Biesinger Bürger fordern Verkehrsberuhigung

Kostenpflichtiger Inhalt: Ist hier denn keine Lösung in Sicht? : Gewaltiger Unmut im „Feinstaub-Reservat“

Anwohner an der B 423 in Aßweiler, Biesingen, Blieskastel Mitte und Webenheim haben den Lärm und die Raser gründlich satt.

Schon sehr viel ist geschrieben worden über die B 423, ein Blick ins SZ-Archiv belegt dies. Vor allem ist viel berichtet worden über den Ärger der Bürger an besagter Bundesstraße von Aßweiler über Biesingen, Blieskastel-Mitte bis Webenheim. Und immer wieder hat die örtliche Politik großes Verständnis für all diejenigen Bürger gezeigt, die unmittelbar an der Trasse wohnen. Die sich Verkehrsberuhigung wünschen und keine Lust haben, im „Feinstaub-Reservat Bliesgau“ zu leben. Und das sind sehr, sehr viele Menschen. Einer von ihnen ist Ludwig Weinmann aus Biesingen. Er hat der SZ einen langen Brief geschrieben und auf das zurückgeblickt, was die Bürger schon alles unternommen haben, um hier auf Abhilfe hoffen zu können. Unter anderem „Unterschriftenlisten an den Landrat, als Leiter der zuständigen Straßenverkehrsbehörde wurden – mit großen Hoffnungen verbunden – übergeben“, schreibt er. Zumal der Landrat ja auch Verbandsvorsteher der Biosphäre Bliesgau sei und das immer wieder imagefördernd einsetze – auch „in vielen tollen Broschüren“. Weinmann wörtlich: „Ich selbst lebe wirklich sehr gern hier. Leider hat sich einiges zu Ungunsten der hier lebenden Menschen verändert, oder es wird zumindest negativ empfunden. Die Leute werden krank.“

Jeder von den Ortsräten über die Ortsvorsteher und Bürgermeister habe „ein offenes Ohr“. Verständnis werde geäußert und von Hilfsmaßnahmen geredet. Der Landrat habe gar im Mai ein Positionspapier der Kreisverwaltung zur Verkehrsentwicklung im Saarpfalz-Kreis vorgestellt. Das geschehe alles vor den Wahlen. „Und was passiert? Nichts, oder so gut wie gar nichts. Wie etwa im Fall Biesingen zu sehen ist.“

Die getroffenen Maßnahmen zählt unser Beschwerdeführer auf: „Zwei Achtungsschilder mit einem Fahrrad werden am Ortsaus-/eingang Richtung Blieskastel aufgestellt. Die weiße Fahrbahnrand-Markierung wird auf ein paar Metern Länge um wenige Zentimeter zur Fahrbahnmitte hin verlegt bzw. verschwenkt, was wohl eine Verengung der Fahrstreifen bewirken soll. Lachhaft.“, so Weinmann.

„Vom Landesamt für Straßenbau wird am Ortseingang, von Blieskastel her kommend, eine Querungshilfe mit Beschilderung aufgestellt. Diese kleine Lösung wird die B 432 optisch verengen und so für mehr Sicherheit auf der viel befahrenen Straße sorgen“, zitiert der Biesinger Bürger aus einem SZ-Bericht vom 24. April 2019, als dies die Ortsvorsteherin als erfreuliche Nachricht dargestellt habe.

Das Logistik-Zentrum Schenker, so unser Leser, habe sich ja erledigt, „aber damit ist keineswegs das Problem des massiven Lkw-Verkehrs gelöst. Den Parteipolitikern ist es doch nur recht, wenn sich die Bürger nicht mehr engagieren. Was wäre, wenn sich die Direkt-Anwohner der B 423 in Blieskastel Mitte, Webenheim, Biesingen, Aßweiler und Ommersheim wirklich zusammenschließen und in einer konzertierten Aktion auftreten würden? Es käme sicher mehr heraus, als Hinweise auf Geschwindigkeits- sowie Radarkontrollen und Mautgebühren für Lkw.“

Auch sei zu beachten, dass etliche verkehrsberuhigte Zonen links und rechts der Hauptstraßen geschaffen wurden, den Direkt-Betroffenen an der B 423 aber nicht geholfen werde. „Und wozu gibt es eigentlich eine Verkehrslärmschutzverordnung und eine EU-Lärmschutzrichtlinie? Wozu hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihren Leitlinien für Umgebungslärm Zielwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit formuliert? Gelten diese nicht auch hier bei uns und müssten von den Politikern auch eingehalten werden?“ Enorme Anstrengungen würden unternommen, „um die kleinste Maus bei Verkehrsbaumaßnahmen zu schützen. Nur an die Menschen denkt man oft zu wenig.“ Es gehe in der Sache grundsätzlich um viel mehr als um eine Entschärfung von gefährlichen Stellen oder drei Gefahrenschwerpunkten in Blieskastel Mitte. „Das wäre doch viel zu kurz gesprungen“, so Weinmann abschließend.

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