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Biosphärenzweckverband verteidigt Pflicht zum Biossiegel

Biosphärenzweckverband Bliesgau : Gallo widerspricht der Landtagsabgeordneten Schmitt-Lang

Der Biosphärenzweckverband unterstütze landwirtschaftliche Erzeuger sehr wohl. Das Bio-Siegel sei an mancher Stelle eben unvermeidlich.

Der Biosphärenzweckverband Bliesgau sieht sich gezwungen, den Aussagen der CDU-Landtagsabgeordneten Jutta Schmitt-Lang in einem Artikel vom 7. Juli in unserer Zeitung deutlich zu widersprechen. Sie habe dort die Auffassung vertreten, der Biosphärenzweckverband unterstütze die landwirtschaftlichen Erzeuger in der Region nicht ausreichend:

„Es ist weder angezeigt noch sachgerecht, dass Schmitt-Lang unser aller Unesco-Projekt und das sehr gut funktionierende Partnerbetrieb-Netzwerk, wohl nur aus parteipolitischen Gründen im Wahlkampf, anzugreifen versucht“, bedauert Verbandsvorsteher Landrat Theophil Gallo. Er widerspricht deutlich ihren Aussagen zur angeblich mangelnden Förderung der landwirtschaftlichen Erzeuger durch den Biosphärenzweckverband.

„Es fehlt hier augenscheinlich die Sachkenntnis“, so der Verbandsvorsteher, „denn: Im Biosphärenreservat Bliesgau gibt es zwei gut funktionierende Initiativen, die sich engagiert für regionale Erzeuger und regionale Produkte einsetzen. Beide werden vom Biosphärenzweckverband gefördert und unterstützt. Zum einen die Akteurs- und Erzeugergemeinschaft im Verein Bliesgau Genuss, der allen regionalen Betrieben zugänglich ist, und zum anderen das Partnerbetriebe-Netzwerk des Biosphärenreservates Bliesgau, das ebenfalls für Bewerbungen offen ist, aber tatsächlich und aus gutem Grund, für Lebensmittel erzeugende Betriebe die Biozertifizierung voraussetzt.

In dem Ausführungen von Schmitt-Lang seien hingegen von ihr einige Sachverhalte nicht zutreffend dargestellt worden. Gerade der Biosphärenzweckverband kooperiere seit vielen Jahren sehr wohl mit den nachhaltig arbeitenden, regionalen Erzeugern. Zum Beispiel über sein Projekt „Landwirtschaf(f)t Vielfalt“ mit fast ausschließlich konventionellen Betrieben und über seine personelle und finanzielle Unterstützung des Akteurs- und Erzeugernetzwerks „Bliesgau Genuss“, der zentralen Koordinierungsstelle für das Bliesgau-Regal und die Vermarktung regionaler Produkte. Auch der angebliche Ausschluss der „Urgesteine des Biosphärenreservates“ vom Marketing in einer vorhergehenden Pressemitteilung, auf die sich Schmitt-Lang beziehe, sei schlicht falsch. Vielmehr werde der beispielsweise dort als „Urgestein“ erwähnte Hans Pick mit seiner Öl- und Senfmühle in Einöd vom Zweckverband immer wieder nachweislich bei Aktionen, Bereisungen und Märkten unterstützt. Die Öl- und Senfmühle von Hans Pick sei sogar im Unesco-Evaluierungsbericht des Biosphärenzweckverbandes als Vorzeigebetrieb für nachhaltige Regionalvermarktung gepriesen und Hans Pick sei eines der Gesichter auf dem Programmheft zum „Biosphärenfest 2019“ in Einöd gewesen. Und das ganz ohne Biosiegel.

Das Partner-Netzwerk sei in erster Linie ein Projekt, das einen nachhaltigen Tourismus in der Region fördere und daher ganz unterschiedliche Branchen umfasse (Beherbergung, Gastronomie, Touristische Infostellen, Einzelhandel, Holzverarbeitung, Natur- und Landschaftsführer, Bildung und unter anderem auch die Regionalvermarktung in unterschiedlichen Facetten). Die Regionalvermarktung und die landwirtschaftlichen Betriebe stellten etwa ein Drittel des Netzwerkes dar. Richtig sei, dass das 57 Betriebe starke Netzwerk von den Lebensmittel erzeugenden Betrieben das Biosiegel verlange, wenn sie „Partner des Biosphärenreservates“ werden wollen. Nicht zuletzt deshalb, weil das MAB-Nationalkomitee, stellvertretend für die Unesco, bei der jüngsten Überprüfung des Biosphärenreservates im Jahr 2019 von der Region deutlich mehr Engagement für den Ausbau der ökologischen Landbewirtschaftung gefordert habe. Auch Verbraucher und Gäste im Biosphärenreservat suchten bewusst und immer mehr auch die Bioprodukte unter den regionalen Produkten. „Wer meint, hierzu auf politischem Wege Ausnahmen für einzelne Betriebe durchsetzen zu wollen, riskiert indirekt die Unesco-Anerkennung für unser Biosphärenreservat“, warnt Gallo.

 Die CDU-Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang.
Die CDU-Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang. Foto: BeckerBredel
 Der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Gerhard Mörsch.
Der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Gerhard Mörsch. Foto: GMLR

Der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Gerhard Mörsch, stellt klar: „Über die Kriterien des Partnerbetriebe-Netzwerkes entscheidet der Biosphärenzweckverband keinesfalls, wie fälschlich unterstellt wurde, in Eigenregie, sondern es entscheidet ein breit aufgestellter, unabhängiger Vergaberat mit Experten und Vertretern von Wirtschaftsbranchen und Umweltverbänden. Auch Vertreter der Erzeuger und Verarbeiter sitzen dort.“