Bäckerhandwerk zeigte sich beim Brotmarkt in Homburg

Es roch so gut in Homburg : Brot ist ein köstliches Kulturgut

Das Bäckerhandwerk zeigte sich beim Brotmarkt in Homburg von seiner besten Seite. Leider fehlt es an Azubis.

Seit zwölf Jahren feiert das saarländische Bäckerhandwerk das Kulturgut Brot - und dabei auch ein bisschen sich selbst beim Homburger Brotmarkt. Der findet alle zwei Jahre statt, am vergangenen Samstag war es also das sechste Mal, dass sich Betriebe der Bäckerinnung des Saarlandes in der City präsentieren, in diesem Jahr zehn an der Zahl.

Grundsätzlich herrscht in diesem Handwerk aber wohl weniger Feierlaune – fehlender Nachwuchs und die Konkurrenz von Backautomaten in den Discountern machen es den Bäckerei-Betrieben nicht leicht. Vor diesem Hintergrund war es durchaus spannend, zu diesen Herausforderungen etwas über die Position von Saar-Wirtschaftministerin Anke Rehlinger zu fahren. Sie war es, die am Samstag zusammen mit dem Landesinnungsmeister Hans-Jörg Kleinbauer und Homburgs Bürgermeister Michael Forster den Brotmarkt eröffnete.

Würde es ihr gelingen, die Leistung der Bäckerei-Handwerksbetriebe zu würdigen, ohne dabei allzu große Kritik an den Angeboten der Discounter zu üben? Gleich zu Beginn würdigte Rehlinger die Aktion der saarändischen Bäcker als wichtigen Baustein, „um den Menschen das Traditionelle und auch die Wertschätzung für Lebensmittel wieder ein Stückchen näher zu bringen. Jeder ist irgendwie gehetzt unterwegs, und natürlich macht man da gerne schnell die Einkäufe in Einem – und gerät dann an Brot-Backautomaten. Das mag jeder für sich selbst entscheiden.“

Es müsse aber eben eine bewusste Entscheidung sein, verdeutlichte Rehlinger. Und man solle schon wissen, dass es einen Unterschied gebe. „Und wenn man eine gute regionale Versorgung vor Ort haben will, am besten noch mit regionalen Produkten und Besonderheiten, die man dann auch schmecken kann – dann muss man eben zum Bäcker gehen.“ Dass es dieses alternative Angebot gibt, darauf müsse man, so die Wirtschaftsministerin, hinweisen. Voraussetzen könne man das nicht mehr. Es gelte deswegen, auch in der Öffentlichkeit die Werbetrommel zu rühren. „Und deswegen ist das hier auch eine so wichtige Aktion.“

Nun ging es am Samstag auf der Eisenbahnstraße im Bereich des historischen Marktplatzes natürlich nicht nur darum, die formale Leistungsfähigkeit des Bäckerhandwerks zu zeigen – es sollte vor allem für die zahlreichen Besucher der Veranstaltung darum gehen, dieses Handwerk auch in seiner Geschmacksvielfalt genießen zu können. Dazu hatten die teilnehmenden Betriebe nahezu alles aufgefahren, was einem Bäcker so an Leckerem aus der Backstube kommt. Mit dabei auch in diesem Jahr wieder Bäckermeister Gerhard Ecker aus Erbach, der zusammen mit der Bäckerei Lenert aus Blieskastel an einem gemeinsamen Stand die Kunst des Bäckereihandwerks zum Kosten präsentierte. „Der Brotmarkt gibt uns die Gelegenheit, unsere unterschiedlichen Brote zu zeigen, man kann auch mal anderes Brot anbieten als im Laden. Und man kann natürlich neue Kundschaft bekommen.“

Er selbst habe als besondere Offerten ein „Ludwigbrot“ aus Dinkel, Roggenmehl und Sauerteil sowie ein Roggen-Mischbrot mit zum Markt gebracht. Ecker zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung sehr sicher, dass Brot weiterhin „in“ sei. Auch legten die Kunden nicht nur Wert auf verträgliche Bestandteile, sondern auch auf Verzehrfrische und Verzehrlänge. „Ein Roggen-Mischbrot, das gut gemacht ist, hält sich eine ganze Woche.“

Trotz all dieser offensichtlichen Gründe, als Kunde auf das Bäckerhandwerk zu setzen, sei dessen Situation schwierig. Und das betreffe vor allem auch die Frage nach dem nötigen Nachwuchs. Ecker: „Das ist ein Problem. Es gibt nur wenige Azubis, die wirklich Interesse an diesem Beruf haben.“ Dabei gebe es aus seiner Sicht, so der Erbacher Bäckermeister, gute Gründe, seine berufliche Zukunft im Bäckerhandwerk zu suchen: Man könne selbstständig arbeiten, der frühe Arbeitsbeginn bedeutet auch ein frühes Arbeitsende und „man erlernt ein Handwerk, das goldenen Boden hatte und auch wieder auf diesen goldenen Boden zurückkommt“.

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