Festakt zu 140 Jahre Grube Frankenholz mit einem Rückblick auf die Geschichte

140 Jahre Grube Frankenholz : Grubengeschichte und Strukturwandel

Beim Festakt am Sonntag ging es um den Aufstieg und Fall der ehemaligen Grube Frankenholz und das Ende des Bergbaus am Höcherberg. Auch Ministerpräsident Hans war ins Martin-Niemöller-Haus gekommen.

Zu den Begriffen, die derzeit die Diskussion um die wirtschaftliche Zukunft des Saarlandes mit am meisten bestimmen, gehört „Strukturwandel“. Wie geht es weiter mit dem Bundesland als Industriestandort, wie wird man Veränderungen gleich welcher Art und gleich welcher Ursache meistern – und so Wirtschaftskraft zumindest erhalten?

Am vergangenen Sonntag und als Teil einer Reihe von Veranstaltungen konnte man sich anhand der Geschichte des früheren Bergbaulandes Saarland ein Bild davon machen, welche Auswirkungen ein solcher Strukturwandel im Guten wie im Schlechten haben kann, durchaus exemplarisch nachgezeichnet am Aufstieg und Fall der ehemaligen Grube Frankenholz.

Unter dem Titel „140 Jahre Grube Frankenholz/60 Jahre Ende des Bergbaus am Höcherberg“ hatte eine Interessengemeinschaft mit unterschiedlichen Akteuren, darunter Frankenholz‘ Ortsvorsteher Rudi Müller sowie die Heimatkundler Manfred Barth, Hans-Joseph Britz und Hubert Roeder, für einen Festakt ins Martin-Niemöller-Haus eingeladen. Zu den Gästen des Vormittags zählten neben Bexbachs Bürgermeister Christian Prech und Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo auch Saar-Ministerpräsident Tobias Hans. Festlich mitgestaltet vom Knappenverein St. Barbara Bexbach mit Jörg Müller an der Spitze (unterstützt von Kameraden aus Köllerbach) und musikalisch gestaltet vom Projektchor des MGV Liederkranz unter der Leitung von Isolde Fernes-Blatt waren es vor allem Festredner Hans-Joseph Britz und Manfred Barth, die mit ihren Einblicken in die Geschichte der Grube Frankenholz dem Begriff „Strukturwandel“ Nachvollziehbarkeit gaben.

Britz führte die Gäste durch die Geschichte der Grube Frankenholz vom Jahr Beginn im Jahr 1879 bis zur letzten Schicht im Jahre 1959. Der Homburger Stadtarchivar und Vorstandsmitglied im Knappenverein St. Barbara Bexbach verknüpfte dabei die Geschichte der Grube mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Frankenholz und dessen Wandel vom beschaulichen Bergdorf zum Industriestandort. „Im Jahr 1875 hatte der Ort gerade mal 179 Einwohner. Doch mit Inbetriebnahme der Privatgrube entwickelte sich eine ansehnliche Bergmannsgemeinde. 30 Jahre später waren es über zehnmal so viele Einwohner: über 1700.“ So nannte Britz das, was da Frankenholz widerfuhr, eine „Industrialisierung par excellence“. Elektrizität, moderne Wohn- und Arbeitsinfrastruktur, ein eigenes Krankenhaus – all das habe die Grube nach Frankenholz gebracht.

Und so vollbrachte der Ort mit dem Aufstieg der Grube Frankenholz seinen ersten Strukturwandel. Der, und das betonte Britz immer wieder, sei untrennbar verbunden mit dem Engagement des Zweibrücker Advocaten, Politikers und Unternehmers August Ferdinand Culmann. Dass Britz eben Culmann in den Fokus seiner Festrede rückte, das war zwangsläufig, hatte der die Grube Frankenholz trotz vieler Widrigkeiten aus der Taufe gehoben. Dabei sei das Engagement des Unternehmers immer auch gepaart gewesen mit sozialem Verständnis.

Britz schilderte auch den Niedergang der Grube, zuletzt nur noch Teil der Grube St. Barbara Bexbach – und die damit verbundenen, nun negativen Veränderungen für Frankenholz, den quasi zweiten Strukturwandel. „Mit dem Stillstehen der Förderräder wurde es aufgrund der geringeren Wirtschaftskraft in Frankenholz ruhig. Ein harter Schlag für die seit 1947 selbstständige Gemeinde.“ Nach Britz war es dann an Manfred Barth, der zahlreichen Bergmänner zu Gedenken, die in den Jahren des Betriebs der Grube Frankenholz ihr Leben verloren hatten, mit am schrecklichsten dabei die Folgen der Schlagwetter-Explosionen von 1897 mit 51 Toten und von 1941 mit 41 Toten.

Neben Britz und Barth sowie Landrat Theophil Gallo, Bexbachs Bürgermeister Christian Prech und Ortsvorsteher Rudi Müller trat natürlich auch Ministerpräsident Tobias Hans ans Rednerpult. „Ich glaube, das es uns ohne Erinnerung schwerfallen würde, die Gegenwart einzuordnen. Ohne Erinnerung ist es auch schwierig, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen, ohne Erinnerung wären wir ohne genaue Kompass für die Richtung der Wege, die wir in Zukunft einschlagen müssen.“

Den auch durch die bergmännische Solidarität entstandenen gesellschaftlichen Zusammenhalt im Saarland nannte Hans als Quelle heutiger Stärken.

„Aus dieser Geschichte können wir viel ablesen für unser heutiges Leben.“ So könne man mit den Tugenden der Bergleute auch die Herausforderungen der heutigen Zeit meistern.

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