Kriminalrat Thomas Raber aus Homburg geht in den Ruhestand

40 Jahre Polizeidienst : Ein Beruf, in dem man alles erlebt

40 Jahre war Thomas Raber im Polizeidienst tätig, nun geht er in Rente. Was er berichtet, könnte Bücher füllen.

Heute ist der letzte Arbeitstag von Kriminalrat Thomas Raber. Am Tag davor passierte prompt ein Mord in Homburg. Was lehrt uns das? „Es reißt nicht ab“, sagt der 60-Jährige, „wenn man den Polizeiberuf ergreift, sollte man sich darüber im klaren sein, dass man nie weiß, was der Tag bringen wird. Ich finde, dass dies das Spannende an meinem Beruf ist.“

Vierzig Jahre im Polizeidienst, was hat sich verändert? „Wir stellen fest, dass sich die Aggression gegenüber den Polizeibeamten verstärkt hat, es ist eine Respektlosigkeit zu beobachten, die vorher nicht so verbreitet war“, sagt Raber im Rückblick. Natürlich habe es auch früher schlimme Attacken auf Polizisten gegeben, aber nicht so häufig: „Ich erinnere mich, als ich gerade im zweiten Ausbildungsjahr war, da wurde meine Einsatz-Hundertschaft aus dem Saarland nach Brokdorf angefordert, es gab Ausschreitungen beim Bau der Kernkraftanlage.“

Damals habe ein brutaler Demonstrant einem saarländischen Polizisten mit einem Spaten den Helm zertrümmert, der junge Polizist wurde schwer verletzt. „Das war schlimm, überhaupt war dieser Einsatz bei eisigen Temperaturen im Februar 1981 mein erstes einschneidendes Erlebnis als junger Polizist.“ Hatte er danach Zweifel, ob die Berufswahl richtig war? „Nein“, sagt Thomas Raber, „nicht einmal habe ich diesen Beruf bereut, im Gegenteil, ich würde ihn direkt wieder ergreifen, wenn ich jung wäre.“

1979 hatte Thomas Raber in Neunkirchen Abitur gemacht, sein Wunsch, zur Polizei zu gehen, stand fest, „ich hatte Verwandte und Bekannte, die im Polizeidienst tätig waren, die hatten immer faszinierende Geschichten zu erzählen, da wusste ich schon früh, dass dies kein langweiliger Beruf sein würde.“

Und so war es auch. Nach seiner Ausbildung und einer Tätigkerit bei der Verkehrsüberwachungsbereitschaft mit Festnahme eines Bankräubers, wurde Raber dem Kriminalkommissariat St. Ingbert zugeteilt, „und in meiner ersten Bereitschaftswoche, das war 1984, ging es gleich drunter und drüber“, erinnert er sich „es kam alles zusammen - Einbrüche, ein versuchtes Tötungsdelikt, ein Gewaltausbruch und am Ende noch ein Flugzeugabsturz mit fünf Toten bei Ballweiler.“ Das Flugzeug habe einem Homburger Geschäftsmann gehört, der allerdings nicht mit drin saß.

Nach seinem dreijährigen FH-Studium zum Kriminalkommissar kehrte Thomas Raber wieder nach St. Ingbert zurück und bearbeite dort alles, was anfiel - Tötungsdelikte, Unglücksfälle, Verwahrlosungsfälle, Sexualdelikte. „Es gibt nichts, was ich nicht gesehen hätte“, sagt er, „aber als Polizist ist man auch derjenige, der sich um Aufklärung bemüht, der Ordnung schafft und Menschen helfen kann. Das ist eine Seite des Berufs, die mir immer gut gefallen hat.“

Von St. Ingbert wechselte Thomals Raber nach Saarbrücken zum LKA, um die Organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Mit seinem Team stellte er große Mengen an Haschisch sicher, machte Dealer und dicke Fische dingfest. Das LKA drang bis in die mafiosen Strukturen von russichen und italienischen Banden vor, konnte Auftragsmorde und Raubüberfälle aufklären. Nein, sagt Raber, das Saarland sei keine Insel der Seligen, auch hier habe das Organisierte Verbrechen seine Fußabdrücke hinterlassen.

Ab 2008 kam Thomas Raber dann als Kriminaldienstleiter nach Homburg, unter seiner Leitung wurde  der spektakuläre Raubüberfall in Bruchhof aufgeklärt, dem zwei US-Soldaten zum Opfer fielen. Die vier Täter konnten festgenommen werden. Auch Betrügereien mit Millionenschaden, bandenmäßigen Diebstahl, eine hässliche Raubserie, von der besonders Gaststätten und Geschäfte betroffen waren, klärte er mit seinem Team auf. In Erinnerung geblieben sind ihm die Fans aus Möchengladbach, die 2014 auf den FC Homburg trafen: „Es herrschte eine aggressive Stimmung in der Stadt. Noch dazu war gerade Festa Italiana, und auf dem Marktplatz sollte am selben Abend ein Konzert stattfinden. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man in einer solchen Situation für die Sicherheit aller Besucher sorgen soll.“

Nun geht Thomas Raber als Kriminalrat in den Ruhestand, „die Arbeit wird mir ein bisschen fehlen“, vermutet er. Jungen Leuten kann er nur empfehlen, den Beruf zu ergreifen: „Es gibt wohl kaum einen abwechslungsreicheren Beruf.“ Es gebe Erfolgserlebnisse und gute Freundschaften, „ich habe heute noch besten Kontakt zu meinen Kollegen aus der Ausbildungszeit.“ Man müsse sich aufeinander verlassen könne, „und ein bisschen Berufsethos darf schon dabei sein“, findet Raber.

Das Saarland brauche Nachwuchs, aber es dauere seine Zeit, bis aus jungen Leuten erfahrene Polizistinnen und Polizisten würden. Was hat er noch unangenehm in Erinnerung? „Mir hat mal jemand bei einer Auseinandersetzung das Nasenbein gebrochen. Ausgerechnet vor meiner Prüfung für die Kommissarlaufbahn. Die Prüfung musste ich mit Röhrchen im Gesicht absolvieren.“

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