Vortrag am Uniklinikum Homburg über Zwangssterilisation und Euthanasie

Brisantes Thema : Wichtiger Vortrag über ein dunkles Kapitel

Das Thema war jahrelang ein Tabu, bis die historische Forschung des damaligen Mitarbeiters unserer Zeitung, Christoph Brass, eindeutig belegte, dass am damaligen Landeskrankenhaus in Homburg Zwangssterilisationen und Euthanasie praktiziert wurden.

Einer derjenigen, der in Christoph Brass’ Arbeit immer wieder auftaucht, ist der Chirurg und Leiter des damaligen Landeskrankenhauses, Oskar Orth. Nachdem ihm eindeutig eine Verantwortung an den damaligen Taten zugewiesen werden konnte, änderte die Stadt Homburg 1993 den Namen des Oscar-Orth-Preises in „Wissenschaftspreis der Stadt Homburg“. 1997 wurde die Adresse der Universitätsklinik von „Oscar-Orth-Straße“ in „Kirrberger Straße“ geändert.

Die Paul-Fritsche-Stiftung Wissenschaftliches Forum an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an dieses Unrecht wach zu halten. „Diese Erinnerungskultur soll an die Greueltaten während des Dritten Reichs erinnern und unserer aller Bewusstsein und vor allem auch das der jetzigen Medizinstudierenden schärfen, damit sich so etwas nicht wiederholen möge“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Christoph Brass habe mit seiner Doktorarbeit über das Thema „Zwangssterilisation und Euthanasie im Dritten Reich am Beispiel des Saarlandes 1935 - 1945“ Pionierarbeit für das Saarland geleistet.

 Christoph Brass wurde in Neunkirchen geboren und wuchs in Homburg auf. Sein Studium der Neueren Geschichte an der Universität des Saarlandes schloss er mit einer Promotion ab. Während seines Studiums war er Stipendiat der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk und arbeitete außerdem journalistisch für die Saarbrücker Zeitung. Nach verschiedenen beruflichen Stationen in der Staatskanzlei des Landes Baden-Württemberg leitete er im Bundespräsidialamt von 2006 bis 2009 unter Bundespräsident Horst Köhler das Grundsatzreferat. Anschließend wechselte er ins Bundesministerium für Bildung und Forschung wo er die Unterabteilung für bildungs- und forschungspolitische Grundsatzfragen leitete. Von 2014 und 2017 leitete er als Ministerialdirektor die Abteilung Inland des Bundespräsidialamtes. Ehrenamtlich engagiert er sich in der außerschulischen Bildungsarbeit und ist Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Seit fast 30 Jahren gibt es nun schon die Paul Fritsche Stiftung Wissenschaftliches Forum. Seit 2006 ist Professor Mathias Montenarh der Vorsitzende, dem es gelingt „im Jahr drei bis vier hochkarätige Referenten nach Homburg einzuladen“, heißt es weiter in der Mitteilung. Seit 2016 hat Montenarh eine Seniorprofessur inne, in der er sich insbesondere um Fragen der Bioethik und Medizinethik kümmert. Deshalb gebe es weiterhin Vorträge in der Paul Fritsche Stiftung, die sich genau mit diesem Themenbereich beschäftigen.

Darüber hinaus gibt es im Wintersemester neuerdings auch ein Seminar für Biologie- und Medizinstudetnen zur Bio- und Medizinethik - und im Sommersemester ein Seminar über die Grundlagen der Ethik. Darüber hinaus, so Montenarh, finden künftig regelmäßig Ethiknachmittage statt, zur Information der Bevölkerung und zur internen Fortbildung der Klinik-Mitarbeiter. Die erste Veranstaltung des Wintersemesters ist dieser Vortrag von Christoph Brass.

Die Veranstaltung mit dem Thema „Zwangssterilisation und Euthanasie im Dritten Reich am Beispiel des Saarlandes“ findet am Donnerstag, 7. November, um 18.15 Uhr im Hörsaal der Medizinischen Biochemie (Geb. 45) am Klinikum statt. Der Eintritt ist frei.

Mehr von Saarbrücker Zeitung