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Nazi-Gräuel erschüttern Schüler

Nazi-Gräuel erschüttern Schüler

Bexbach. "Das kann man in keinem Geschichtsbuch lernen." Das war die Meinung aller Schüler, die in der Projektwoche 2012 die Gedenkstätte Auschwitz besuchten. 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen zehn, elf und zwölf (gymnasiale Oberstufe) der Gesamtschule Bexbach hatten sich für die Teilnahme an der Studienfahrt entschieden

Bexbach. "Das kann man in keinem Geschichtsbuch lernen." Das war die Meinung aller Schüler, die in der Projektwoche 2012 die Gedenkstätte Auschwitz besuchten. 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen zehn, elf und zwölf (gymnasiale Oberstufe) der Gesamtschule Bexbach hatten sich für die Teilnahme an der Studienfahrt entschieden. Das Programm, das durch das evangelische Jugendwerk unter der Leitung von Ulrike Zuda-Tietjen zusammengestellt und organisiert worden war, war äußerst inhaltsreich und anspruchsvoll, heißt es in der Mitteilung der Schule.Neben den Besichtigungen des Stammlagers I und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hatten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin Stephanie Philippi Gelegenheit, mit dem Zeitzeugen Waclaw Dlugborski ins Gespräch zu kommen. Er schilderte seine persönlichen Erfahrungen, die er zur Zeit des Nationalsozialismus in Auschwitz gesammelt hatte.

Als Einzelschicksal greifbar wurde bei einem Workshop auch die Person Henryk Mandelbaums. Lange Jahre suchte er als Überlebender eines Sonderkommandos in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz den Kontakt mit Jugendlichen. Nach seinem Tod 2008 wurde sein ergreifendes Schicksal Thema eines Workshops.

Dass es sogenannte "Sonderkommandos" gab und welche Aufgaben sie hatten, waren neue und zugleich schockierende Informationen. Vertiefen konnten die Schüler ihre gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen bei der Archivarbeit. Ausdauernd werteten sie Dokumente aus, die sowohl Einblicke in das Schicksal von Häftlingen als auch in die Vorgehensweise der Nationalsozialisten gewährten. Das Schicksal einer Bevölkerungsgruppe, nämlich die der Sinti und Roma, wurde an einem Vormittag in einer gesonderten Ausstellung innerhalb des Stammlagers thematisiert. Betroffen gemacht haben insbesondere Filmaufnahmen von Kindern, die ihre Eltern bereits ohne es zu wissen in Auschwitz verloren hatten und denen auch nur noch wenig Zeit ihres Lebens vergönnt war.

Äußerst einsatzbereit zeigten sich die Schüler bei den Erhaltungsarbeiten in Auschwitz-Birkenau, heißt es weiter. Welche Aufgabe ihnen durch die Gedenkstätte zugedacht war, wurde erst kurzfristig bekannt: Baracken mussten gereinigt werden, darunter auch die sogenannte "Todesbaracke" der Frauen. Respektvoll und mit äußerster Vorsicht begannen die Bexbacher Schüler mit der Innenreinigung - immerhin war allen bewusst, dass sie sich an einem Ort befanden, an dem sich vor über 70 Jahren grauenvolle Schicksale erfüllten. Nach den anfänglichen Berührungsängsten mit der historischen Umgebung siegte der Tatendrang: Die Liegebretter mussten von Schmutz und Sand gesäubert werden. Müll, den Besucher unachtsam an diesem Ort hinterlassen hatten, wurde entfernt, und der Boden sollte gefegt werden. Der dreistündige Arbeitseinsatz bot Möglichkeit zum Nachdenken. Den Schülern rückte das Schicksal der Inhaftierten in unmittelbare Nähe. Wie kann es sein, dass so viele Menschen in einer Baracke zusammengepfercht wurden? Konnte man im Winter in der ersten Liegeetage überhaupt überleben? Was haben die Frauen gedacht, die hier ihre letzten Tage fristen mussten? Wie waren die hygienischen Verhältnisse? Das waren Fragen, die teilweise offen ausgesprochen wurden oder schweigend im Raum standen. Keiner der Schülerinnen und Schüler stellte die Tätigkeit, die mit großen Mühen und sehr viel Schmutz verbunden war, infrage.

Abgerundet wurde die Studienfahrt durch einen Aufenthalt in Krakau. Nach einer informationsreichen Stadtführung konnten sich die Teilnehmer selbst ein Bild von der ehemaligen Königsstadt machen. red