Saarpfalz-Park: Streit um Zukunft von Utopion-Gelände

Saarpfalz-Park : Streit um Zukunft von Utopion-Gelände

Der Pächter will auf dem Areal Hobbit-Höhlen bauen, die Stadt aus rechtlichen Gründen den Bebauungsplan aufheben.

Es bahnt sich wieder Ärger um das „Utopion-Gelände“ am früheren Standortübungsplatz der ehemaligen Saarpfalz-Kaserne an. Zuletzt war es in die Schlagzeilen gekommen, als der „Toughrun“-Lauf dort Ende 2017 seine Zelte abbrechen musste. Jetzt geht es um zweierlei: Ab Freitag könnten jegliche Aktivitäten auf dem Gelände illegal sein, dazu platzen womöglich große Pläne des österreichischen Pächters Gregor Hoch auf dem Gelände. Denn der Stadtrat soll in seiner Sitzung am Donnerstag, 28. März, den Bebauungsplan „Historische Siedlung am Saarpfalz-Park“ aufheben. Aus Sicht des Pächters dramatisch, weil dann schon im April geplante Rollenspiel-Events vielleicht illegal wären, erklärt Julian Blomann von Saarbrücker Agentur Spielraum, die Hoch vertritt. Man müsste auch Sanitäranlagen sofort zurückbauen und für jedes Event wieder aufstellen. Kleinere Rollenspieltage für 30 bis 80 Teilnehmer künftig alle direkt mit dem Ministerium zu verhandeln, sei „Quatsch“, so Blomann.

Daher schrieb Hoch alle Bexbacher Ratsfraktionen an, schickte die Agentur Spielraum eine Pressemitteilung herum und übt darin heftige Kritik an der Stadtverwaltung. Sie torpediere „ein touristisches Leuchtturmprojekt“, verhindere möglicherweise eine „Millioneninvestition“. Hoch wolle dort ein „weltweit einzigartiges Übernachtungskonzept verwirklichen“, welches „ einen großen Mehrwert für die Region, internationale Aufmerksamkeit und Arbeitsplätze bringen wird“. Angedacht seien in die Landschaft integrierte und mit Gras bepflanzte Wohnhöhlen wie sie die kleinen Hobbits in den „Herr der Ringe“-Filmen bewohnten. 2020 sollte laut Blomann Baustart sein.

Die Stadtverwaltung verhalte sich laut Hoch „sehr unkooperativ“ und „engstirnig“ hinsichtlich der Entwicklung des Gebiets, das jährlich tausende von Gästen aus aller Welt anziehe. Flaggschiff des Geländes sei die jährlich stattfindende, drittgrößte deutsche Liverollenspielveranstaltung „Epic Empires“, sowie kleine Veranstaltungen aus dem Fantastik-Bereich und Pfadfinder- sowie Jungendzeltlager. Das habe alleine 2018 zu knapp 15 000 Übernachtungen geführt und sich auch positive auf die örtliche Wirtschaft ausgewirkt. All das sieht man offenbar durch eine Zustimmung des Stadtrats am Donnerstag in Frage gestellt.

Der existierende Bebauungsplan bilde die Rechtsgrundlage für den laufenden Betrieb, durch seine Aufhebung würde die Stadt „den Betrieb des Veranstaltungsgeländes sowie alle weiteren Zukunftspläne umgehend stoppen“. Hoch fordert: „Vor einer so wichtigen Entscheidung im Stadtrat, wäre es zumindest angemessen die Gelegenheit zu bekommen unsere deutlich abweichende Rechtsauffassung, sowie mein für die Stadt und das ganze Saarland positives Projekt den Entscheidern vorstellen zu können.“

Bei Bexbachs Bürgermeister Thomas Leis (SPD) löste Hochs Schreiben Fassungslosigkeit aus. Die Stadt freue sich, wenn dieser sein Übernachtungskonzept umsetze: „Wir wollen das! Wir torpedieren nichts!“ Aber: „Dort ist ein Landschaftsschutzgebiet. Wir werden an der Stelle keine illegalen Genehmigungen erteilen und nicht den Eindruck erwecken, es sei dort rechtlich etwas möglich, was nicht geht. Wir machen keine rechtswidrigen Dinge!“ Die Obere Naturschutzbehörde würde die Pläne des Investors nicht genehmigen, ist er sich sicher. Auch die schon bestehenden Bauten seien im Prinzip illegal. Das hängt mit dem bestehenden und außer Kraft zu setzenden B-Plan zusammen, der vor zehn Jahren rechtskräftig wurde. Damals galten andere rechtlichen Rahmenbedingungen.

Ex-Geländepächter Matthias Trennheuser, der es 2018 an Hoch abtrat, hatte auf dem Gelände den Aufbau einer historisierenden Siedlung unmittelbar in der Senke hinter dem Saarpfalz-Park geplant. In diesem Sondergebiet sind daher Messen, Mittelaltermärkte und Konzerte im entsprechenden Kontext zulässig. Im restlichen Gebiet darf nur gezeltet werden, auch bestimmte Spielformen im Einklang mit dem Landschaftsschutz sind möglich, nicht jedoch darf man das Gebiet befahren oder dort bauen. Inzwischen hat sich nun das Gesetz geändert. Am nordöstlichen Rand der vom B-Plan geregelten Zone liege ein Störfallbetrieb, in einem Bunker dort lagern Sprengstoffe. Das Gelände nahe dieses Betriebes zu nutzen, beiße sich mit der zwischenzeitlich in nationales Recht umgesetzten Seveso-III- Richtlinie. Auch beim Toughrun-Aus sei das Munitionslager laut Julian Blomann schon das zentrale Argument gewesen.

Man habe ein Sprenggutachten für 30 000 Euro erstellt, das die Stadt ignoriert habe. Ihm zufolge habe man für das Hobbithöhlen-Projekt in Abstimmung mit den Umweltbehörden einen Bebauungsplan erstellt, der sowohl Seveso als auch dem Landschaftsschutzgebiet Rechnung trage – zumal die Höhlen außerhalb dieser Zone im Süden in der Nähe des Saarpfalz-Parks geplant seien.

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