Helen Schwarz aus Bexbach praktiziert in Metz

Auslandspraktikum : Aus Liebe zur Sprache ein Praktikum in Metz

Helen Schwarz aus Bexbach studiert in Saarbrücken und Metz und arbeitet derzeit im Tourismusbüro der französischen Stadt.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“ Wer in den vergangenen Wochen die Beratungstheke in der Metzer Tourismuszentrale betreten hat, dem konnte es passieren, dass er von einer Saarländerin angesprochen wird.

Zuerst meist auf Französisch, doch wenn Helen Schwarz merkt, dass die Fragesteller damit Schwierigkeiten haben, wechselt sie auch gern ins Deutsche oder Englische. Sie komme aus Bexbach, erzählt die 21-Jährige, die im zentralen Metzer „Office de Tourisme“, gleich neben der Kathedrale, ein achtwöchiges Praktikum absolviert.

Ein bisschen kannte die junge Frau, die die französische Sprache über alles liebt, Metz schon vorher. Denn sie studiert in Saarbrücken „Grenzüberschreitende Kommunikation und Kooperation“. Und zu diesem deutsch-französischen Studiengang gehört es, dass man nach einem Jahr an der Saar-Uni auch ein Jahr an der Université de Lorraine in der Moselstadt verbringt. Während des Semesters habe man an der französischen Uni aber so viel zu tun, sagt sie, dass sie kaum Zeit gefunden habe, die Stadt näher zu erkunden. Um das nachzuholen, bewarb sich Schwarz gezielt um einen Praktikumsplatz im Tourismusbüro – schließlich ist da die Schaltzentrale der Metz-Experten. „Hier durfte ich dann auch an einigen Führungen teilnehmen, um so unterschiedliche Facetten und Ecken der Stadt kennen zu lernen, am liebsten hätte ich noch mehr mitgemacht“, sagt Schwarz. Doch schon wieder fehlte dafür die Zeit. „Die Chefin war so zufrieden mit meiner Arbeit, dass sie mir schon von Anfang an relativ viel Verantwortung übertragen hat“, so Helen Schwarz.

Und so kam es, dass die Praktikantin schon nach der ersten Woche allein auf einem der Posten am Empfang saß, um dreisprachig Klienten zu beraten. Über Langeweile kann sie da nicht klagen: In der Tourismuszentrale im Erdgeschoss des stattlichen Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten Touristen, hat die Bexbacherin in den acht Wochen festgestellt, seien Deutsche, nur wenige davon aus der näheren Region, der Großteil aus entfernteren Gegenden der Bundesrepublik. An zweiter Stelle kämen Franzosen, dann englischsprachige Touristen aus den USA und aus England sowie Spanier und Italiener. „Ganz viele haben mir erzählt, dass sie bisher auf dem Weg in den Süden an Metz vorbeigefahren sind, ohne es zu beachten, und dass sie total froh sind, jetzt mal angehalten zu haben“, erklärt Schwarz.

Wer einmal da ist, ist von Metz begeistert, so ihre Beobachtung. Das gilt auch für sie selbst. Nicht nur wegen der Kathedrale und der historischen Altstadt voller Baudenkmäler, auch weil die Stadt so grün sei und viele Parks habe. Ihr Tipp für Metz-Besucher: der moderne Park Jardin Jean-Marie Peltre schräg hinter dem Centre Pompidou. Geheimtipp Nummer zwei: der Plan d’eau, ein gestauter Mosel-See, an dem derzeit auch ein Stadtstrand mit vielen Aktivitäten lockt. Auch abends sei im Sommer viel los, Konzerte, Partys ohne Ende. Sowieso spiele sich hier, typisch französisch, alles draußen ab, in Straßencafés und auf Restaurantterrassen, schwärmt die Saarländerin.

Das sei noch extremer als in Saarbrücken, wo sich ja alles auf den St. Johanner Markt konzentriere, sagt sie. In Metz dagegen verteile es sich mehr, da gebe es viele Plätze mit Cafés und Bars. Schwarz’ Lieblingsplätze? „Der Place de Chambre und der Place St. Louis. Der Place St. Jacques ist mir zu touristisch.“

Die Zeit sei viel zu schnell verflogen, findet sie jetzt, da ihr Praktikum zu Ende geht. Was es gebracht hat? Viele interessante Kontakte und viel Anerkennung. Erst gestern habe ihr im Tourismusbüro ein Mann aus Baden-Württemberg gesagt, genau solche Leute wie sie, die so gut Französisch können, motiviert sind und einen offenen Esprit haben, bräuchten sie bei der IHK, erzählt Schwarz, die jetzt erst mal ihr Studium in Saarbrücken fortsetzen möchte – und vielleicht öfter mal nach Metz fahren wird. „Ich finde es so faszinierend, in einem Grenzraum zu leben“, sagt die Bexbacherin. In einer halben Stunde könne man in Frankreich sein, könne dort auch arbeiten, mit Sprachen stünden einem so viele Möglichkeiten offen. „Schade“, findet sie, „dass das viele Leute gar nicht so zu würdigen wissen.“