Auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt

Saarbrücken war erste deutsche Fairtrade-Stadt. Blieskastel will es der Landeshauptstadt gleichtun. Dies hat der Stadtrat mit zwei Gegenstimmen beschlossen. Nun müssen weitere Kriterien erfüllt werden.

Blieskastel möchte "Fairtrade-Stadt" werden. Die Stadt bewirbt sich im Rahmen der Kampagne "Fairtrade-Towns" von Transfair. Fairtrade ist ein Siegel, das vorgibt, dass die Produkte "fair" gehandelt werden, es sich um natürliche Rohstoffe handelt und dass auch die Produzenten in den Erzeugerländern, also etwa Kaffee- oder Kakao-Bauern, faire Preise für ihre Produkte erzielen können. In Deutschland hatte übrigens Saarbrücken das erste Qualitätslogo als "Fairtrade-Stadt" erhalten, auch der Saarpfalz-Kreis hat das Siegel erworben. Nun muss also auch Blieskastel die fünf Kriterien erfüllen. Zunächst muss ein Ratsbeschluss für das Siegel gefasst werden, was in Blieskastel in der jüngsten Stadtratssitzung bei zwei Gegenstimmen auch umgesetzt wurde.

Zudem muss als zweites Kriterium eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden. Auch dies ist in Blieskastel bereits geschehen. Der örtliche Handel (drittes Kriterium) muss Fairtrade-Produkte im Sortiment haben. Weiterhin müssen bei allen öffentlichen Veranstaltungen der Stadt, der Schulen, der Kirchen mindestens zwei Fairtrade-Produkte angeboten werden. Und als letztes Kriterium nennt die Fairtrade-Organisation die Öffentlichkeitsarbeit, damit der Fraitrade-Gedanke sozusagen auch medial rüberkommt. Die Organisation prüft zwei Jahre nach Vergabe des Siegels, ob die Kriterien noch eingehalten werden.

Einer der glühenden Verfechterinnen des Gedankens ist Brigitte Adamek-Rinderle (Bündnis90/Die Grünen), die davon überzeugt ist, dass das Fairtrade-Label "nicht ein Label unter vielen ist, sondern eines der wichtigsten". Sie zeigte sich überzeugt, dass man damit den Menschen in den Produktionsländern menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen kann und setzte das Siegel auch in Beziehung zu den Idealen der Biosphäre.

Unterschiedliche Meinung

Auch SPD-Fraktionschef Guido Freidinger hielt ein Plädoyer für das Label. Holger Schmitt, CDU-Fraktionschef, konnte von der erfolgreichen Arbeit der bereits eingerichteten Steuerungsgruppe berichten. Olaf Vieweg (AfD) wollte indes nicht auf den Fairtrade-Zug aufspringen. Er berichtete von Studien der Universitäten von Berkeley und San Diego, die herausgefunden hätten, dass dieses Label den Bauern in den betroffenen Regionen überhaupt nichts bringe, sie eher schlechter bezahlt seien. In einem Artikel von "Zeit online" werde ebenso kritisch mit dem Label abgerechnet. Wer den Versprechungen der Fairtrade-Organisation glaube, sei vor allen Dingen eins: "Hoffnungslos naiv". Stadtratsmitglied Olaf Vieweg stellte für sich persönlich fest, dass wenn es nur eine Person in Blieskastel gebe, die zur Tafel gehen müsse, sich die Stadt Blieskastel diese teuren Fairtrade-Produkte mit Steuergeldern nicht leisten dürfe. Die AfD stimmte dagegen.

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