Kritiker der Rollenspiel-Pläne fürs Utopion-Gelände Bexbach weiter skeptisch

Kostenpflichtiger Inhalt: Debatte um Utopion-Gelände in Bexbach : Die Rollenspiel-Kritiker bleiben skeptisch

Bei der Infoveranstaltung zu den Hobbithöhlen-Plänen fürs Utopion-Gelände in Bexbach gaben sich die Kritiker unversöhnlich. Dabei zog Geländepächter Hoch alle Register.

Es ging darum, die Wogen zu glätten in Sachen Utopion-Gelände. Daher hatten die Stadt Bexbach und Geländepächter Gregor Hoch für Mittwoch ins Volkshaus Oberbexbach zum Info-Abend über die Pläne für das Areal am Saarpfalz-Park eingeladen, auf dem etwa Rollenspiele wie das „Epic Empires“ ausgetragen werden. Und künftig wieder verstärkt werden sollen. 2015 habe man rund 5000 Leute gezählt, zuletzt keine 2000 mehr. Auf das 2015er-Niveau wolle man in einigen Jahren zurückkommen, so die Pächter. Dafür will Hoch mindestens 450 000 Euro investieren.

Es ging im Volkshaus um Naturschutz, die Parkplatz-Situation, Lärm, Brandschutzaspekte und die angedachten Hobbithöhlen. Ungefähr 90 Interessierte lauschten Hochs Ausführungen und meldeten sich in den eindreiviertel Stunden selbst zu Wort. Eine Annäherung war kaum auszumachen. Zu grundsätzlich scheint die Skepsis von Anwohnern, die Gefahren für Rehe, Wiesen und ihre eigene Ruhe befürchten.

Dabei gab sich der Österreicher Hoch, selbst über das Live-Rollenspiel auf Bexbach und das Gelände aufmerksam geworden, alle Mühe, sein Vorhaben transparent, umfassend und sachlich zu erläutern: Power-Point-Präsentation, ein in Auftrag gegebenes Tüv-Gutachtens, mit Anwalt Ingo Witte juristischen, Kulturveranstalter Julian Blomann marketingtechnischen, und Landschaftsplanerin Karin Döring naturkundlichen Sachverstand an seiner Seite. Dazu Fürsprache vom Umweltministerium.

Hoch erklärte, dass man 2019 im Schnitt 73 Teilnehmer an „Spieltagen“ gezählt habe, davon gab es 39. Eine Ausnahme sei das „Epic Empires“ mit 1156 Teilnehmern gewesen. An 326 Tagen im Jahr sei auf dem Gelände also gar nichts geschehen. Er habe vor, im neuen Bebauungsplan die Fläche für Lagerplätze von 13 Hektar auf 8,8 Hektar zu verkleinern. Dafür sollen anstatt sieben Großlagern 18 kleinere entstehen. Die bisher von anreisenden Spielern (und den Einheimischen) genutzte Wiese beim alten Geflügelhof soll Ausnahme-Parkplatz bleiben  – achtmal pro Jahr. Oberbexbachs Ortsvorsteher Stefan Schmelzer machte deutlich, dass man im Ort diesen „Parkplatz“ nicht wolle. Wie sicher die einzige Zufahrt durch den Saarpfalz-Park sei, müsse mit deren Geschäftsführerin Doris Gaa und den Unternehmen dort besprochen werden, sagte Bürgermeister Christian Prech.

Die (vor allem früheren Bundeswehr)gebäude auf dem Utopion-Gelände sollen derweil auch in den B-Plan aufgenommen und so legalisiert, außerdem mit Fluchtmöglichkeiten versehen werden, was für den Brandschutz wichtig sei. Ausbauen wolle man sie nicht.

Die Hobbithöhlen indes – angedacht sind sie auf der Wiese nahe Maschinenbau htm Graf und der Praxis Ilg – sollen in einem ersten Schritt als „aufwendige Zelte, sogenanntes Glamour-Camping“ daherkommen. Laufe das gut an, wolle man an ihrer statt bis zu zwölf Gebäude wie in den „Herr der Ringe“-Filmen halb in den Hügel bauen. Sie sollen jeweils sechs bis acht Gästen Platz bieten. In ihrem Zentrum ist ein Hauptgebäude („Taverne“) für die Logistik vorgesehen. Alles zusammen würden diese Bauten 350 der 1,1 Millionen Quadratmeter des Utopion-Geländes belegen. Hoch: „Wir reden hier nicht von Massentourismus, sondern einem sehr differenzierten, kleinteiligen, naturnahen Tourismus.“  Derzeit, so Ingo Witte, seien Anmietungen durch Nicht-Rollenspieler in der Taverne seitens der Stadt „wohl nicht gewünscht“. Laut Blomann akzeptiere man das, habe aber ein Interesse an entsprechender Vermietung – gerade durch die Bevölkerung. „Die steht dem positiver gegenüber, wenn sie selber mieten darf“, so seine Vermutung.

Er erklärte, der meiste Lärm der die Anwohner plage, stamme nicht von den Rollenspielern, sondern etwa von Volks- und Feuerwehrfesten oder Partys, man selbst setze nie verstärkte Musik ein. Anwohner beschwerten sich über nächtliches Getrommel oder Kampfgesänge, doch laut Hoch finden im Dunkeln keine Kämpfe statt. Er empfahl, ihn künftig zeitnah zu informieren – oder die Polizei. Die Veranstalter von „Epic Empires“ verteilen vorsorglich eine zentrale Handynummer, unter der Anwohner in den Lagern Ruhe anmahnen können.

Um das Thema Lärm zu illustrieren, zückte Julian Blomann ein Messgerät, das in Digitalanzeige die Lautstärke im Raum angab. Hochs normal gesprochene Erläuterungen kamen auf 60 bis 80 Dezibel. Dann erläuterte der Österreicher Ergebnisse eines am 13. Dezember 2017 nachts erstellten Tüv-Gutachtens, das etwa am Saarpfalz-Park, dem Hotel Hochwiesmühle oder „Zum Folloch“ den Lärmpegel ermittelt hatte. Der höchste Wert betrug 52 Dezibel.

Für Rollenspieler sei der Umwelt- und Naturschutz wichtig, das mache das Gelände gerade so wertvoll. Ein vermülltes, zerstörtes Gelände stelle keine Spielfläche dar, um sich in eine Fantasywelt zu versetzen. Man habe schon zugeschüttete Biotope renaturiert, säubere das Areal. Döring machte deutlich, dass man einige Festlegungen getroffen habe, etwa zu den Lagerorten oder der maximalen Zahl an Spielern. Der Bebauungsplanentwurf sieht vor, dass pro Jahr drei Veranstaltungen mit 350 bis 1500 Teilnehmern stattfinden dürfen, dazu fünf mit 120 bis 350 Personen. Tim Otto, Chef des Landesumweltamts, der obersten Naturschutzbehörde im Saarland, machte deutlich, dass man etwa Brut- und Schutzzeiten der Tiere im Blick habe. Er lobte, wie positiv sich aus Naturschutzsicht das Gelände in den letzten Jahren entwickelt habe und wie gut die Rollenspieler bei den „umfangreichen Überwachungsmaßnahmen“ Auflagen einhielten. Was manche im Publikum abstritten und Gegenbeispiele in den Raum warfen, zu denen Otto nichts sagen konnte. Etwa Lagerfeuer oder aufgestellte Fackeln an angeblich gefährlicher Stelle.

Besonders energisch hakte Alfons Dahl, Anwohner am Folloch, nach. Er zeigte sich abschließend „enttäuscht“ über die Veranstaltung, wollte etwa Schätzungen, wieviel Besucher das Areal künftig anzieht, und berichtete von Gesprächen mit Feuerwehrleuten, die auf dem Areal einen Brandschutzteich für nötig erachteten. Der Natur- und Anwohnerschutz stehe für ihn im Vordergrund: „Die Verantwortlichen der Stadt sollen jetzt überlegen und alles so belassen, wie es ist“, so Dahls forderndes Fazit an Bürgermeister Prech und die erschienenen Stadtratsmitglieder. Die Gremien sind es, die jetzt über den Bebauungsplan mit möglichen Auflagen entscheiden. Prech kündigte für die Zeit nach der Beschlussfassung eine neuerliche Infoveranstaltung an.

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