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Klassik-Ensemble: Gelungener Streifzug durch die Epochen

Klassik-Ensemble : Gelungener Streifzug durch die Epochen

Das Klassik-Ensemble Nimm5 aus der benachbarten Pfalz überzeugte beim Auftritt in der katholischen Kirche St. Martin in Bexbach.

Schon seltsam, dass ein seit drei Jahren existierendes und in Schönenberg-Kübelberg beheimatetes Klassik-Ensemble noch nie im Saarland aufgetreten ist. Dieser Tage war es aber so weit, da kam Nimm5 in die katholische Kirche St. Martin in Bexbach, auf Einladung der Pfarrgemeinde und des Fördervereins für Kirchenmusik.

Man habe länger überlegt, ob man lieber im Gemeindezentrum oder in der Kirche auftritt, erzählte Nimm5-Macher Joachim Hentschel am Rande. Letztlich habe man sich für die Kirche entschieden – eine fragwürdige Wahl, denn bei all der schönen Optik litt doch leider der Klang unter der Größe des Gotteshauses. Viel zu verhallt schallten da Oboe, Querflöte, Horn, Fagott und Klarinette. So manch filigrane Passage ging da einfach unter, weil der erste Ton längst nicht verklungen war, als der dritte, vierte oder fünfte schon ertönte. „Der Hall ist in der Tat schwierig. Wir haben aber deswegen das Tempo extra reduziert“, meinte Hentschel. Schade.

Ansonsten gab es nichts zu kritisieren. Kein Wunder, handelt es sich ja bei Nimm5 um ein Bläserquintett aus ganz hervorragenden Einzelmusikern. Flötistin Kathrin Krannich etwa hat ihr Instrument studiert und arbeitet an einer Musikschule in Trier. Oboistin Anne Villiger kann auf Konzertreisen durch Indien und China zurückblicken, während Hans Peter Bohrer an mehreren Musikschulen Klarinette und Saxofon unterrichtet. Der US-Amerikaner Steven Rayburn war zunächst Saxofonist, ist jetzt aber als Fagottist sehr gefragt. Joachim Hentschel wiederum, bei dem zu Hause in Schönenberg-Kübelberg geprobt wird, ist erster Hornist im Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern. Er wohnt am zentralsten, betrachtet man die Standorte der anderen: Trier, Idar-Oberstein, Kusel und Worms. Das Ensemble spielt fünf bis sechs Auftritte im Jahr und versucht aus einem riesigen Fundus ein immer wieder neues Repertoire zu erstellen.

Beim Bexbacher Konzert ging das Quintett chronologisch vor: Das Ganze startete mit der Bach-Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, die der israelische Fagottist Mordechai Rechtmann fürs Bläserquintett arrangiert hat. Das Gleiche hat er auch mit dem Bläseroktett Opus 103 von Ludwig van Beethoven gemacht. Das Original war als Tafelmusik gedacht und gehört zu Beethovens frühen Werken. Meist führte dabei die Oboe, in vielen Passagen warfen sich die verschiedenen Blasinstrumente aber kurze Themen wie Bälle hin und her. Im zweiten Teil des Konzerts ging es dann ins 20. Jahrhundert. Wobei sich die „trois pièces brèves“ von Jacques Ibert noch gar nicht mal so sehr modern anhörten. „Wie viele seiner französischen Kollegen hat Ibert die atonalen Experimente seiner deutschen Zeitgenossen vermieden“, erklärte Hentschel in einer Zwischenansprache.

Auch das nächste Stück kam aus Frankreich, von der zu Lebzeiten eher wenig beachteten Komponistin Hedwige Chrétien. Man wisse nicht sonderlich viel über sie, meinte Hentschel, wiewohl sie, für die damalige Zeit sicher ungewöhnlich als Frau, 1889 als Professorin ans Pariser Konservatorium berufen wurde. Ihre Komposition „Quintette à vent“ klang zum Teil verspielt und strahlte viel Freude aus. Mit den Five Easy Dances des 1911 geborenen jüdisch-ungarischen Komponisten Denes Agay endete das Konzert. Danach gab es stehenden Applaus der etwa 50 Zuhörer, der zu zwei Zugaben führte: Arie Malandos Tango „Olé guapa“ und der berühmte ungarische Tanz Nummer fünf von Brahms.

Von den Zuhörerinnen und Zuhörernn kamen ausschließlich positive Reaktionen. Von „Seelenproviant“ war da die Rede und davon, dass solche Konzerte häufiger stattfinden sollten. „Fantastisch, sehr gekonnt gespielt, ein tolles Programm über die Epochen hinweg“, lautete ein weiterer Kommentar nach dem gelungenen Konzert.