Musiker hätten mehr Zuspruch verdient in Beeden

Tolles Konzert : Musiker hätten mehr Zuspruch verdient

Ein Konzert mit so viel persönlichem und herzlichem Kontakt zum Publikum wie beim Lookout-Festival des SV Beeden gibt es selten.

Das Lookout-Festival in Beeden vom vergangenen Samstag in Worte passend und angemessen zu fassen, das ist keine ganz einfache Geschichte. Man könnte die ganze Veranstaltung auf den wirklich sehr schwachen Zuspruch zusammenkürzen. Schön gerechnet wollten irgendwas zwischen 150 und 200 Besucher die Auftritte des Trios Kim, Angela und Thomas, der U2-Tribute-Band The Edge und der Fury in the Slaughterhouse-Gründer Wingenfelder auf der Anlage des SV Beeden sehen.

Doch das Festival, Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins, war eben deutlich mehr als diese nackte und recht ernüchternde Zahl. Tatsächlich war der Nachmittag und Abend eine Sammlung von Momenten, die an sich schon bemerkenswert und erlebenswert waren. Denn: Es gab wohl in der Vergangenheit in der Region kaum ein Konzert, bei dem sich die Musiker so intensiv mit dem Publikum beschäftigten, wie eben an diesem Samstag.

Den Maßstab setzten dabei Kim, Angela und Thomas, die die unglaublich schwere Aufgabe hatte, den Opener vor fast leerem „Haus“ zu geben. Doch was machten Kim, vielen besser bekannt als Rock- und Soulröhre Silvia Petrovic, ihre Tochter Angela und Thomas Müller? Sie velegten schlicht einen Teil ihres Auftritts dorthin, wo die da noch sehr spärlichen Gäste saßen, sangen zwischen den Bänken und Tischen, auf den Tischen, machten Selfies mit wirklich begeisterten Fans – und vermittelten so, um was es bei Musik wirklich geht: Freude zu machen und Menschen zusammen zu bringen. Später am Abend, während da schon Wingenfelder auf der Bühne rockten, brachte es Petrovic so auf den Punkt: „Wir wollen einfach Spaß haben!“

Den hatten am Samstag wohl wirklich alle – zumindest was die Bühnenperformance anging. Und auch The Edge um Frontmann Frank Starzmann ließen sich da nicht bitten und lieferten U2-Kassiker buchstäblich zum Anfassen. Immer wieder verließ Starzmann die Bühne, mischte sich unter die Zuhörer, sang mal sitzen, mal drauf stehend vom Stehtisch aus in die Menge. Ohne Zweifel, das Lookout-Festival bot seine ganz eigenen Momente. Da wollten auch Kai und Thorsten Wingenfelder nicht nachstehen.

Die Brüder, die mit ihrer Band Fury in the Slaughterhouse Musikgeschichte geschrieben haben, die seit 2010 unter ihrem Familiennamen firmieren und aktuell mit ihrer neuen Scheibe „Sieben Himmel hoch“ auf Tour sind, sprangen tatsächlich samt Band vor ihrem Auftritt durch die Reihen der Gäste vor der Bühne, sagten ganz persönlich ihren Fans „Hallo“ und schüttelten viele Hände.

So gesehen brachte die eher kleine Zahl an Gästen, die den Weg nach Beeden gefunden hatten, ein Erlebnis, das so nicht wirklich üblich war. Überhaupt musste und durfte man all denen, die da am Samstag auf und hinter der Bühne ein absolutes Maß an Professionalität, Spiel- und Einsatzfreude attestieren.

Einer, der den Abend wahrscheinlich, bei all dem musikalischen Glanz, mit gemischten Gefühlen sah, das war Achim Müller, der Vorsitzende des SV Beeden. Er hatte, erfahren als Mitarbeiter der Homburger Kulturgesellschaft (die mit der Veranstaltung entgeben anderer Verlautbarungen nichts zu tun hatte), das Festival aus der Taufe gehoben. Dass er dabei mit dem Engagement regional bekannter Coverbands nicht den eher einfachen Weg gegangen sei, begründete Müller damit, dass er schlicht ein etwas anspruchsvolleres Programm liebe. Und: „Wenn ein Verein 100 Jahre alt wird, dann sollte man schon etwas anderes präsentieren als das, was man auf jedem Dorffest hört.“

Zufrieden mit dem Zuspruch sei er vor diesem Hintergrund nicht, „ich bin da sehr traurig, dass nicht mehr Leute gekommen sind. Auch für die Bands tut es mir Leid, die hätten mehr verdient. Aber ich will kein Trübsal blasen. Jeder, der hiergekommen ist und sein Geld bezahlt hat, hat ein super gutes Konzert gehört. Und da kann ich nur sagen: Pech für die Leute, die nicht gekommen sind.“ Denn: Musikalisch werde wirklich Top-Niveau geboten, „das ist auch der Anspruch an mich selbst, solche Musik zu präsentieren. Und die Leute, die da sind, die wissen das auch zu schätzen“.

Sängerin Silvia Petrovic suchte ganz nah den Kontakt zu den Festival-Gästen. Foto: Thorsten Wolf

Ob es nach der Premiere eine weitere Auflage des Lookout-Festivals geben werde, das ließ Müller angesichts des finanziellen Wagnises, das ein solche Veranstaltung darstelle, verständlicherweise offen.

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