Managementvertrag beim Hotel Hochwiesmühle in Bexbach mit Dormotel

Veränderungen vor und hinter den Hotel-Kulissen : Familie Jungfleisch tritt kürzer

Das Hotel Hochwiesmühle wird seit 1. September von der Dormotel Hotelbetriebsgesellschaft gemanagt. Mark Jungfleisch bleibt aber als Geschäftsführer mit an Bord. Umfassende Renovierungen und Verbesserungen sind geplant.

Beim Bexbacher Traditionshotel Hochwiesmühle stehen Veränderungen ins Haus: Die Betreiberfamilie Jungfleisch hat zum 1.September die Freiburger Dormotel Hotelbetriebsgesellschaft mit ins Boot genommen, um sich selbst ein Stück weit zurückzuziehen. Das erklärt Hotel-Senior Fritz Jungfleisch. Künftig werde sein Sohn Mark Geschäftsführer sein, gemeinsam mit einer von Dormotel eingesetzten Person. Aktuell sei das Jörg Seidel als Interims-Betriebsleiter, schildert Jungfleisch. Später komme jemand anderes auf diesen Posten.

Die Familie behalte die Immobilie und habe mit dem Unternehmen einen so genannten Managementvertrag abgeschlossen. „Das kommt von Hotelgesellschaften, großen Konzernen wie Marriot. Die wollen gar nicht Eigentümer von Hotels sein, auch nicht pachten. Bei Managementverträgen erhalten sie ein gewisses Honorar und managen das Hotel“, erläutert der Hotelprofi.

Warum war dieser Schritt nötig? Für Jungfleisch einerseits eine Frage des Alters: „Ich werde 69, meine Frau 65. Wir konnten nur selten Urlaub machen, haben sieben Tage gearbeitet.“ Jetzt ergibt sich also die Chance auf mehr Freizeit. Durch die auf mehrere Jahre angelegte Zusammenarbeit werde für ihn und seine Frau ein geregelter Rückzug aus dem Geschäft möglich. „Der Schritt fiel mir gar nicht schwer. Es war immer eine Riesenverantwortung, dass es rund läuft. Man muss immer am Ball sein. Irgendwann mag man nicht mehr“, so Jungfleisch.

Und dann sei professionelle Unterstützung heute im Hotelgewerbe wichtig. „Wir haben klein angefangen, nicht die Strukturen wie ein Großkonzern. Das wird jetzt Stück für Stück umgesetzt, damit das Hotel am Markt präsent ist.“ Etwa beim Marketing, den internationalen Verbindungen. All dies habe Dormotel, deren Geschäftsführer Thomas Schlieper er von früher kenne. Dieser habe ein Landidyll-Hotel besessen – bei dieser Hotelkooperation seien beide zusammen Gründungsmitglieder gewesen. Im letzten Jahr sei die Idee der Zusammenarbeit „per Zufall im Gespräch mit jemand anderem“ geboren worden, erzählt Jungfleisch.

1959 als Bauernhof mit Mühle übernommen, wuchs die Hochwiesmühle in den Händen der Familie in drei Generationen zu einem vollwertigen Herbergsbetrieb. In mehreren Gebäuden entstanden nach und nach weitere Abschnitte mit neuen Zimmern und Suiten, Wellnessbereich, Kegelbahnen und einem Biergarten, zählt Dormotel in einer Pressemitteilung auf. Die ursprüngliche Mühle gibt es heute nicht mehr, aber das Hotel hat sich gut entwickelt. Die Hochwiesmühle verfügt laut Jungfleisch derzeit über 95 Zimmer. Zudem sei sie regional auch für Bankette bekannt.

Derzeit liege die Auslastung bei etwa 60 Prozent, schildert Fritz Jungfleisch: „Wir erwarten, dass sich das steigert. Das ist das Ziel.“ Erste Veränderungen hat die Kooperation schon zur Folge gehabt, etwa beim Ablauf des Frühstücks. „Auch haben wir eine neue EDV gebraucht“, erzählt der alte Hotel-Chef, „jetzt sind wir modern aufgestellt, wenn Zimmer über Plattformen gebucht werden, dann geht das direkt ins System.“ Früher habe man das von Hand eintippen müssen.

Auch hinsichtlich Renovierungen soll sich im laufenden Betrieb einiges tun: Man wolle neben den 3- Sterne-Superior-Zimmern, insgesamt etwa 35, nach dem Abschluss umfassender Renovierungsarbeiten Anfang 2021 einen Budget-Bereich mit 30 Zimmern anbieten, so die Betriebsgesellschaft. Auch wolle man den Wellness-Bereich aufwerten, um mehr Urlauber nach Bexbach zu locken. Sechs Zimmer sind laut Jungfleisch schon neu gemacht. Perspektivisch sollen noch Langzeitappartements entstehen. „Wenn große hiesige Firmen etwa einen neuen Manager suchen, dann kann er hier für eine Zeit einziehen.“ Solche Mitarbeiter organisierten sich meist nicht direkt eine Wohnung beim neuen Arbeitgeber, warteten die Probezeit ab. Darüber hinaus habe man zwei Hochzeitsmessen besucht, um sich als Feierlocation zu positionieren und eine extra Hochzeits-Menümappe angelegt. Auch gebe es zurzeit Bockbier-Aktionen, kurz: „Es ist jetzt alles professioneller als es bisher war.“

Die Gäste spürten das bereits, wie er ersten Rückmeldungen entnehme. Auf die Preisstruktur werde sich die Kooperation indes nicht auswirken. Schwankende Zimmerpreise hingen mit dem Markt zusammen: „Ist die Auslastung etwa im Januar oder Februar gering, muss man die Preise reduzieren, um für einen Grundstock an Übernachtungen zu sorgen. Das macht das Buchungssystem jetzt automatisch. Das ist so wie bei Fluggesellschaften.“ Geschäftsführer Schlieper spricht auch von einer geplanten Kooperation mit einer internationalen Marke: „Wir prüfen die Möglichkeiten für ein Franchise-Modell bei den großen Brands und sind in guten Gesprächen.“

Bei der symbolischen Übergabe: Betriebsleiter Jörg Seidel (links), Fritz Jungfleisch (daneben) und Mark Jungfleisch. Foto: Dormotel

Junior-Inhaber Mark Jungfleisch soll sich indes auch weiter um den Campingpark Ohmbachsee und das 16 Kilometer entfernte Landgut kümmern, ebenfalls in Familienbesitz.

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