Schicken Sie ein Vorgarten-Foto : Der Schottergarten ist große Mode

Angeblich macht Schotter im Vorgarten wenig Arbeit. Stimmt aber nicht, sagen Experten. Wie sieht Ihr Vorgarten aus? Schicken Sie uns ein Foto.

Yukimi ist an allem schuld - so heißen japanische Laternen aus grauem Granit, mit denen vor 20 Jahren deutsche Baumärkte geflutet wurden. Sie sehen putzig aus wie kleine Häuschen und eroberten die Gärten zwischen Sylt und Rosenheim im Nu.

Nun wäre eine Laterne aus Stein ja noch kein Problem, aber mit der Laterne als Vorhut hielt auch der japanische Steingarten Einzug, allerdings europäisch interpretiert mit viel grauem Kies und einer kleinen Konifere in der Mitte. „Mit einem echten japanischen Steingarten haben diese Vorgärten nichts zu tun, denn bei den Japanern steckt eine ganze Philosophie dahinter, da spielt Wasser eine entscheidende Rolle, die Position der Steine, die Anordnung der Pflanzen“, erklärt Harry Lavall, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Saarpfalz-Kreis.

Nun wären Vorgärten mit einer kleinen Steinfläche in der Mitte auch kein Problem, wenn nicht selbsternannte Gärtner plötzlich ihre Vorliebe für komplette Steinflächen entdeckt hätten, Schottergarten genannt. Im Baumarkt bekommt man ein breit gefächertes Angebot: Ziersplitt Latte Macchiato, Ardennensplitt Arctic green oder Grantibruch Yellow sun, das Kilo zwischen 40 und 60 Cent, um nur drei Beispiele von 100 zu nennen.

Nun könnte es den Leuten eigentlich egal sein, wie die Nachbarn ihre Vorgärten gestalten, so lange die Regeln eingehalten werden und der Bereich vor dem Haus sich als ein sauber eingefasstes Areal mit Steinen präsentiert. Dennoch, dieser Trend ist Umweltschützern ein solcher Dorn im Auge, dass das Thema „Verbot von Schottergärten“ sogar im Mai auf der Umweltministerkonferenz in Hamburg diskutiert wurde. Den Anstoß dafür gab der Antrag des Saar-Umweltministers Reinhold Jost mit der Forderung nach einer Kampagne gegen Steinvorgärten.

Diesem Vorstoß schlossen sich andere Umweltministerien an. Einige Städte und Gemeinden haben bereits Regelungen erlassen. So ist in Rostock die Verschotterung von Vorgärten in der Stadt verboten. Bremen hat ein Gesetz gegen Steingärten in der Innenstadt erlassen, in Dortmund, in Darmstadt und in Xanten gibt es entsprechende Verordnungen. Die Medizin-Studentin Lisa Groß, die bei den Friday-Demos mitgegangen ist, hält dies für Aktionismus. Sie glaubt, dass mit solchen Verordnungen „nur von echten Umweltproblemen abgelenkt“ werden solle, „deshalb stürzen sich Politiker dankbar auf ein paar Hausbesitzer mit Schottergarten und geben ihnen eine Mitschuld am Bienensterben. Das ist doch lächerlich.“

Frank John, Bürgermeister der Gemeinde Kirkel und Vorsitzender im Verband der Obst- und Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis, sieht Schottergärten gelassen: „Es gibt Steingärten und Steingärten. Manche sind mit niedrigen Pflanzen gestaltet, und es blüht um die Steine herum, andere bestehen nur aus Splitt mit ein paar Büscheln.“

Er wolle aber Leute, die sich für die graue Steinvariante entscheiden, nicht an den Pranger stellen, „wir können nur Anreize schaffen oder aufklären, dass es für die Umwelt und die Insekten besser ist, wenn der Vorgarten mit Blühpflanzen ausgestattet würde.“

Eine Möglichkeit sieht John noch darin, „ein Verbot von reinen Schottergärten in die Gestaltungssatzung zu schreiben. Oder bei den Bebauungsplänen den Bauherren eine entsprechende Auflage zu machen.“ Bisher sei dies in Kirkel aber nicht der Fall. Es sei besser, an die Freiwilligkeit zu appellieren, so John, der selbst eine hohe Wiese auf seinem Grundstück habe stehen lassen, „die ich erst jetzt abgemäht habe.“ Er verstehe aber auch, wenn Leute dies nicht so wollten.

Harry Lavall mag Schottergärten nicht, versteht aber das Argument „das macht keine Arbeit“. Ältere Leute oder Berufstätige, die viel unterwegs seien, wollten sich verständlicherweise nicht mit aufwändiger Gartenarbeit belasten, „aber es ist so, dass diese Schottergärten nur auf den ersten Blick pflegeleicht sind, auf den zweiten machen sie mehr Arbeit als ein Rasen, den man ab und zu nur mähen muss.“

Denn herumfliegende Samen setzten sich leicht zwischen den Steinen fest „und schon kann man das Unkraut einzeln aus den Steinen zupfen.“ Mit den Jahren sähe so ein Schottergarten, der anfnags so akkurat wirkte, „ungepflegter aus ein grünes Stück Wiese.“

Als Gründe, von einem Schottervorgarten abzusehen, zählte Lavall auf: „Das Schotterareal heizt sich im Sommer auf und verstärkt noch die Hitze von der Straße. Es ist ein für Insekten verlorenes Terrain. Und es ist meistens grottenschlecht gemacht.“

So sollte es nicht sein: Dieser Schottergarten habe nichts mit japanischem Feng Shui zu tun, sondern eher mit „Pfui Shui“, wie Harry Lavall, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Saarpfalz-Kreis, diese misslungene Kreationen bezeichnet. Vermutlich ist sie Marke Eigenbau und stammt nicht von einem Gärtner, der seinen Beruf liebt. Foto: dpa/Carmen Jaspersen
Sonniger Arbeitsplatz Ein Mann arbeitet am 16.09.2014 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) bei strahlendem Sonnenschein am Fenster eines Hauses. Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++. Foto: dpa/Daniel Reinhardt
So ändern sich die Moden: Dieser Palmenvorgarten in Saarbrücken wurde vor über zehn Jahren als besonders originell ausgezeichnet. Heute fiele er unter die Kategorie Steinwüste. Foto: Iris Maurer

Im Grunde handele es sich hier um eine vergängliche Mode, wie viele andere Moden auch, sagt Lavall: „Vor 20 Jahren waren Steingärten schon mal modern, aber da verstand man etwas anderes darunter. Diese Steingärten waren den Alpen nachempfunden - dicke Steinbrocken mit mit vielen kleinen Blühpflanzen dazwischen, die den Insekten sehr nützlich sind.“ Dann kamen japanische Vorgärten in Mode, deren reine Schotter-Variante ein Irrweg sei, der irgendwann wohl auch wieder verschwinde.

Mehr von Saarbrücker Zeitung