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Bei den Fahrschulen ist die derzeitige Stimmung sehr angespannt

Allmhlich geht ihre Geduld zu Ende : Auf sie kommt eine Prüfungswelle zu

Bei den Fahrschulen ist die derzeitige Stimmung sehr angespannt. Bis auf Weiteres müssen sie sich noch gedulden.

Die Fahrlehrer im Saarland sind hart vom weiter andauernden Lockdown betroffen. Und fiebern dem Tag entgegen, an dem sie wieder öffnen dürfen. Die monatlichen Fixkosten, wie Miete für die Schulungsräumlichkeiten und Versicherungen für den gesamten Fuhrpark, bleiben bestehen. Einnahmen hingegen gibt es kaum bis gar nicht. Denn der praktische Unterricht darf nur mit einem Bildungsgutschein des Arbeitsamtes oder für Menschen, deren Führerschein berufsrelevant ist, stattfinden. Theoretischer Unterricht darf nur online stattfinden. Zwei Fahrschulen im Saarpfalz-Kreis haben sich bei unserer Redaktion gemeldet, um ihre angespannte Situation zu beschreiben.

Für Tina Buchheit, Inhaberin der Fahrschule Buchheit an den Standorten Einöd, Niederwürzbach, Webenheim und Gersheim, ist die aktuelle Situation sehr belastend. „Diese Perspektivlosigkeit und dass man ständig wieder um weitere zwei Wochen vertröstet wird, das ist frustrierend für uns. Es ärgert mich auch, dass wir seit acht Wochen im Lockdown sind und erst jetzt kamen die Formulare für die Hilfen“, berichtet Tina Buchheit. „Der Januar ist ohnehin ein teurer Monat, da wir dann immer unsere Versicherungen zahlen müssen. Unser Fuhrpark mit acht Autos, Lkw, Anhänger und Motorräder sowie die Miete – alle unsere Fixkosten bleiben, doch seit Mitte Dezember steht die Fahrschule still und es kommt nichts mehr rein.“

Sie sieht sich zudem als Geschäftsführerin verantwortlich für ihre fünf festangestellten Fahrlehrer und ihren Auszubildenden, die sich derzeit in Kurzarbeit befinden. „Das Kurzarbeitergeld haben wir vorgelegt, da vom Arbeitsamt noch nichts kam.“ Für sie sei die Situation doppelt belastend, denn auch ihr Mann arbeitet in der Fahrschule. „Wir fühlen uns hilflos.“

Seit Februar bietet die Fahrschule nun auch Online-Theoriestunden an, damit die Fahrschüler wenigstens da vorankommen können. Einige wenige Fahrstunden dürfen stattfinden. „Wir haben einige Fahrschüler mit Bildungsgutschein und Fahrschüler, deren Führerschein berufsrelevant ist, wie Berufskraftfahrer. Diese Wenigen dürfen dann auch ihre praktische Prüfung ablegen.“

Dennoch sieht sie die bevorstehende Prüfungswelle als nicht stemmbar. „Wir schieben diese Welle vor uns her. Nach dem ersten Lockdown konnten wir zwar gut aufarbeiten, doch es kommen täglich mehrere Anfragen, wann es weitergeht. Und ich kann mir aktuell das Szenario nicht vorstellen, wenn es dann soweit ist. Der TÜV wird diese Flut unmöglich abwickeln können, zumal nun eine Änderung in den Prüfungen in Kraft tritt. Prüfungen werden im Schnitt zehn Minuten länger dauern, weil die Vor- und Nachbesprechungen intensiver geführt werden sollen. Natürlich akzeptieren wir alle Beschlüsse, denn die Gesundheit steht jederzeit im Vordergrund. Mir ist aber keine Fahrschule bekannt, die je von Infektionen betroffen war, und wir sind untereinander sehr gut vernetzt, daher hätte ich es mitbekommen. Das spricht also für unser Hygienekonzept, das wir umgesetzt haben.“ In anderen Bundesländern, wie Hessen, wo weiterhin Präsenzunterricht stattfinden darf, funktioniere es auch. „Warum sollte es hier nicht klappen?“, so Buchheit. „Unser Ministerpräsident hat gesagt, dass man bald verantwortungsvoll an die Öffnung der Schulen geht. Ich bitte darum, auch die Fahrschulen zu berücksichtigen, denn für uns zählt jede Minute.“

Auch Daniel Boßlet, Inhaber der Fahrschule Franz Boßlet in Homburg-Erbach, beschreibt die aktuelle Situation als bedrückend. „Die Stimmung ist in der gesamten Branche sehr angespannt. Wie alle anderen sind wir seit Mitte Dezember im Lockdown und haben seitdem so gut wie keine Einnahmen.“ Zwar sei die Überbrückungshilfe III nun beantragbar, doch vieles sei diesbezüglich noch sehr unklar. „Die Fahrschulen leben derzeit von Rücklagen, sofern diese überhaupt vorhanden sind. Einige gehen sicherlich an ihre Ersparnisse für die Altersvorsorge. Das ist eine Situation, die nicht von Dauer sein kann“, erklärt Daniel Boßlet. Man habe gute Hygienekonzepte ausgearbeitet, dennoch höre man nichts. „Es ist frustrierend. Meine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die trifft es sehr hart, weil sie weniger Einkommen haben. Ich habe noch laufende Kosten durch meine fünf Fahrschul-Pkw, einen Anhänger und fünf Motorräder, die unterhalten werden müssen.“

Der Januar sei immer teuer, aber normalerweise auch der stärkste Monat, da viele Anmeldungen und viele Fahrstunden anstehen würden. „Wir können nicht monatelang ohne Einnahmen überleben. Zumal die Fahrausbildung für junge Leute auch einfach systemrelevant ist.“ Fahrausbildung und Prüfungen stauen sich an, was in seinen Augen ebenfalls eine problematische Situation für den TÜV ergeben werde, äußert sich der Inhaber des Familienbetriebs in zweiter Generation.