Kostenpflichtiger Inhalt: Die Narren regieren in Bexbach : Nur der Rathauschef machte den „Bexit“

Anderswo verlassen die Royals das Land, in Bexbach übernahmen sie im Handstreich das Rathaus; Bürgermeister Christian Prech musste sich der närrischen Übermacht geschlagen geben.

„Na, der hat sich jo doch ordentlich gewehrt“, kommentierte einer der Zuschauer nach dem Rathaussturm. Stimmt. Hat er. Wie hätte das aber auch ausgesehen, wenn Bürgermeister Christian Prech – in Personalunion auch Präsident der Bexbacher Blätsch – allzu kampflos das Rathaus abgegeben hätte? Zumal er selbst dort den Chefsessel erst seit ein paar Monaten innehat . . .

Mit einiger Spannung war der Rathaussturm in Bexbach in dieser Session erwartet worden. Nicht nur, weil man nach „Sabine“ und „Victoria“ und drei ruhigen Tagen das Gefühl hatte, das nächste Sturmtief sei langsam wieder fällig.  Nein, Prech, der „oberste Mann im Staat“, hätte als oberster Narr eigentlich die blau-weißen Truppen beim Rathaussturm selbst anführen müssen. Das bot natürlich breiten Raum für Spekulationen im Vorfeld: Steckt er sich den Rathausschlüssel einfach von der rechte in die linke Tasche? Oder verhaftet er sich gar selbst?

Elegante Lösung des Dilemmas: Blätsch-Vizepräsident Dennis Beinhorn führte die närrischen Sturmtruppen an, zusammen mit Präsident Patric Breme von der Mer Geh’n metsamme (MGM) und seinen Mitstreitern. Die trafen sich nach dem Bankensturm am Aloys-Nesseler-Platz und zogen gemeinsam zum Rathaus, unterwegs brachten sie das närrische Volk mit viel „Di-La-Hei“ und „Alleh Hopp“ und einem Regen aus „Gutzjer“ auf seine Seite.

Mit den Waffen der Frauen: die Garde der Blätsch ist bereit für den Rathaussturm. Foto: Jennifer Klein

Derweil rüstete man sich im Rathaus zur Gegenwehr: „Ich habe mir ein SWAT-Team zu meinem persönlichen Schutz zusammengestellt“, erklärte Prech,  von Kopf bis Fuß in den gelb-grünen Stadtfarben gewandet. „Kampflos ergeben wir uns nicht. Die werden sich wundern!“

Allerdings hatten „die“ Verstärkung von höchster Stelle mitgebracht: Klaus Fess, Präsident des Bund Deutscher Karneval, und bei der Blätsch Prechs Vorgänger im Amt, marschierte mit den Truppen seines Heimatvereins. Und überhaupt, was kann so ein Bürgermeister und Rathauschef schon ausrichten gegen echte „Royals“ wie das Prinzenpaar Stephan II. vom gelben Wagen und Sabine III., auch im wirklichen Leben unter dem Namen Stephan und Sabine Scherne ein Paar. Die Hoheiten hatten nämlich keineswegs Stadt und Land verlassen (das wäre dann wohl ein „Bexit“ gewesen), sondern waren bestens gewappnet.

BDK-Präsident Klaus Fess verstärkte die närrischen Truppen. Foto: Jennifer Klein

Prinz Stefan schleuderte wohlgeschliffene und -gereimte  Argumente gegen die Rathausspitze. „Dein Rathaussturm war letztes Jahr im Mai, jetzt ist’s mit dir vorbei!“

Da traf er allerdings auf einen mit allen Wassern gewaschenen Fastnachter: „Ach, e Prinzje und e Vizepräsident – wer hier rinnwill, muss awwer mehr zu biete hann!“, konterte der Rathauschef. „Mir brauche kenn Präsident, der aussieht wie du!“ – Nachdem das SWAT-Team überwunden war, war es dann schließlich ein Kampf Mann gegen Mann um den Rathausschlüssel zwischen Prech und Prinz Stefan.

Die Baustellen-Truppe nahm die Verkehrssituation in der Stadt auf die Schippe. Foto: Jennifer Klein

Und als selbst beim wilden Gerangel die prinzliche Narrekapp samt langem Federschmuck bestens saß, war klar, wer hier jetzt das Sagen hat, zumindest bis Aschermittwoch. Die MGM übernahm danach mit Musik und Gesang und „Alleh hopp“ das Mikro zum gemeinsamen Feiern und Schunkeln. Denn, wie hatte Prech in seiner Verteidigungsrede gesagt: „Am Ende sind wir doch alle Narren“.

Nochmal Gelegenheit zum Närrisch-Sein in Bexbach gibt es beim Umzug und dem Närrischen Jahrmarkt am Fastnachtssonntag, 27. Februar. Ab 12.11 Uhr sammeln sich die Teilnehmer im Fasanenweg (Höhe Awo-Kindergarten), gegen 13 Uhr schlängelt sich der Umzug dann durch die Susannastraße und Bahnhofstraße auf den Aloys-Nesseler-Platz. Rund um den Brunnenplatz und unter den Arkaden warten die Vereine und Institutionen mit ihren Ständen beim närrischen Jahrmarkt.