Schulabschluss an der Waldorfschule in Bexbach

Schulabschluss : „Leben, Abenteuer und Chaos“

Die Waldorfschule in Bexbach verabschiedete ihre Absolventen mit zwei stimmungsvollen Feiern.

„Eine gute Rede braucht eine guten Anfang und einen guten Schluss, und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen“. Mark Twain hat das gesagt, und Katharina Sander, Französischlehrerin und Betreuerin der diesjährigen Abiturklasse an der Freien Waldorfschule Saarpfalz in Bexbach, hielt sich an das Wort des Dichters. In ihrer Rede bei der Abschiedsfeier für die insgesamt 14 Abiturienten wolle sie nicht nur zurückschauen, so Sander, sondern auch nach vorn. Unter dem Stichwort „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, erinnerte sie sich an eine Begegnung bei einer Vertretungsstunde in der fünften Klasse: „Ihr hattet ja so einen gewissen Ruf als Klasse“ – damit war gleich für gute Stimmung im Saal des kleinen Hauses gesorgt. In der Folge gab es jedoch auch nachdenkliches Töne: „Jetzt hält das Leben für euch neue Aufgaben bereit – jeder von euch hat Fähigkeiten und Talente, mit denen er Aufgaben übernehmen kann. Es ist an eurer Generation, Wege aus der Krise zu finden. Ihr werdet uns vielleicht später vorwerfen, dass wir nicht früher gehandelt haben.“

Die Schülerrede hielten Lea Schwartz und Joshua Bernhardt, erinnerten sich an den „Haufen kleiner Knirpse“, als der sie in der damaligen 1. Klasse im Sommer 2006 angefangen hätten, aber auch an Klassenspiele, die Fahrt nach Griechenland und eine Segeltour auf dem Ijsselmeer. „Es war so ähnlich wie in einer Familie, man kann sich die Mitglieder nicht aussuchen, aber irgendwie mag man sie doch ganz gerne“, erinnerte sich Joshua Bernhardt.

„Und irgendwann waren wir dann im großen Haus, es gab keine Wanderungen zum Gänseweiher mehr und plötzlich sagte jeder, man solle sich mal Gedanken machen, was man so in Zukunft machen will“, ergänze Lea Schwartz. Diesen Aspekt griff auch Elternvertreter Horst Schneider auf: Den passenden Beruf zu finden, das sei „gar nicht so einfach, bei den grenzenlosen Möglichkeiten, die einem heute offen stehen“. Nach viel Applaus und anerkennenden Worten für die Abiturienten und auch die Elternvertreter überreichte Katharina Sander dann die Zeugnisse, dazu gab es für jeden noch eine „Gutenacht-Geschichte“ – persönlich ausgewählt und natürlich auf Französisch.

Am nächsten Tag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien, ging es dann nahtlos weiter mit Feiern: Im Rahmen der Schulfeier mit musikalischen und tänzerischen Einlagen der unteren Klassen wurde auch die 12. Klasse verabschiedet, die nun mit „großer“ Jahresarbeit und Klassenspiel den Waldorfabschluss hat und – nach entsprechender Prüfung – auch den Mittleren Bildungsabschluss (MBA). Insgesamt 24 Schüler legten den MBA ab, acht davon werden die Schule verlassen, die anderen bleiben als neue 13er in der Abiturklasse an der Waldorfschule. Lehrer Joachim Karsten blickte in der Begrüßung zurück auf ein nicht ganz einfaches Schuljahr, das allen Beteiligten, Lehrern wie Schülern, einiges abverlangt habe, bedingt durch viele Erkrankungen, Ausfälle und Vertretungssituationen. Umso mehr dankte er allen, dass man es trotzdem – gemeinsam – geschafft habe.

Nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer wurden verabschiedet, unter anderem (nach 30 Jahren) auch Bernd Bienioßek. Minutenlanger frenetischer Applaus wie sonst nur bei einem Rockkonzert, war der Lohn für 30 Jahre Lehrertätigkeit. „Waldorf bedeutet Leben, Abenteuer und Chaos“, prägte er den Satz des Tages – „aber aus dem Chaos entsteht immer etwas, wir werden immer geschickter und fähiger“.

Die Betreuungslehrer Hiltrud Spaniol-Schwedhelm und Joachim Karsten verabschiedeten „ihre“ 12er dann vor der Zeugnisübergabe mit einem Blick auf die Anfänge, „als ihr damals bei der Einschulungsfeier zum ersten Mal auf diese Bühne gekommen seid“.

Einige, die seit dem Kindergarten dabei sind, haben nun 15 Jahre Waldorf hinter sich. Was daran liegt, wie es Florian Spaniol pointiert in der Schülerrede formulierte, „dass wir ja eine Gemeinschaftsschule besonderer pädagogischer Prägung sind. Man muss die Schule nicht wechseln“. In der Folge zählte er einige Besonderheiten der Waldorfschule auf, räumte mit dem Vorurteil auf, jeder Waldorfschüler könne „seinen Namen tanzen“, erinnerte an das Handwerk-, Sozial- und Landwirtschaftspraktikum, die Klassenspiele: „Ein Sommernachtstraum“ und „Die Physiker“ sind unvergessen.

Im Rahmen der Feier zum Schuajhresabschluss erhielt die 12. Klasse ihre MBA-Zeugnisse. Foto: Jennifer Klein

„Wir waren stets gut behütet und betreut, vom Apfelschnitzchen-Frühstück bis zum Klassenspiel.“ Ob man da hinreichend vorbereitet sei auf die Härten des Lebens? „Das ist unsere Stärke, dass wir eine andere Gemeinschaftserfahrung haben, dass wir Konflikte ausloten, dass wir wissen, was Gemeinschaft wert ist, dass wir Lust am Diskutieren haben, dass wir aus einem anderen System kommen, das uns so stark und empathisch gemacht hat, dass wir uns den Stürmen stellen können, die auf uns zukommen“ – das sei Verpflichtung und Versprechen zugleich.

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