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Wie in Homburg Pfingsten gefeiert wird

Pfingsten - ein etwas sperriges Fest : Ein Fest mit Feuerzungen und Fremdsprachen

Was bedeutet eigentlich Pfingsten, außer einem willkommenen freien Montag? Wir fragten nach und bekamen Antworten, die sehr modern sind.

An Weihnachten kommt das Christkind, Ostern der Osterhase – und Pfingsten? Dazu fällt den meisten Leuten nur noch wenig ein. Um christliche Feste richtig einzuodnen, „da ist Weihnachten natürlich am einfachsten“, sagt Stefan Poppon, Pastoralreferent der katholischen Pfarrei Heilig Kreuz, „das Fest ist schon seit der frühesten Kindheit gesetzt und hier gibt es auch noch eine enge Verbindung zwischen dem religiösen und dem weltlichen Aspekt.“ Geschenke und das Kind in der Krippe gehören zusammen.

Was man von Jesu Auferstehung und dem Osterhasen nun wirklich nicht behaupten kann. Diese Verbindung wäre reichlich profan. Obwohl aus christlicher Sicht Ostern ein sehr hohes Fest ist, nimmt in der breiten Masse seine religiöse Bedeutung immer mehr ab. Wie Umfragen ergeben, wissen viele Leute kaum noch, was Ostern eigentlich bedeutet. Allerdings ist es kein allzu großes Problem, dies dann verständlich zu erklären. Der Tod am Kreuz und die Auferstehung gehören noch immer zur Allgemeinbildung in Europa, ob man nun daran glaubt oder nicht.

Anders verhält es sich da mit Pfingsten. „Dieses Fest wird in den Firmkursen erst richtig behandelt“, sagt Poppon, „es ist in der Tat ein Fest, das zwar mit vielen Bildern arbeitet, aber sich dennoch nicht auf Anhieb erschließt.“

Die Bilder in der Apostelgeschichte des Lukas sind natürlich schwer beeindruckend: „Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeden von ihnen und sie wurden alle erfüllt vom Heligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen“.

Auch Stefan Poppon jagte diese Bibel-Stelle als Kind, wie er erzählt, Furcht und Respekt ein, „vor allem, dass man plötzlich in anderen Sprachen reden kann.“ Wer sollte davon nicht begeistert sein? Wobei die Französisch- oder Englischlehrer nach den Pfingsferien selten eine signifikante Verbesserung bei ihren Schülerinnen und Schülern feststellen, es sei denn, die hatten weltliche Nachhilfe. „Aber später begreift man natürlich, dass dies alles nur symbolisch gemeint ist“, so Poppon.

Für ihn bedeute „die Sprache des anderen sprechen“, dass man in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ihnen zuzuhören, einen Zugang zu finden. Und das Brausen in der Luft, die Feuerzungen, „dass ist die Energie, die man braucht, um von seinem Tun begeistert zu sein, um Mut und Kraft von Gott zu bekommen, seinen Weg zu gehen. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, der sehr gut in unsere Zeit passt.“

Auch die evangelische Pfarrerin Petra Scheidhauer aus Bruchhof-Sanddorf hat die Erfahrung gemacht, dass die Bedeutung des Pfingstfestes kaum noch bekannt ist. „An Pfingsten hab‘ ich immer Geburtstag!“, rief bei ihr im Grundschul-Unterricht ein Mädchen begeistert. „Mehr kommt nicht aus der Kinderschar, niemand weiß, wann und was Pfingsten ist“, so Scheidhauer.

„Vermutlich geht das nicht nur Kindern so. Das Osterfest geht ja noch so einigermaßen, da war die Sache mit der Auferstehung. Aber beim Termin für Ostern geraten fast alle in Schwierigkeiten. Dabei ist das gar nicht so kompliziert: Ostern ist immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Vierzig Tage später ist Christi Himmelfahrt, fünfzig Tage nach Ostern ist dann Pfingsten. Aber was war das noch mal?“, fragt sie weiter. Und rät, die Bibelstelle noch einmal nachzulesen. Denn es handele sich dabei um eine „reichlich irre Geschichte“

Die Jünger und alle, die bei ihnen sind, werden nämlich für sturzbetrunken gehalten. „Andere hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein“ heißt es dazu in der Bibel. Warum? Sie können sich plötzlich mit allen verständigen, unabhängig von deren Muttersprachen. So kommt es, dass sich alle verstehen können. „Auslöser dafür ist ein Brausen vom Himmel, und über den Köpfen der Jünger erscheinen Feuerzungen, alle werden vom heiligen Geist erfüllt. Das ist wirklich eine verrückte Story, übrigens nachzulesen im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte. Auch bei Jesu Taufe kommt der Heilige Geist ins Spiel, hier in Form einer Taube. Jesus wird nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Geist getauft“, erklärt Pfarrerin Scheidhauer.

Die Taube, die man in sehr vielen evangelischen Kirchen als Symbol in den bunten Fenstern sieht, gibt es auch in der Homburger Stadtkirche. Wie es sich gehört, stürzt sie senkrecht auf die Gläubigen hinab. Beinahe, so geht ein Gerücht, habe der Glaser sie umgekehrt eingesetzt. Das wäre dann La Paloma geworden, die Taube, die wegfliegt. Aber genau das ist eben nicht gemeint.

„Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Und der fördert hier ganz eindeutig das gegenseitige Verständnis. Er ist Kommunikationsermöglicher, Übersetzer und somit Empathieverstärker. So gesehen hat die Welt dieses Fest absolut nötig“, betont Pfarrerin Scheidhauer. Und liegt damit auf einer Linie mit ihrem katholischen Kollegen. Und fügt hinzu: „Vielleicht wäre es ja viel bekannter, wenn es ein festes Datum geben würde, aber wir müssen rechnen. Vergessen Sie’s nicht: fünfzig Tage nach dem ersten Frühlingsvollmond.“

Die Taube im zentralen Kirchenfenster der ev. Stadtkirche in Homburg symbolisiert den Heiligen Geist, der zu den Menschen kommt. Deshalb fliegt die Taube hinunter in den Kirchenraum, nicht hinauf in den Himmel. Foto: Scheidhauer/ev.Kirche/Scheidhauer/ev. Kirche

Wer über etwas mehr Bibelfestigkeit verfügt, weiß natürlich, dass sich an die Stelle mit der vermeintlichen Trunkenheit die berühmte Pfingstpredigt des Petrus’ anschließt. Dies ist „die Geburtsstunde der christlichen Kirche. Es ist der Impuls, das Neue Testament weiterzutragen in die Welt“, sagt Pastoralreferent Pappon. Was er sich wünscht? „Mehr Verständnis füreinander. Und mehr Rückenwind bei den guten Taten, die man vollbringen sollte.“