Hilfe zur Selbsthilfe : Herzlicher Empfang für vier Saarländerinnen

Vier engagierte Damen aus dem Verein „EFB - Entwicklungsförderung Benin“ besuchten wieder die Kleinstadt Copargo, um vor Ort den Fortgang der Hilfsmaßnahmen zu beutachten, die der Verein finanziert.

Erst hatte Renate Schiestel-Eder ihre Handtasche im Duty-free-shop am Pariser Flughafen vergessen, dann versemmelte sie ihren Personalausweis. Hilfreiche Geister beschafften ihr beides wieder. „So eine Reise nach Benin ist immer wieder ein Abenteuer“ sagt die engagierte Ehrenamtliche aus Homburg, „als ich endlich in der Hauptstadt Cotonou ankam, dachte ich, dass ich mein Glücks-Kontingent für diese Reise eigentlich ausgeschöpft hatte.“

Die Erlebnisse, die dann in Benin folgten, erforderten keinen schnellen Einsatz der Glücksgöttin mehr, sondern riefen in erster Linie Zufriedenheit  bei allen vier ehrenamtlichen Helferinnen aus dem Verein EFB (Entwicklungsförderung Benin) hervor. Denn das, was vor über zehn Jahren begann, trägt langsam Früchte. „Was besonders gut läuft, ist die Erwachsenenbildung“, betont Schiestel-Eder, „ganz viele Menschen wollen auch noch im fortgeschrittenen Alter unbedingt Lesen und Schreiben lernen.“ 

In der Provinzstadt Copargo sind die meisten saarländischen  Hilfsprojekte angesiedelt. Zweck der zweiwöchigen Reise ist,  die mit Spendengeld finanzierten Einrichtungen zu begutachten und neue Spenden zu überreichen. „Wir dokumentieren genau vor Ort, ob und wie das Geld ankommt“, betont Schiestel-Eder.

Mit dabei waren diesmal die Präsidentin des Vereins, Christine Jordan-Decker sowie die Vorstandsdamen Ulrike Schumacher, Christine Skorupka und eben Renate Schiestel-Eder. Meistens findet die Fahrt im Oktober statt,  gegen Ende der Regenzeit, wenn das Klima erträglich ist. „Aber Regengüsse hatten wir trotzdem noch“, erzählt Schiestel-Eder, „von den acht Tagen, die wir dort waren, hat es fünf Tage geregnet.“ Einmal habe es dermaßen gegossen, dass der Transporter mit den saarländischen Damen im Wasser stecken blieb und dabei einen Teil seiner Blechverkleidung verlor. Der Fahrer sei einfach in den Tümpel gesprungen und habe das Teil wieder herausgefischt, so Schiestel-Eder, „in Deutschland hätte man die Polizei gerufen, in Benin fuhr der Fahrer einfach weiter“.

Die Gemeinde Copargo mit ihrem Bürgermeister Ignac Onorou ist etwa so groß wie Neunkirchen. Die Schulen und Krankenstationen, die von der EFB  gefördert werden, liegen weit auseinander, weshalb es immer sehr aufwändig ist, alle zu besuchen. „Diesmal mussten wir nicht alle vier  Schulen abklappern, sondern die Schülerinnen kamen mit ihren Eltern zu uns nach Copargo“,  berichtet Schiestel-Eder, „da war die Bude voll. Es gab eine Ansprache und alle haben sich sehr für unsere Unterstützung bedankt“. Eine junge Afrikanerin habe sogar gefragt „Warum macht Ihr das? Wieso helft ihr uns? Ihr kennt uns doch gar nicht.“

Die Unterstützung der 40 Patenmädchen gehört zum Pflichtprogramm des gemeinnützigen Vereins. 160 Euro gibt die EFB pro Jahr für ein Patenkind aus, darin enthalten sind zwei Schuluniformen, das Schulgeld, das Schulmaterial und ein tägliches Schulfrühstück. Das Alter der Mädchen liegt zwischen 14 und 17 Jahren.

Auf Betreiben des Vereins ist die Fertigung der wertvollen Shea-Butter wieder angelaufen, die sich als wertvoller Rohstoff hervorragend verkaufen lässt. Gewonnen wird das gelblich-weiße Fett aus der Frucht des Karitébaums. An seinen Zweigen reifen in traubenartigen Formationen die Sheanüsse heran. Sheanüsse bestehen zu 50 Prozent aus Fett. Zur Gewinnung des Fetts werden die Nüsse von ihrem Fruchtfleisch befreit und in einem aufwändigen Verfahren zerkleinert. Anschließend werden die gemahlenen Kerne mit warmem Wasser vermengt und zu einer breiartigen Masse geknetet. Das Fett das sich dabei absonder, wird oben abgesiebt. Um dieses aufwändige Verfahren abzukürzen, hat der Verein zwei große Quirler gespendet, die, so Schiestel-Eder, „die Arbeit eines Tages innerhalb einer Stunde erledigen.“

Zu den Dauermaßnahmen zählt auch die Unterstützung von zwei Krankenstationen und die Förderung von Kindergärten. „Eine Station konnten wir sehen, die sehr gut arbeitet.“ Hier sei alles „sehr sauber“ gewesen, die Arbeit werde gewissenhaft erledigt.  Hier ziehe sich der Verein nun zurück, „denn diese Krankenstation läuft sehr gut ohne uns. Wir leisten Hilfe zur Selbshilfe.  Läuft ein Projekt gut, entlassen wir es aus der Förderung und wenden uns anderen  Aufgaben zu.“

Dazu gehört einen Bienenprojekt, das gerade anläuft. Über 50 Bienenkästen hat der Verein gespendet, noch dazu Imkeranzüge und sogar Schutzanzüge für Kinder, „damit wollen wir erreichen, dass sich alle Altersstufen mit der Bienenzucht  identifizieren können.“ Die Kinder dürften sich am Ende einen Anteil am Honig mitnehmen, den sie selbst essen oder verkaufen könen.

Der Verein setzt verstärkt auf Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, die bereits vor Ort sind, etwa ein Projekt eines Schweizers, der sich auf die Lehrlingsausbildung spezialisiert hat. Junge Leute können dort eine Lehre als Elektriker, Maurer oder Installateur machen. „Wir werden uns beteiligen und die Ausbildung von zwei Mädchen finanzieren, die sich zu  Gärtnerinnen ausbilden lassen wollen.“ Auch einen französischen Hilfsverein, der vor allem Bildungsprojekte und landwirtschaftliche Technik nach Benin bringt, will EFB  unterstützen. Mit einem Sack voll neuer Ideen sind die vier engagierten Saarländerinnen aus Benin zurückgekommen. Im kommenden Oktober werden sie wieder dorthin fahren, keine Frage.

 Die bunten Farben der Stoffe, Körbe oder Masken, die man auf den Märkten in Benin findet, faszinieren die Besucher immer wieder aufs Neue. 
Die bunten Farben der Stoffe, Körbe oder Masken, die man auf den Märkten in Benin findet, faszinieren die Besucher immer wieder aufs Neue.  Foto: Christiane Skorupka/EFB
 Die Erwachsenenbildung ist eines der erfolgreichsten Projekte des Fördervereins. Viele Männer und Frauen, auch im fortgeschrittenenen Alter,  wollen unbedingt Lesen und Schreiben lernen.
Die Erwachsenenbildung ist eines der erfolgreichsten Projekte des Fördervereins. Viele Männer und Frauen, auch im fortgeschrittenenen Alter,  wollen unbedingt Lesen und Schreiben lernen. Foto: Christiane Skorupka/EFB
 Die Herstellung von Shea-Butter ist aufwändig und mühsam. Der Verein spendete zwei große Quirls, die viele Stunden Handarbeit einsparen.
Die Herstellung von Shea-Butter ist aufwändig und mühsam. Der Verein spendete zwei große Quirls, die viele Stunden Handarbeit einsparen. Foto: Christiane Skorupka/EFB

Sie hängen einfach an dem schönen Land und den netten Menschen dort. Allerdings könnten sie engagierten Nachwuchs gebrauchen, der mitfahren möchte.