meist Insekten) warten.
Unken halten sich gerne am Ufer auf, wo sie auf Beutetiere (meist Insekten) warten. Foto: Sebastian Dingler
 Auf der Unterseite ihres Körpers besitzt die Gelbbauchunke ihre namensgebende Signalfarbe.
Auf der Unterseite ihres Körpers besitzt die Gelbbauchunke ihre namensgebende Signalfarbe. Foto: Sebastian Dingler
 Bezüglich der Lettkaul herrscht Eintracht zwischen den Nabu-Leuten Gabi Stein und Norman Wagner (links) und den MSC-Vereinsmitgliedern Harry Leiner (rechts) und Mario Müller.
Bezüglich der Lettkaul herrscht Eintracht zwischen den Nabu-Leuten Gabi Stein und Norman Wagner (links) und den MSC-Vereinsmitgliedern Harry Leiner (rechts) und Mario Müller. Foto: Sebastian Dingler

Die Begehung des Geländes führt zu vielen Beobachtungen: Einige erwachsene Unken lassen sich blicken, dazu ihr Nachwuchs in allen Formen, von der Kaulquappe bis zum Jungtier. Erwachsene Bergmolche haben die Gewässer bereits verlassen, ihre Larven sind aber häufig zu sehen. In den 80-er Jahren, so wurde es von älteren Vereinsmitgliedern überliefert, sei mal der damalige saarländische Umweltminister Jo Leinen hier gewesen, um das Gelände zu inspizieren. Es sei auch ein Wissenschaftler dabeigewesen, der die Einzigartigkeit des Biotops damals schon erkannt habe. „Jo Leinen hat dafür gesorgt, dass die Strecke aufbleibt, da gab es nämlich Beschwerden von Anwohnern wegen des Lärms“, erzählt Müller. Lange sei sich aber nicht um die Amphibien gekümmert worden, in die Tümpel seien Reifen und Strohballen geworfen worden. „Da hab ich das Zeug rausgeholt und den Leuten gesagt, dass sie bitte nichts mehr reinschmeißen. Bis irgendwann jeder gemerkt hat, dass das Sinn macht.“