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Projektchor von St. Martin in Bexbach faszinierte mit Missa in Jazz

Projektchor sang in Martinskirche : Missa in Jazz ging unter die Haut

Mitreißend und berührend brachte der Projektchor am Sonntagabend in der Bexbacher Kirche St. Martin Peter Schindlers Missa in Jazz zu Gehör.

„Ich war schon recht skeptisch. Doch jetzt bin ich total begeistert“, gibt Bernhard Wittling zu. Der Vorsitzende des Presbyteriums der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin in Bexbach hatte das Großprojekt des Chores, die Missa in Jazz von Peter Schindler, von der Idee im Sommer bis zur Aufführung am Sonntag in der Kirche, mitverfolgt. „Es war sehr ambitioniert, doch wir haben es super hin bekommen. Immerhin ist das ein Laienchor“, es seien keine professionellen Sänger, unterstreicht  auch Chorleiterin Christina Weyers. Sie ist stolz auf ihre Sänger, die sich auf die für viele bis dahin unbekannten Tonsprache des Jazz einließen. Mit straffem Dirigat leitete sie den eigens gegründeten Projektchor mit rund 45 Sängerinnen und Sängern aus Bexbach und dem gesamten Dekanat durch 90 Minuten hoch anspruchsvolle und mitreißende Musik.

Ein großes Projekt hatte der Förderverein des Kirchenchores 2019 unterstützen wollen. Chormitglieder hatten die Missa in Jazz von Peter Schindler gehört und waren so auf die Idee gekommen, diese selbst aufzuführen. „Das ist nichts, was man so mal eben vom Blatt singt“, beschrieb Christina Weyers, was alle hören konnten. Mitreißend und ergreifend, doch hoch anspruchsvoll in Tonalität und Rhythmik, bedeutete das vor 15 Jahren komponierte Werk des zeitgenössischen Komponisten eine erhebliche Herausforderung. Gut die Hälfte der Bexbacher Chormitglieder wirkte mit und ergänzte den Chor mit aufgeschlossenen Sängerinnen und Sängern unter anderem aus Zweibrücken.
Der Komponist, Pianist und Organist, Peter Schindler (*1960) wollte mit einer zeitgemäßen Umsetzung des Textes in einer modernen Tonsprache auch Zuhörer erreichen, denen der lateinische Messtext nicht vertraut ist. Bereits das ausführliche Kyrie am Anfang spiegelte das gesamte Werk mit seinen lyrischen, gesanglichen Partien im Wechsel mit rhythmisch-synkopischer Dramaturgie und Dynamik.

Für den hoch professionellen Auftritt sorgten nicht zuletzt die drei Jazz erfahrenen Musiker, Stefan Ulrich (Stadtkantor Homburg) am Keyboard, Thomas Girard am Saxophon und Percussionist Jan Friedrich. Das Werk durchläuft, rhythmisch ausgestaltet, die Epochen. „Die Messe lebt von der Vielfalt an unterschiedlichen musikalischen Elementen wie Gregorianik, Renaissance und romantischen Elementen ebenso wie afrikanischen Trommelrhythmen und natürlichen Jazz-Elementen“, zitiert das Programmheft. Gleich das Kyrie beginnt synkopisch. Es gibt den Instrumentalisten Raum für erste, improvisierten Soli. Und gesanglich perlend kommt das ruhige „Christe-Eleyson“ daher. Sehr ausdrucksvoll beginnt das jazzige, von Synkopen und Triolen geprägte Gloria mit ungewohnten Disharmonien.
Expressiv, sehr leise, schwingt das Credo durch die mit rund 300 Gästen besetzte Kirche. Meditative Sätze wechseln mit rhythmischer Dynamik. Um den Spannungsbogen zu erhalten, hatte der Chor gebeten, erst am Ende zu applaudieren. Melodisch und ausdrucksvoll ertönte „genitum“ von den mehr als 40 Stimmen rein gesungen. Strahlend und glänzend, mit chromatischen Gesängen bis in höchste Höhen und Improvisationen wie schleifendes Glissandi im Saxophon erklang das Sanctus. Aprupte Schlussakkorde beendeten die einzelnen Teile der Messe.

Verträumt und ruhig lud das „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) zum Nachdenken ein. Eher schwer spiegelte die Musik den Text dieses Teil, übersetzt so viel wie:  Trägst die Sünden der Welt. Mit präzisem Dirigat, lenkte Christina Weyers den Projektchor durch alle musikalischen Klippen. Die begeisterten Zuhörer erklatschten sich einen Ausschnitt aus dem „Credo“ als Zugabe.

Petra Betz war erstaunt und hingerissen. Ihr hat besonders gut das Gloria gefallen: „Das ging total unter die Haut. Sie sei nicht „unbedingt ein Jazz-Fan“, doch was der Chor da geboten habe, sei einfach großartig.“