Bei Milch geht's um jeden Cent

Was stellen die Bauern in unserer Region her und wie vermarkten sie diese Produkte? Dem gehen wir in einer Serie nach. In loser Folge berichten wir über die landwirtschaftlichen Betriebe. Heute: der Kirchheimer Hof.

Idyllisch ist er gelegen, der Kirchheimer Hof, etwas abseits der Landstraße zwischen Blieskastel-Breitfurt und Gersheim-Bliesdalheim. Und wenn man auf den Hof der Eheleute Schreiner kommt, verspürt man so etwas von "Hier ist die Welt noch in Ordnung"-Stimmung. Muhende Kühe in freundlich-sauberen Ställen, die landwirtschaftlichen Maschinen sind in Bewegung, aber auch die Enkelkinder von Ulrike und Richard Schreiner spielen in dieser für Kinder traumhaften Umgebung.

Richard Schreiner bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn und dessen Familie den Betrieb. Insgesamt stehen etwa 170 Kühe in den Ställen, der Schwerpunkt des Betriebes liegt auf der Milchwirtschaft . Freundlich lächelnd empfängt der Bauer den Zeitungsmann, obwohl die Zeiten wahrlich gerade nicht einfach sind. Richard Schreiner nimmt sich Zeit für das Gespräch, obwohl jetzt im Betrieb viel zu tun ist und auch ansonsten der Terminkalender des Bauern kaum noch Lücken aufweist. Schreiner ist im "Ehrenamt" zudem noch Präsident der saarländischen Landwirtschaftskammer und hat auch in der Folge noch sehr viele weitere Verpflichtungen. "Man muss optimistisch in die Zukunft blicken", ist zwar Schreiner nicht gerade in Weltuntergangsstimmung, aber schon bald kann man feststellen, dass die scheinbare Idylle hier im Bliesgau durchaus auch von der "großen Politik" und von den für die Landwirte nicht guten Wetterbedingungen der vergangenen Wochen mitbestimmt werden.

Da sind zum einen die Milchpreise, die nicht zuletzt durch den Preiskampf der großen Discounter gerade im Keller sind. "Zwischen 2013 und 2014 waren die Preise gut, alle Faktor-Ansprüche konnten abgegolten werden, es blieb ein Gewinn", erinnert sich der Landwirt. Aber aus "verschiedensten Gründen" ist der Preis abgesackt. Und schon kommt die große Politik mit ins Spiel: "Die Sanktionen gegen Russland machen uns natürlich sehr zu schaffen", erklärt Schreiner.

Und mit "uns" sind nicht nur die Erzeuger gemeint, sondern auch die Hochwald-Molkerei ist ein genossenschaftliches Unternehmen, das also den Bauern mitgehört. Auch der Absatz nach China stagniert. Zudem war die Molkerei auch in anderen Krisenregionen gut im Geschäft, muss jetzt dort Einbrüche hinnehmen. Die Preise in den Supermärkten seien auch viel zu niedrig für die Bauern , fünf bis zehn Cent mehr wären für den Verbraucher durchaus zumutbar. "Aber es wird bei Aldi, Lidl und Co. um jeden Cent beim Endpreis gefeilscht."

Und neben dieser Entwicklung kämpfen die Landwirte derzeit natürlich auch noch mit der großen Trockenheit der letzten Wochen und Monate. Zwar könne man keine allgemein gültigen Aussagen treffen, dafür sei es in den Regionen zu unterschiedlich.

Für den Bereich seines Betriebes ist Schreiner mit der Getreideernte noch "wider Erwarten" zufrieden. So sei das Ergebnis beim Winterweizen (dem Brotgetreide) sogar noch überdurchschnittlich, und auch die Wintergerste und der Raps hätten alles noch gut überstanden. "Da waren offensichtlich noch genügend Wasservorräte da. Aber beim Sommergetreide sieht es schlecht aus." So seien die Erträge beim Hafer etwa oder der Braugerste sehr unbefriedigend. Auf den Koppeln müssten die Tiere schon mit den Winterreserven gefüttert werden. Schreiner weist zudem noch darauf hin, dass auch der Verschleiß bei den landwirtschaftlichen Geräten bei dieser Trockenheit überdurchschnittlich sei, was zusätzliche Kosten verursache.

Zum Thema:

Auf einen BlickRichard Schreiner hat zusammen mit seinem Sohn eine Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Neben der Familie arbeiten zwei Angestellte auf dem Hof, zwei Auszubildende sind ebenfalls mit im Betrieb. Neben der Milchwirtschaft steht auch die Aufzucht des Jungviehs im Vordergrund, es wird Grünlandwirtschaft betrieben und man ist auch in kleinem Umfang Selbstvermarkter. "So ist das Risiko breiter gestreut." Der Betrieb ist hochmodern, die Kühe werden rund um die Uhr von zwei Melkrobotern gemolken. ers