Wettstreit der Klezmer-Virtuosen

Ein wahrhaft großartiges Konzert erlebten die Besucher eines Wettstreits zweier herausragender Klezmer-Virtuosen in der Waldorfschule in Bexbach. Helmut Eisel und Hanan Bar-Sela aus Israel, begleitet vom Klaviermeister Stefan Volz, sorgten für einen musikalischen Hochgenuss für den guten Zweck.

Im großen Festsaal der Waldorfschule Bexbach herrschte erwartungsvolle Stille. Plötzlich jauchzte aus dem Hintergrund eine Klarinette auf, jubilierte, vibrierte Hanan Bar-Sela musizierte mit seinem außergewöhnlichen, durchsichtigen Instrument bis auf die Bühne. Eine eindrucksvolle Eröffnung für ein großartiges Konzert, einen "Wettstreit der Klezmer-Virtuosen". Anlässlich der Woche der Brüderlichkeit hatte die Gesellschaft für Multiviszidose zum Benefizkonzert mit dem saarländischen Klarinetten-Virtuosen Helmut Eisel und seinem israelischen Kollegen Hanan Bar-Sela - dem tonangebenden Klezmer-Musiker in Israel - eingeladen. Trotz der Wetterverhältnisse kamen mehr als 120 Musikfreunde, um den faszinierenden musikalischen Dialogen und den phantasievollen Klanggeschichten zu lauschen, die die beiden Meister-Klarinettisten und Klaviermeister Stefan Volz ihren Instrumenten entlockten.

Die Schule hatte das Konzert zum Anlass für einen Klezmer-Improvisations-Workshop mit Helmut Eisel genommen. Viermal hatten die beiden Musiklehrer Michael Bernhardt und Michael Jung mit ihren Schülern nach Noten geprobt. Jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten führte "Das Orchester", wie sich die jungen Musiker nannten, mit dem Profi gleich zwei Stücke auf, inklusive improvisiertem Zwiegespräch von Geige oder Akkordeon mit der Klarinette . "Wir haben nur zwei Stunden heute Nachmittag daran gefeilt", zeigte sich Eisel begeistert von den talentierten Nachwuchsmusikern.

Gut zwei Stunden lang boten die drei Profis ein buntes Kaleidoskop durch die vielfältige Welt der Klezmer-Musik. Traditionelle Stücke mit den typischen Melodieläufen und Tempowechseln, russische und rumänische Folklore, Klezmer-Varianten über Stücke weltbekannter Komponisten und Evergreens sowie zahlreiche Eigenkompositionen der drei Vollblutmusiker boten eine ungeahnte musikalische Vielfalt. Noch faszinierter war das Publikum von der Klangvielfalt, die die beiden Virtuosen ihren Klarinetten entlockten. Hanan Bar-Sela ließ sein Instrument lachen und weinen. Schreien, jubeln, schmelzen, schluchzen, sich in Läufen überschlagen, hüpfen, stapfen - kaum ein Klang, der im Laufe des Konzertes nicht zu hören war. Stefan Volz entlockte seinem Flügel Morsestaccati in dem selbst komponierten Stück Sorsi e Morsi. Einer der vielen Höhepunkte war die Uraufführung von Mozarts Champagner-Arie aus Don Giovanni als folkloristischer Freilach, als Tanz. Der berühmte CanCan von Jaques Offenbach ließ sich als Klezmer-Dialog und Trilog mit dem Klavier ebenso umsetzen, wie der Säbeltanz von Aram Chatschaturjan. Welthits wie Frank Sinatras My Way oder das als "those were the days my friend" bekannte, russische Volkslied wurden leidenschaftlich improvisiert. Dabei ging es durchaus humorvoll zu. Helmut Eisel kündigte "Babsi's Freilach" als das Versprechen an seine Ehefrau an, ihn immer zu spielen, wenn besonders schöne Frauen im Publikum sitzen. Die begeisterten Gäste erklatschten sich mehr als eine Zugabe - natürlich spontan und improvisiert.