Uniklinikum des Saarlandes beginnt Austausch mit Klinik in Uganda

Kostenpflichtiger Inhalt: Jeder kann vom anderen lernen : Neue Sicht auf das Land Uganda

Erstmals ist zwischen dem Saar-Uniklinikum und einer ugandischen Klinik ein Austausch von Augenärzten angelaufen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Schwester Victoria ist froh, wenn sie wieder zu Hause ist. Denn sie hat vier Kinder, die sich nach ihr sehnen – und 8000 Kilometer sind eine lange Strecke.  Es ist die Entfernung zwischen der Universitäts-Augenklinik in Homburg und der Augenklinik des Mengo-Hospitals in Uganda. Vier Wochen hat die OP-Schwester, die in Begleitung des ugandischen Augenarztes Dr. Ben Dan Bwonya gekommen ist, in den Behandlungs- und OP-Sälen der Homburger Augenklinik verbracht.  Und sie hat viel gelernt: „Ich freue mich, nach einem Monat meine Familie wiederzusehen“, sagt sie,  „aber das heißt nicht, dass ich mich freue, aus Homburg wegzugehen. Ich fand hier alles wunderbar.“

Was Schwester Victoria imponierte, war „die Effizienz, mit der gearbeitet wird, die modernen Geräte und die  tollen Sterilisationsanlagen. Das machte Freude, hier dabei zu sein.“ Und ihr imponierten natürlich die deutschen Arbeitszeit-Gesetze, dass Pausen und Feierabende eingehalten werden. „Bei uns in Uganda komme ich morgens um acht und stehe oft noch bis um acht, neun Uhr abends im OP“, erklärt sie. Was daran liege, dass die Augenklinik dort eine riesige Nachfrage hat. Sieben Augenärzte versorgen bis zu 200 Patienten am Tag, das Einzugsgebiet der Klinik umfasst rund vier Millionen Menschen. Da fiele es ihr schwer, einfach die Arbeit liegen zu lassen.

Das gilt auch für Dr. Ben Dan Bwonya, der in seiner Klinik täglich gegen die Zeit  arbeitet und daher sehr viel Routine in der Behandlung von gängigen Augenkrankheiten hat.  „Bei dieser Arbeit besteht kein großer Unterschied zwischen unseren beiden Kliniken“, sagt er, „deshalb habe ich die vier Wochen in Homburg  genutzt, Techniken zu erlernen, die wir nicht so oft anwenden.“ Dazu gehöre vor allem die Hornhauttransplantation, eine Spezialität von Professor Berthold Seitz, dem Leiter der Homburger Universitäts-Augenklinik.

Er ließ den ugandischen Kollegen bei seinen OPs ganz genau hinschauen und stellte ihm das Übungslabor zur Verfügung, das Dr. Bwonya gerne nutzte. Doch der Austausch ist nicht einseitig, denn Kayed Moselmani, Oberarzt bei Professor Seitz in Homburg, hat schon die Koffer gepackt, um im Gegenzug drei Monate in Uganda zu verbringen. Bei ihm ist der Aufenthalt etwas länger, „weil bei uns die Personalsituation nicht ganz so prekär ist wie am Mengo-Hospital“, sagt   Professor Seitz, „obwohl ich ihn auch nicht wirklich entbehren kann“.

Moselmani freut sich auf die neue Aufgabe, „ich bin gespannt, was ich vor Ort lernen kann“. Er wird in Uganda mit fortgeschrittenen Krankheitsverläufen konfrontiert werden, denen er am Uniklinikum kaum begegnet, „ich stelle mir vor, dass ich da noch eine Menge an Grundlagen lerne, verhärtete Linsen, Glaukome, Tropenkrankheiten am Auge, alles das gehört dazu. Ich werde in Uganda viel Erfahrungen sammeln, da bin ich sicher“.

Beschlossen wurde die Klinikpartnerschaft bis Ende 2023. Innerhalb dieser Zeit findet der Austausch von Ärzten und Pflegepersonal statt. Ärzte aus Homburg hospitieren drei Monate in Mengo und lernen Katarakt-Chirurgie, die Oberärzte aus Uganda kommen für  einen Monat nach Homburg, um die Behandlung von Hornhaut, Netzhaut, Glaukom, Orthoptik, Low Vision und Neuroophthalmologie zu lernen. Gemeinsame Forschungsprojekte sollen besonders seltene tropische Augenerkrankungen betreffen.

Mengo Augenklinik. Foto: Cbm
Die Mengo Augenklinik in Uganda. Foto: CBM/Echwalu/Edward Echwalu (2016)

Der erste Austauch-Block findet derzeit statt, der zweite für März 2020 vorgesehen.  Ziel des Austausches ist der gemeinsame Erkenntnisgewinn für Uganda, Homburg und die Cristoffel Blinden Mission, abgekürzt CBM, die diesen Austausch koordiniert. Die CBM fördert als internationale Hilfsorganisation schon seit 40 Jahren die augenmedizinische Arbeit in Mengo, dieser spezielle Austausch ist aber auch für sie Neuland. Für Professor Seitz ist ganz klar, „dass man am besten Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Ich halte nichts von Projekten, die hauptsächlich darin bestehen, Geld zu verteilen“. Den ugandischen Kollegen sei viel eher damit gedient, „bessere Behandlungsmethoden zu erlernen, die dann ihren Patienten zugute kommen“.

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