Konzert in Blieskastel : Viel Begeisterung in einem ausgehungerten Publikum

Die Akteure auf der Bühne der Bliesgau-Festhalle in Blieskastel hatten bei der A-Cappella-Nacht keine Mühe, Stimmung zu machen.

„Ach, ist das schön, wieder mit Fremden zu kuscheln“, die Seniorin in Reihe 3 der Bliesgau-Festhalle war am Sonntagabend hin und weg von den Corona-Lockerungen, die dafür sorgten, dass man die Maske weglassen und, ohne Abstand halten zu müssen, seinen Platz einnehmen konnte. Das sorgte zwangsläufig für mehr Besuch bei der A-Cappella-Nacht, die eigentlich ausverkauft war. Doch zwei Tage vorher kam die Erlaubnis, wieder mehr Menschen in den städtischen Kulturtempel zu lassen. Es schien, als sei man in der Barockstadt angesichts dessen, dass die Veranstaltung 2020 ganz ausfiel, geradezu ausgehungert nach Kultur. „Die Halle ist endlich nochmal voll“, freute sich auch Bürgermeister Bernd Hertzler (SPD), der als Gastgeber die Begrüßung vornahm.

Eingebettet in das Festival „Euroclassic“ hatte Peter Martin Jacob, der mit dem A-Cappella-Konzept nicht nur auf Tour geht, sondern es auch organisiert und moderiert, eine weitere frohe Botschaft parat: Es sei die erste A-Cappella-Nacht seit zwei Jahren. Mit „Wir sind wieder da“, gab der Mannheimer nicht nur seine Freude kund, sondern sorgte auch damit, dass er Erich Kästner bemühte, für die gekonnten Überleitungen zu den einzelnen Gruppen. Unn dass sogahr ähnmol uff saarländisch.

Den Auftakt machte die Gruppe Six Pack aus Regensburg. A-Capella-Comedy könnte man da sagen und würde dem, was die sechs Männer in ihren festlichen Anzügen da auf die Beine stellten, nur in Bruchteilen gerecht werden. Sie schafften es nämlich nicht nur mit ulkigem Gesang, sondern auch mit einer Show, die sich sehen lassen konnte, die Stimmung hochzupushen. Und dabei waren die Baustellen-Hütchen, die die Sechs wegen des Sanierungsbedarfs der Halle aufgestellt hatten, noch das Harmloseste. Wortspiele mit dem Plural von französischen Vokabeln und andere Lieder wie „Frères Jaques“ dazu gemischt, während man parallel „Oh, Champs Elysées“ singt: zum Schreien komisch. Und dann schaltet man um zu Peter Nidetzky nach Wien (Aktenzeichen XY ungelöst), um das alte Kinderlied zu hören: Falco’s „Der Kommissar“. Wer sang und klatschte da nicht (heimlich) mit? Und dann gelang das, was man beim ersten Abendauftritt selten schafft: Leute, die aufstehen, tanzen und singen, während auf der Bühne sechs Herren mit Hüten „Born to be alive“ (Patrick Hernandez) singen.

Da hatten es die vier Männer aus dem hohen Norden, die sich Quartonal nennen, schwerer. Doch auch sie überzeugten das Publikum schnell. Zunächst mit einem Klassiker: „Die Gedanken sind frei“. Die Vier schafften es gar, den Bogen von Hoffmann von Fallersleben zu der Band Chicago zu schlagen, was die Besucher allein schon bei der Ankündigung mit einem langgezogenen „Aahhhhh!“ goutierten. Geschafft: Der erste Titel mit Gänsehautfaktor erreichte das Programm. Deutsches Liedgut kann auch durchaus einen zeitgemäßen Bezug haben. So wurde verdeutlicht, dass es bei „In einem kühlen Grunde“ auch um Untreue gehen kann. Statt der Ursprungsversion von Joseph von Eichendorff orientierte man sich hier eher an den Comedian Harmonists. „Seien Sie beruhigt, wir singen heute Abend nur ein Dutzend Strophen“, witzelte Mirko Ludwig. Der Tenor brachte damit zum Ausdruck, dass „Die Vogelhochzeit“ angeblich mehre Dutzend Strophen beinhalten würde. Da musste eine Zugabe mit „Ein Jäger längs dem Weiher ging“ her.

Die gelungene Mischung aus Komik, Nachdenklichkeit und Romantik schaffte die Gruppe Baff!. Neben dem Gesang ist der Rhythmus ein besonderer Schwerpunkt der vier Sänger. Man glaubte stellenweise, es stünde ein Schlagzeug auf der Bühne, doch das ist das Gesangswerk des Soundkünstlers Jörn Roggenkamp.

Vieles von ihnen grenzt schon so ein wenig an Rap und Hiphop. Das stört aber nicht. Und die Themen in ihren Liedern handeln auch oft von Kritischem. Etwa, wenn sie die Dominanz des Handys ansprechen. „Die Erde dreht sich auch ohne dich“, so das Fazit der Gruppe. Und das Publikum? Das rastet aus.

Und das nicht nur bei der Zugabe. Die Kultur ist wieder da. Zumindest in Blieskastel. So, Covid-19: Setzen, 6!