Tischrücken beim Bürgermeister

Auf 64 Seiten gibt es Einblicke in die Geschichte der Region: Die neue Ausgabe der Saarpfalz-Blätter beschäftigt sich schwerpunktmäßig auch mit dem Homburger Bürgermeister Karl Lotz, im Hauptberuf Apotheker und dem Spiritistischen nicht abgeneigt.

Dass sich ein Homburger Bürgermeister nicht allein mit Finanzfragen und Bauprojekten zu befassen hatte, sondern auch Muße besaß, sich spiritistischen Themen zu widmen, mag aus heutiger Perspektive sonderbar anmuten. Karl Lotz freilich, von 1868 bis 1875 Stadtoberhaupt, war im richtigen Leben nicht nur Apotheker , sondern auch Autor des 1855 erschienenen Buches "Das sogenannte Tischrücken oder: Der Verkehr mit Verstorbenen".

Bernhard Bonkhoff, der langjährige Pfarrer von Großbundenbach und Kirchenhistoriker, beleuchtet in der neuen Ausgabe der "Saarpfalz"-Hefte die Biografie und auch das familiäre Umfeld von Lotz, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Entwicklung der Stadt eine wichtige Rolle spielte. In seiner Veröffentlichung ließ der spätere Bürgermeister auch einige jener Séancen Revue passieren, wie sie sich im Apothekerhaus am Homburger Marktplatz abspielten. Diese Variante der Geisterbeschwörung war zu jener Zeit ein beliebter Zeitvertreib, bei dem man um einen Tisch herum saß und jeder Teilnehmer die Hände in vorgeschriebener Form zu halten hatte. "Kaum zehn Minuten ruhte die vorgeschriebene, aus Menschenhänden bestehende Kette auf der Platte des Tisches, als die vielbezweifelte Wirkung eintrat. Das Ächzen und Knarren, das Heben und Schwanken und der hierauf folgende rasche und geräuschvolle Rundtanz des bisher so ruhigen und stillen Möbels versetzten uns in Staunen und Bangen zugleich und sprachen für die neue Wahrheit", brachte der Bürgermeister zu Protokoll.

Mehr der Fürsorge verschrieben hatte sich seine Schwester Luise Lotz (1819-1903), auf deren Initiative hin anlässlich des 400. Geburtstags von Martin Luther 1883 die "Lotz-Stiftung" aus der Taufe gehoben wurde. Diese stattete arme Homburger Kinder mit Kleidung und Schulbüchern aus, unterstützte mittelose Mütter und stiftete ansehnliche Beträge für den Neubau des Diakonissenhauses. Das Grab von Luise Lotz auf dem Homburger Friedhof hat sich als eines von nur noch wenigen historischen Denkmälern dort bis heute erhalten, in der protestantischen Stadtkirche wird die freigiebige Spenderin mit einem Gedenkstein gewürdigt.

Für die neuen "Blätter für Geschichte und Volkskunde ", die vom Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises jetzt in ihrer ersten Ausgabe für 2015 vorgelegt wurden, blättert Karl Lillig in den Akten der protestantischen Kirchengemeinde Limbach. Dabei zitiert er auch einen Brief des Pfarrers Nikolaus Theyson, der im Zusammenhang mit der Französischen Revolution nach 1792 bis heute immer wieder erwähnt wird. Um das Limbacher Kirchenbuch vor den Revolutionären zu retten, hatte es der Geistliche nach Kusel gebracht; als diese Stadt dann planmäßig in Schutt und Asche gelegt wurde, ging auch das historische Dokument in Flammen auf. Aus der Erinnerung und durch Nachfragen versuchte der Pfarrer, die Geburts-, Heirats- und Sterbedaten zu rekonstruieren. Dieses zweite Kirchenbuch wird bis im heute im Rathaus in Limbach aufbewahrt. In einem nun von Lillig gefundenen Brief beschreibt Theyson, wie er "schon seit anno 1794 mit neun Menschen bloß von dem leben musste, was meine Pfarrkinder mir gutwillig reichten".

Die St. Barbara-Statue in der katholischen Kirche Frankenholz ist schließlich das Thema von Manfred Barth. Geschaffen von Hella Seitz, der Tochter des ehemaligen Chefarztes des Frankenholzer Krankenhauses, Hans Ledermann, hatte die Figur zunächst auf der Bexbacher Grube ihren Standort. Nachdem sie im Schiffweiler Sitzungssaal entdeckt worden war, fand nun eine Kopie in Frankenholz eine Heimat .

Zum Thema:

Auf einen BlickSaarpfalz-Blätter für Geschichte und Volkskunde - Ausgabe 124, 64 Seiten, vier Beiträge, eine Buchbesprechung, 26 Abbildungen; Kalendarium "historischer Veranstaltungen im zweiten Quartal 2016". Bezug: Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Tel. (0 68 41) 1 04 84 09, E-Mail: ute.klosendorf@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Städte und Gemeinden. Preis: 3,25 Euro. bam