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Besuch auf dem Wertstoffhof in Blieskastel

Hier kommt das Gerümpel hin : Beim Abfall kehrt wieder Normalität ein

Geschlossene Wertstoffhöfe sorgten vielerorts für private Deponien zuhause. Auf den Wertstoffhöfen war der Ansturm bei der Wiedereröffnung deshalb groß.

Es war eines der geflügelten Worte, die während des Lockdowns in den sozialen Medien kursierten: „Das mach’ ich, wenn ich emòòl Zeit hann“, hatte so mancher Ehegatte seiner Angebeteten versprochen. Und dann hatte Mann Zeit. Es wurde der Keller aufgeräumt, Vor- und Nutzgarten auf Vordermann gebracht, endlich auch der Dachboden entrümpelt. Blieb dann nur noch die Frage der Entsorgung. Deponien und Wertstoffhöfe – geschlossen. Also entstand hinter dem Haus eine kleine Wertstoff- und Schrottdeponie.

Aber dann: Endlich wurden die drastischen Maßnahmen etwas gelockert, es sollte sich langsam wieder alles normalisieren. Aber da stand einem nicht der Sinn nach C&A oder Kaufhof, nein, endlich zum Wertstoffhof! Erster Dämpfer: Geänderte Öffnungszeiten. Dazu brachte dann sogar die nicht allzu aktive AfD-Minifraktion im Stadtrat einen Antrag auf die Tagesordnung. Also ein Thema, das bewegt. Und tatsächlich hörte man von „chaotischen Zuständen“ beim Wertstoffhof in der Blickweiler Straße. „Es gab riesige Schlangen und Wartezeiten. Denn es durften ja immer nur zwei oder drei Autos auf den Hof“, erinnert sich Raimund Bohr, der überaus freundliche Wertstoffhof-Mitarbeiter. Mittlerweile habe sich aber die Situation etwas entspannt. Also packt man die undichte Kaffeemaschine, den Schreibtischstuhl mit defekter Gasdruckfeder, das alte Schubkarrenrad und auch sonst noch alles, was der Kofferraum aufnehmen kann, in selbigen hinein und dann hin zum Wertstoffhof.

Wichtige Information und Benutzertipp von Raimund Bohr: „Gleich zu Beginn der Öffnungszeiten ist immer ziemlich viel los, da stauen sich die Autos am Eingang. Nach etwa zwei Stunden wird es dann weniger, dann kommen die Autos nur noch vereinzelt“. Aha, dann sucht man erst mal im Internet nach den Öffnungszeiten, denn die sind ja reichlich unterschiedlich. Mal ist am Morgen geöffnet, mal nachmittags. Montags zu Ferienbeginn ist auch ungünstig, weiß man ebenso von Raimund Bohr, wie auch die Tatsache, dass Freitag und Samstag beliebte Wertstoffhof-Tage sind.

Es ist aber, Gott sei Dank, heute wenig los, man stoppt am Eingang: „Auto aus!“, ist gleich der erste Befehl, den man sogar auf Englisch lesen kann: Stop Engine! Dann inspiziert ein Mitarbeiter den Kofferraum-Inhalt. Beim Fahrer stellt sich ein ähnliches Gefühl ein, wie wenn im Zug der Schaffner kommt: „Hoffentlich ist alles in Ordnung!“. Ja, ist es offensichtlich, denn der Bedienstete gibt knappe Anweisungen: „Elektroschrott in Container drei, Metall in den gelben Container links, dann den Sperrmüll in den ersten und dritten Container oben auf der Rampe!“. Wie gut, dass man schon öfter da war und sich auskennt, sonst wäre man mit den vielen Containern bei den knappen Anweisungen schlicht überfordert. Also vorfahren bis zum Elektroschrott-Container, dann Altmetall, aber an der Rampe staut es sich. Oben steht ein Auto mit Anhänger, man verhandelt, wo was reingehört. Der Sohn auf dem Beifahrersitz wird ungeduldig: „Warum machen die nicht voran? Die sollten jetzt mal anfangen, damit wir auch auf die Rampe fahren können“.

Schließlich ist auch der hochbepackte Hänger entladen, man kann hochfahren. Jetzt bloß nichts in den falschen Container werfen! Aber es geht einfacher als man denkt, denn man kann genau erkennen, wo was hingehört. Dann wieder herunter von der Rampe, für heute ist es geschafft. Aber zu Hause wartet schon die nächste Fuhre. Das wird noch dauern, bis man alles entsorgt hat. Hoffentlich kommt nicht noch eine zweite Virus-Welle und ein weiterer Lockdown. Schließlich steht im Keller auch noch so einiges an Gerümpel.