Neue Verzögerung bei Hobbithaus-Projekt

Kostenpflichtiger Inhalt: Bexbach : Neue Verzögerung bei Utopion-Projekt

Der Investor erhofft sich Planungssicherheit bis Frühjahr 2020. Kommunalaufsicht prüft Bexbacher Stadtratsbeschluss.

Das Hobbithaus-Projekt auf dem Bexbacher Utopion-Gelände dreht eine überraschende Runde in der Warteschleife. Aktuell ist die Kommunalaufsicht dabei, einen Stadtratsbeschluss vom 23. Mai zum Thema zu prüfen. Am Montag war von dort noch kein Ergebnis zu hören. Dabei schien damals schon alles klar – als eben der Bexbacher Rat mit 14:13-Mehrheit dafür votierte, einen Aufstellungsbeschluss zu fassen, sodass dort ein Bebauungsplan erarbeitet werden kann.

Der österreichische Investor und Geländepächter Gregor Hoch möchte auf dem früheren Bundeswehrareal nahe des Saarpfalz-Parks eine Art Taverne und acht bis zwölf Hobbithäuser für Übernachtungsgäste auf knapp 250 Quadratmetern errichten. Gleichzeitig sollen einige Altbauten auf dem über 110 Hektar großen Areal umgestaltet werden, die früher etwa der Bundeswehr teils der Simulation von Häuserkämpfen dienten. Der Stadtratsbeschluss hätte es möglich gemacht, dass Hochs Pläne ergebnisoffen genau unter die Lupe genommen werden. Doch Alfred Schneider, Fachbereichsleiter im Bexbacher Bauamt, erklärt auf Anfrage, dass man Zweifel an der formellen Rechtmäßigkeit des Ratsbeschlusses gehabt habe: „Hintergrund war, dass der Beschluss in der Form, wie er gefasst wurde, nicht so auf der Tagesordnung stand.“

Die Prüfung durch die Kommunalaufsicht verzögert zumindest nun einen möglichen Bebauungsplan – für Investor Gregor Hoch ist die Wartezeit dabei ohnehin schon lang. Das Utopion-Gelände wolle er seit 2017 umgestalten, ein Planungsbüro hatte genaue Pläne erstellt, Gutachten seien eingeholt worden. Doch eine Zeitlang tat sich erst wenig, dann wollte die Bexbacher Verwaltung diesen März den seit Jahren bestehenden Bebauungsplan aufheben – was sämtliche Aktivitäten auf dem Gelände sofort illegal gemacht hätte. Schließlich wurde der Beschluss von der Tagesordnung genommen und ein Runder Tisch fand statt, bei dem die Aufsichtsbehörden Hochs Pläne als Ausgangspunkt grundsätzlich als genehmigungsfähig bewerteten. Die Verwaltung legte daraufhin im Mai einen sogenannten „Umringbeschluss“ für einen Bebauungsplan zur Abstimmung vor – die simpelste Form eines solchen Werks, bei dem nur die Geltungsfläche festgelegt wird. Die CDU-Ratsfraktion hatte in der Sitzung für einen alterativen „Änderungsbeschluss“ argumentiert, bei dem der bestehende Plan nur modifiziert wird. Was dem Investor wohl Zeit spart. Dafür hatte es die überraschende Mehrheit gegeben.

Die rechtliche Situation beim Utopion-Gelände ist ohnehin schwierig. Am Rande lagert Explosivmaterial in einem Gebäude und weil der Explosionsradius ins Utopion-Gelände reicht, werden für das Gelände selbst Genehmigungen schwierig. Dazu hadern Bürger aus Erfahrungen von vor einigen Jahren auch mit dem Thema Lärm. Nicht zuletzt wird immer wieder der Naturschutz als Hürde angeführt – ein Teil des Areals ist Landschaftsschutzgebiet. Probleme, die mit dazu beitrugen, dass vor einigen Jahren der „Toughrun“ dort seine Zelte abbrechen und umziehen musste.

Derzeit finden auf dem Gelände wenige Male im Jahr Live-Rollenspiele statt. Das dabei wichtigste und europaweit herausragende ist das „Epic Empires“, das vergangene Woche über die Bühne ging. Knapp 1000 Rollenspieler waren dabei in Kostümen vor Ort. Sie organisierten sich in Lagern, trieben Handel, bekämpften sich – jeder mimte dabei einen speziellen Fantasy-Charakter. Zu sehen war davon bei einer Begehung gestern nichts mehr. Ganz anders als etwa dem Rocco-del-Schlacko-Musikfestival, bei dem der Zeltplatz nachher wirkte, als seien Bomben eingeschlagen. Weder Müll noch Schäden oder Spuren an Boden, Büschen, Wegen waren auf dem Utopion-Gelände zu erspähen.

Gregor Hoch betont, dass die Live-Rollenspieler – zu denen auch er gehört – ein besonderes Interesse daran haben, dass das Gelände ordentlich ist. Bei solchen Events stört insbesondere Müll das Spielvergnügen sehr, betont er.

Solange das „Epic Empires“ stattfindet, sei die wichtigste Einnahmequelle und damit auch die Pflege des Geländes gesichert. Doch wegen fehlendem Bebauungsplan hangele er sich von Ausnahmegenehmigung zu Ausnahmegenehmigung. Eine solche ist für das „Epic Empires“ 2020 nicht sicher, der Vorverkauf dafür startet im Herbst. Hoch macht deutlich, dass er wenigstens bis Frühjahr 2020 ein „eindeutiges Pro-Signal“ für seine Pläne erwartet. Der sich jährlich verlängernde Pachtvertrag für das Gelände endet im Juni.

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