1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Blieskastel

Auf den Spuren von Philipp Heinrich Hellermann

Auf den Spuren von Philipp Heinrich Hellermann

Mimbach. 1410 wurde mit dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken ein Staatsgebilde geschaffen, das bis 1801 Bestand hatte - und das über Jahrhunderte hinweg auch den heutigen Saarpfalz-Kreis prägte

Mimbach. 1410 wurde mit dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken ein Staatsgebilde geschaffen, das bis 1801 Bestand hatte - und das über Jahrhunderte hinweg auch den heutigen Saarpfalz-Kreis prägte. Vor dem Hintergrund der auch entlang der Blies begangenen Feierlichkeiten rund um das Jubiläum "600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken" bietet nun die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Saarpfalz an diesem Samstag eine Tagesfahrt auf den Spuren des Landbaudirektors Philipp Heinrich Hellermann an und erinnert mit dieser Exkursion zugleich an einen bedeutenden Architekten des Barocks, der heute an seiner einstigen Wirkungsstätte zu Unrecht nahezu vergessen ist. Kulturhistorischer KontextEines seiner im wahrsten Sinne herausragendsten Zeugnisse ist unter anderem der markante Turm der Mimbacher Christuskirche, der bereits von Weitem ins Auge sticht und dessen Dachhaube nicht nur wegen ihrer ungewöhnlichen Form, sondern auch aufgrund ihres kulturhistorischen Kontexts als eine besonders bemerkenswerte Schöpfung Hellermanns gilt. Dass die wegen ihrer Größe auch "Dom des Bliestals" genannte Kirche gleichzeitig als der bedeutendste protestantische Sakralbau des 18. Jahrhunderts im Saarpfalz-Kreis gilt, ist ein weiterer Beleg für die Meisterschaft dieses zudem unter widrigen Umständen wirkenden Architekten. Geboren wurde dieser bemerkenswerte Baumeister 1728 in Meisenheim am Glan, wo er gleichfalls Spuren hinterließ und wo er 1806 auch verstarb. 1765 ernannte ihn sein Landesvater Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken zum Landbaudirektor für das gesamte Herzogtum, wodurch Philipp Heinrich Hellermann vom Straßen- und Brückenbau über Amts-, Rat- und Pfarrhäuser bis hin zur Errichtung und Renovierung von Sakralbauten sämtliche Baumaßnahmen oblagen. Bei all dem sah er sich bezüglich der evangelischen Landkirchen, zu deren Bau und Instandhaltung der Herzog als oberster Kirchenherr verpflichtet war, zu Sparsamkeit verpflichtet. Indes: Philipp Heinrich Hellermann wusste aus der Not eine Tugend zu machen und entwarf eine Art Grundtypus für preiswerte, einfache Landgotteshäuser, zu denen unter anderem die 1968 abgerissene ehemalige Simultankirche in Bierbach zählte. Durch die Reduktion auf das Wesentliche entstand dabei sein vornehmer klassizistischer Stil, der den bis dahin vorherrschenden Barock alten Zuschnitts Zug um Zug ablöste. Gleichzeitig war er bekannt für sein erstaunlich großes Repertoire unterschiedlicher Turmhauben und jene aufwendigen, komplett geschlossenen Stockwerkshelme, mit denen er in Bergzabern, Fürfeld und Ransweiler Akzente setzte: Deren kühne Schönheit wiederum offenbart sich gerade in der weit und breit einzigartigen, 1767 entstandenen Bekrönung des ursprünglich gotischen Mimbacher Chorturms, die seit dem 18. Jahrhundert als weithin sichtbares Wahrzeichen des wie zahlreiche weitere Orte entlang der Blies einstmals zu Pfalz-Zweibrücken gehörenden Dorfes gilt. 1769 errichtete Hellermann zudem den neuen Breitsaal der Christuskirche und schmückte sie mit der für sie charakteristischen großzügigen Freitreppe. Daneben erweiterte er 1771 die Saalkirche von Limbach, entwarf ein Jahr später Pläne für einen letztlich doch nicht ausgeführten Sakralbau in Medelsheim und errichtete schließlich 1775 die Katholiken und Protestanten gleichermaßen für ihre Gottesdienste dienende Simultankirche in Bierbach. In der Folge hinterließ er zwischen Hunsrück und Rhein weitere bemerkenswerte Beispiele spätbarocker Baukunst.

HintergrundDie von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Saarpfalz veranstaltete Tagesfahrt "Auf den Spuren von Landbaudirektor Philipp Heinrich Hellermann und Hoforgelmacher Philipp Daniel Schmidt" findet am Samstag, 25. September, statt und führt nach Meisenheim, Sobernheim und Neunkirchen am Potzberg. Für die Teilnahme an der von Bernhard Bonkhoff und Thomas Wiercinski begleiteten Tagesfahrt wird ein Kostenbeitrag von 64,- Euro je Teilnehmer erhoben. Anmeldung und nähere Informationen unter Telefon (0 68 94) 9 63 05-16 bei der KEB Saarpfalz. Nähere Informationen zu Philipp Heinrich Hellermanns Person und Werk und dessen überregionalem Kontext finden sich in Stephan und Manfred Reinerts Themenführer "Barocke Turmhelme im Saarland'' (84 Seiten mit 60 Abbildungen), der im Staden Verlag erschienen und unter ISBN 3-935348-12-6 im Buchhandel erhältlich ist. kf