Utopion-Gelände: Alles sauber nach dem "Epic Empires"

Kostenpflichtiger Inhalt: Utopion-Gelände Bexbach : Fantasy-Schlachten ohne Flurschaden

Gregor Hoch, Pächter des Utopion-Areals, zeigt bei einer Begehung den Geländezustand nach dem größten Liverollenspiel dort und erläutert seine Pläne. Während er den Umweltschutz betont, wird er in puncto Genehmigungs-Hickhack langsam ungeduldig.

Man hat die Müllberge auf dem Rocco-del-Schlacko-Gelände vom letztem Wochenende noch vor Augen: Tonnenweise Papier, Flaschen, Zelte der Camper auf dem Püttlinger Sauwasen. Der Kontrast zum Bexbacher Utopion-Gelände könnte kaum größer sein. Da endete am Samstag das Epic Empires, das größte, dort stattfindende Rollenspiel-Event. Und zu sehen ist davon bei einer Begehung mit der Presse: nichts. Weder liegt auch nur ein Stück Müll dort, wo vor zwei Tagen erst rund 1000 Kostümierte gegeneinander kämpften oder miteinander handelten. Noch ist dort das Gelände verwüstet, das Gras zertrampelt. Spieler und Helfer hätten gesammelt, was noch herumlag – später wird ein Transparentbeutel im A5-Format mit den „Fundstücken“ herumgereicht.

„Und das ist die Lage nach dem Worst-Case“, schildert Gregor Hoch zufrieden. Er ist der Pächter des Utopion-Geländes nahe des Saarpfalz-Parks Bexbach, selbst Live-Rollenspieler. Diese hätten von einem unbelasteten Areal am meisten. Tonnenweise Müll, Autoreifen, Kühlschranke, Matratzen und Plastikplanen hätten sie früher aus dem Steinbruch und dem übrigen Gelände geschafft. Vor kurzem ein von Unbekannten zugeschüttetes Biotop in Rücksprache mit dem Umweltministerium in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.

Hoch möchte auf dem Gelände gerne Altbauten rechtssicher umgestalten. Also etwa ein spartanisches Haus brandsicher gestalten, in dem die Bundeswehr früher Häuserkämpfe simuliert hat. Aber auch auf einem ganz anderen Teil des 110 Hektar großen Areals, direkt am Saarpfalz-Park, ein ähnliches Gebäude (erinnernd an eine Taverne wie bei „Herr der Ringe“) und darum acht bis zwölf Hobbithäuser für Touristen errichten. Rund 250 Quadratmeter des Gesamtareals sind von seinen Bauplänen betroffen, berichtet der Österreicher, der über seine Rollenspielfreude zu dem Gelände kam.

Die Stadt Bexbach kennt Hochs Pläne, die Aufsichtsbehörden haben vor Monaten signalisiert, dass diese grundsätzlich genehmigungsfähig sind. Die Bexbacher CDU hatte im Stadtrat angestoßen, dass eine Änderung des alten Bebauungsplans geprüft wird. Eine Änderung in der Art, wie Hoch sich das vorstellt. Doch die Stadtverwaltung hat den Ratsbeschluss zur Prüfung an die Kommunalaufsicht geschickt (wir berichteten). Wie es weitergeht, ist unklar.

Klar ist für Hoch, dass bis kommendes Frühjahr Sicherheit über seine Pläne bestehen muss. Sonst ist die Zukunft fraglich – gerade wegen der bereits angefallenen Planungskosten, Gutachten und so weiter. Der Pachtvertrag verlängert sich nur bis 2021, wenn Hoch ihn nicht im Juni 2020 kündigt. Gerade das bedeutsame Epic Empires (Hoch: „Hier werden Rollenspiel-Standards gesetzt“) kann im rechtsunsicheren Raum und nur mit Ausnahmegenehmigungen kaum weiter organisiert werden. „Wir haben für den Moment viele Hausaufgaben gemacht. Den nächsten Schritt muss die Gemeinde machen“, sagt Hoch.

Ein Ende der Aktivitäten hätte dabei nach Hochs Lesart für die Landschaft Nachteile. Mähe etwa niemand mehr die Wiesen, würden diese und die Gehwege zuwuchern. Zauneidechsen oder seltene Schmetterlinge könnten verschwinden. „Was wir machen, nutzt der Ökologie“, sagt Hoch. Karin Döring vom Ludweiler Landschafts-Planungsbüro Iföna unterfüttert das – sie unterstützt Hoch in Naturschutzfragen. Der Anteil an geschützten mageren Flachland-Mähwiesen habe sich laut Pächterseite innerhalb der letzten zehn Jahre im Rahmen der mit der Nutzung verbundenen Landschaftspflege sogar vergrößert.

Der beim Epic Empires hinterlassene Müll. Foto: Eric Kolling
Investor Gregor Hoch erläutert seine Pläne. Foto: Eric Kolling

Beim Epic Empires habe man am Samstag Teile des Stadtrats vor Ort gehabt und ihnen gezeigt, wie falsch die Vorstellungen sind, die offenbar in Teilen der Bevölkerung von dem Event bestehen, erläutert Hoch weiter. Mancher habe vielleicht fälschlicherweise das Techno-festival „Adam & Eva“ von 2015 und dessen laute Musik im Kopf. Doch bei den eigenen Events würde dort nur unverstärkte Musik gespielt. Gerne, so Hoch, würde er eine Bürgerinformationsveranstaltung durchführen, auf die man sich bereits im April beim Runden Tisch mit den Behörden geeinigt hatte. Allerdings habe man ihn damals gebeten, den Beginn des Planungsverfahrens abzuwarten. Da sich das immer weiter verzögert, will Hoch jetzt nicht mehr warten . In den nächsten zwei Wochen soll ein Termin festgezurrt werden. Er habe nichts zu verbergen – so der Tenor. Doch verwundert ihn augenscheinlich, dass ihn Bürger ihm bei der Geländebegehung mit der SPD vor einer Woche Details der noch nicht ausgelegten Bebauungsplanentwürfe „um die Ohren gehauen hätten“. Wo diese Einblicke in die Unterlagen bekamen? Das könne er sich nicht erklären.

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