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Moseleisenapfel ist Apfen des Jahres für Rh-Pfalz und Saarland

Apfel des Jahres : Ein robuster Apfel macht das Rennen

In diesem Jahr fiel die Wahl der Gartenbauverbände unter den Streuobstsorten auf den Moseleisenapfel. Diese Sorte ist zwar noch auf Obstwiesen zu finden, aber selten. In der Biosphärenregion ist er gar nicht vertreten.

Auch im Jahr 2019 hat der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz eine Streuobstsorte des Jahres für das Verbandsgebiet benannt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf den regionalen Wirtschaftsapfel Moseleisenapfel. Mit dem Moseleisenapfel wurde eine sehr alte Sorte, die vor allem im Saar-Mosel-Raum bis hin zum Mittelrhein und Belgien bekannt ist,
ausgewählt, heißt es von Seiten des Verbandes.

Die Apfelsorte sei zwar noch auf Obstwiesen zu finden, werde aber als selten eingestuft. Allerdings gilt für den Moseleisenapfel eine Einschränkung: Es gibt ihn nicht auf den Streuobstwiesen der Biosphärenregion. „Bei uns im Saarpfalz-Kreis ist mir dieser Apfel noch nie untergekommen“, erklärt Harry Lavall, der bei der Kreisverwaltung der Experte für Streuobstwiesen ist und im Fachbereich Regionalentwicklung und Landwirtschaft arbeitet. Dabei betreut er auch die Obst- und Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis und deren Keltereien und Mostereien. „Der Moseleisenapfel kommt, wie der Name schon sagt, an der Mosel, an der Oberen Saar und im Luxemburger Bereich vor, aber zu uns hat er es nicht geschafft.“

Lavall vermutet, dass die Verbindungen im 19. Jahrhundert, als der Apfel häufig angebaut wurde, zwischen der damals bayrischen Pfalz und den preußischen und den übrigen Provinzen, zu denen das nördliche Saarland gehörte, nicht allzu eng waren. Außerdem gab es auf den Bliesgau-Streuobstwiesen bereits Wirtschaftsäpfel, deren Eigenschaften denen des Moseleisenapfels sehr nahe kommen. „Das sind der Siebenschläfer, auch roter Bellefleur genannt, der Winterrambur und der Rheinische Bohnapfel“, so Lavall. Diese Äpfel hätten ebenfalls gute Lagereigenschaften und könnten gut zu Mus oder zu Most verarbeitet werden. „Man findet sie bis heute noch häufig auf den Wiesen der Biosphäre“. Obwohl moderne Sorten wie Klarapfel oder Kaiser Wilhelm die alten Sorten vielfach ersetzt hätten, sei besonders der Bestand an Winterrambur in der Biosphäre noch beachtlich.

Wie oft bei alten Sorten, sind auch beim Moseleisenapfel die einzelnen Früchte eher klein bis mittelgroß, erklärt Monika Lambert-Debong, Geschäftsführerin des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. Man erkenne die Sorte recht gut an ihrer kegelförmig bis rundlichen Form und der markanten Färbung. Fast die ganze Frucht sei von einer trüb dunkelroten Farbe überzogen, die in ein bräunlich-bläuliches Rot übergeht und leicht verwaschen streifig ist.

Das grünlich-weiße Fruchtfleisch sei fest, schmecke süßsäuerlich bis süß, habe aber leider kein besonderes Aroma. Die Baumform sei meist etwas ungewöhnlich. Häufig erscheine die Krone asymmetrisch, da sich nur auf einer Seite stark ausgebildete Leitäste zeigten. Kompakte Kronen bedürften eines regelmäßigen Rückschnittes der Leit- und Hauptäste.

Er komme früh in den Ertrag, die Blüte zeige sich spät. „Der Moseleisenapfel hat an Boden und Standort keine besonderen Anforderungen. Die Sorte ist jedoch leicht schorfanfällig und so sind gut durchlüftete Lagen vorzuziehen“, so Lambert-Debong, die sich dabei auf das Fachbuch „Äpfel und Birnen aus Luxemburg, Geschichte, Tradition, Sorten, Verwertung“ von Raymond Aendekerk, Doris Bauer, Richard Dahlem, Marc Thiel und die Pomologen Hans Thomas Bosch und Hans Joachim Bannier bezieht.

„Auch wenn im Frühjahr die noch vorhandenen Obstbäume die Landschaft in ein Blütenmeer verwandeln, darf nicht vergessen werden, dass die wertvollen Obstwiesen nicht mehr den Stellenwert genießen, der ihnen eigentlich zustehen würde“, so Lambert-Debong. Obstwiesen müssten leider den bedrohten Lebensräumen zugeordnet werden. Der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz setze sich für die Erhaltung der Obstwiesen ein. Die Benennung der Streuobstsorte des Jahres solle dazu beitragen das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und Menschen dazu zu bewegen Obstbäume zu pflanzen, zu pflegen – Obst zu ernten, zu genießen und schmackhafte Produkte daraus herzustellen.

Ein Problem seien immer mehr auch Misteln, so Harry Lavall, „diese Schmarotzerpflanze wird gerne romantisiert als Weihnachtsdekoration, ist aber in Wirklichkeit ein ziemlich aggressiver Schädling“. Misteln befielen in letzter Zeit verstärkt die Apfelbäume auf den Streuobstwiesen der Biosphäre, „und wenn sie nicht rechtzeitig geschnitten werden, fressen sie sich in den Baum hinein“. Am Ende müsse man den Obstbaum fällen und dann „am besten verbrennen.“

 Die Geschichte des Apfelbaumes ist natürlich auch ein Stück Kulturgeschichte, die buchstäblich bis auf Adam und Eva zurückgeht. Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen der Feldobstbau und die damit verbundene Sortenvielfalt einen großen Aufschwung. Eine Fülle von Obstsorten entstand. Obstwiesen sorgten für eine herrlich blühende Kulturlandschaft. Doch dann wurde alles anders: Es wurden zunehmend besser zu bewirtschaftende niederstämmige Obstanlagen angepflanzt und die wirtschaftliche Bedeutung der Obstwiesen nahm ab.

Die Folge war ein drastischer Rückgang der landschaftsprägenden Streuobstwiesen, was auch zu einem Rückgang der Sortenvielfalt führte. Zahlreiche Obstsorten sind unwiederbringlich verloren gegangen oder stark gefährdet.

Der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz widmet sich der Erhaltung der landschaftsprägenden Streuobstwiesen und setzt sich für die Erhaltung der Obstsortenvielfalt ein. Eigens zu diesem Zweck wurde ein Arbeitskreis gegründet. Mitglieder sind die Fachberater für Obst- und Gartenbau Michael Keller, Landkreis St. Wendel, Harry Lavall, Saarpfalz-Kreis, Karl-Heinz Schmitt, Landkreis Merzig-Wadern und Robert Weber, Regionalverband Saarbrücken.