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Kulturbahnhof in Bexbach soll im Herbst fertig werden

Rundgang durchs Gebäude : Kulturbahnhof wohl im Herbst fertig

Die Innenarbeiten sind auf der Zielgeraden, doch die künftige Nutzung steht noch nicht fest. Bei einer Gebäudebegehung erhielt unsere Zeitung jetzt Einblicke.

Seit Februar 2018 laufen die Arbeiten am denkmalgeschützten ältesten saarländischen Bahnhof in Bexbach: Zum „Kulturbahnhof“ soll er werden, gestemmt wird das Unterfangen durch eine 1,5-Millionen-Euro-Finanzspritze der Bundeskulturbeauftragten. Diese Unterstützung hatte Alexander Funk (CDU) 2014 klargemacht, damals war er noch Bundestagsabgeordneter. Angepeilte Fertigstellung des Gebäudes war bisher Mitte 2019. Doch bis dort erste Events stattfinden, dürfte es ein Stück länger dauern, wie eine Begehung am Mittwoch gezeigt hat: Außen stehen noch Gerüste, der Boden vorm gleisfernen Eingang ist unbefestigt. „Spätsommer“ ist angepeilt, so Bürgermeister Thomas Leis (SPD), der in Sachen Fertigstellung zeitlich „nicht überdrehen“ wolle: „Wir sind froh, dass wir schon so weit sind“. Außer ihm machten sich Mitglieder der Lenkungsgruppe „Aktive Stadt“ ein Bild vom Ausbaustand des Gebäudes. Der Bahnhof liegt zwar nicht im „Aktive Stadt“-Förderbereich, sondern grenzt nur an, doch für gute Nutzungsideen ist das kein Hinderungsgrund, erklärte sich Leis.

Während draußen die Güterzüge vorbeirauschen, ist drinnen noch Großbaustelle: Es riecht nach Rohbau, Kabel hängen von der Decke, Farbeimer stehen um einen Tapeziertisch, der Boden ist mit Vlies abgedeckt, für Licht sorgen Baustellenscheinwerfer. Heizkörper liegen verpackt herum. Man habe sie nach der Heizperiode im Winter für weitere Arbeiten vorübergehend wieder abhängen müssen, erklärt Kai Lambert, der Projektleiter für den Bahnhofsumbau und seit fast 18 Jahren beim Stadtbauamt zuständig für die technische Unterhaltung des Gebäudes. Wie kann man sich den Ort vorstellen, an dem künftig Lesungen, Ausstellungen, Kleinkunst oder Kleinkonzerte – laut Leis aber nicht etwa Vereinssitzungen oder private Geburtstagsfeiern – denkbar sind?

Das Erdgeschoss ist als einziges barrierefrei gestaltet, auch die „Multisex“-Toiletten sind es. Hier ist ein großer L-förmiger Bereich entstanden, wo sich früher die Wartesäle für die 1. und 2. Klasse befanden. Zwei Säulen wurden freigelegt und prangen mitten im Raum, ähnlich wie die Holz-Stützbalken nebenan. Hier könnten fast 100 Leute und eine kleine Bühne Platz finden, schätzt Lambert. Die Deckenverkabelung für eine Multimedia-Anlage und Lautsprecher sind schon mal da. Weil ein zweites Treppenhaus als zusätzlicher Fluchtweg eingezogen wurde, ist der angrenzende Raum, die Ex-Schalterhalle, kleiner geworden. Hier könne man etwa Büfetts aufbauen – denn eine eigene Restauration für den Kulturbahnhof ist aktuell nicht in Sicht. Wobei Leis auf eine Lösung im Nebenbau hofft, in dem sich das Bahnstellwerk befindet. Die Gepäckaufgabe habe man erhalten, sie könnte etwa als Abstellfläche für Stühle dienen, schätzt der Bürgermeister.

Die sieben Räume und ein mit historischen Fliesen versehenes Bad im ersten Stock – dort waren früher zwei Wohnungen – fallen allesamt kleiner aus. Hier hofft Leis auf eine Dauerausstellung, die die Modelleisenbahnfreunde betreuen. Wobei dann das Wann, „Wie oft“ und „Wie lange“ der Gebäudeöffnung abzuklären sei. Eine Hausmeisterlösung wie bei einer Sporthalle wolle man nicht. Wenn keine Veranstaltungen stattfinden, soll das Gebäude nicht für den Publikumsverkehr offen sein – zumal über das angrenzende Gleis nur Güterverkehr laufe.

Der Umbau des Gebäudes war mit einigen Hürden versehen, wie aus den Gesprächen klar wird. Eine Schwierigkeit bei der Gestaltung: „Wir hatten keine Aufzeichnungen, wie es im Gebäude mal aussah, nur Bilder“, erklärt Leis. Und bei denen sei unklar gewesen, wie treffend sie die Räume abbildeten. Und dann waren da die Vorgaben von Brand- und Denkmalschutz. Wegen letztgenanntem wurden etwa die Heizungsrohre außerhalb der Wände verlegt (Tichelmann-System). Auch habe man etwa die angesprochenen Säulen im Erdgeschoss mit Brandschutzfarbe bepinseln müssen, schildert Lambert. Überhaupt sei es der Brandschutz gewesen, der vieles erschwert und Gestaltungen bestimmt hätte. Etwa die Raufasertapete im zweiten Stock, wo sich fünf Räume mit Dachschräge befinden. Eine andere Lösung wäre dort zu teuer gekommen.

Überhaupt seien die 1,5 Millionen Euro, vermutlich komme man mit der Summe genau hin, „nicht viel“ für eine solche Maßnahme, so Lambert. Das Dach habe neu gedämmt werden müssen, man habe Wasser, Sanitär, Elektro und Heizung komplett erneuert: „Da gehen die 100 000er weg wie nichts.“ Um das komplette Gebäude behindertengerecht zu machen, war das Geld zu wenig, ergibt sich aus Leis Ausführungen. Denn dann hätte man einen Aufzug einbauen müssen.

Der künftig größte Raum im Erdgeschoss: Hier könnten etwa auch Konzerte stattfinden. Die entsprechende Elektronik ist in der Decke verlegt, wie Projektleiter Kai Lambert (hinten Mitte) der Lenkungsgruppe „Aktive Stadt“ am Mittwoch erläuterte. Foto: Eric Kolling
Der historische Bahnhof Bexbach von der Gleisseite aus gesehen. Das Gebäude soll künftig als Kulturbahnhof genutzt werden. Noch zeugen die Gerüste von den laufenden Umbauarbeiten. Foto: Eric Kolling

Wie geht es jetzt weiter? Es steht außer kosmetischen Innenarbeiten, Verputz und ab kommender Woche geplanten Malerarbeiten noch eine Ertüchtigung des alten Treppenhauses an. Für den folgenden Außenbereich habe man etwa den alten Basaltstein aus der Zeit vor der Umgestaltung des Bahnhofsumfelds auf der Grünschnittdeponie zwischengelagert und könnte ihn wieder verbauen, so Lambert. Und was die Eventpalette angeht – da steht noch kein Ergebnis fest. Nach der Camping-Messe soll unter anderem die neue städtische Tourismusmanagerin Maximiliane Amberger sich damit befassen. Auch die Masterarbeit eines Saarbrücker HTW-Studenten über die inhaltliche Ausgestaltung des Kulturbahnhofs soll dann begutachtet werden. Dabei konnten Bexbacher 2018 per Online-Voting 18 unterschiedliche Veranstaltungsarten bewerten, vom Konzert bis Kochkurs. Leis brütet auch über Kultur-Kooperationen mit Homburg oder der Gebläsehalle Neunkirchen. Sein Gefühl sage ihm, dass das Betreiben des Kulturbahnhofs anfänglich nur mit Zuschüssen möglich sei: „Das ist Neuland für uns. Wir müssen wohl im Haushalt Geld einstellen.“