Ermittler auf vier Pfoten

Die Polizei im Saarland ist in die Direktionen Gefahrenabwehr, Kriminalitätsbekämpfung, Personal und Zentrale polizeiliche Dienste unterteilt. Die SZ stellt in loser Folge interessante Abteilungen vor. Teil eins der Serie: die Polizeihundestaffel.

Spürhund Annie macht ihren Führer Dietmar Knobe von der Polizeihundestaffel des Saarlandes auf einen Fund aufmerksam.

Ein Spaziergänger entdeckt einen verlassenen grünen Kastenwagen im Gelände. Der Wagen kommt ihm verdächtig vor und so meldet er ihn der Polizei . Die rückt an, in Begleitung zweier Hunde. Die Beschreibung des Augenzeugen passt zu einem flüchtigen Drogendealer, der bewaffnet sein soll. "Spür!", lautet der Befehl von Polizeikommissar Markus Ditzler an die siebenjährige Langhaar-Schäferhündin Checky, die nur darauf gewartet hat, endlich loszulegen. Die Sprengstoffspürhündin streift mit der sensiblen Schnauze voran an der Seite des Kastenwagens entlang. Neben dem linken Vorderreifen bleibt sie sitzen und signalisiert Ditzler damit, dass sie etwas gewittert hat. Beim Öffnen der Motorhaube findet der Polizeibeamte dann eine verdreckte Waffe. Auftrag erfolgreich - zur Belohnung darf Checky auf einem Beißwulst herumkauen.

Auch die zehnjährige Annie, eine belgische Schäferhündin, braucht nur wenige Sekunden, bis sie im Kofferraum anschlägt: Unter der Bodenplane muss etwas sein. Kurz darauf hält Polizeioberkommissar Dietmar Knobe ein Päckchen Haschisch in der Hand.

Die eingangs geschilderte Szene ist fiktiv, die Suchaktion für die Polizeihunde aber echt und ein typisches Training für den Ernstfall. "Wir müssen uns immer neue Fremdgerüche und Örtlichkeiten einfallen lassen, um die Hunde zu trainieren", sagt Kriminalhauptkommissar Axel Klein, Leiter der Diensthundestaffel in Bexbach . Dafür werden je nach Spürhund echte Waffen, Canabis oder Leichengeruch verwendet. Checky und Annie sind zwei von 31 Schutz- und Stöberhunden der saarländischen Polizei .

Mindestens ein Jahr müssen die Hunde alt sein, um die zwölf-wöchige Grundausbildung zum Schutzhund zu durchlaufen. "Der Hund und sein Halter müssen von Anfang an als Team zusammenpassen", sagt Klein. Nur so können sie an Tatorten oder bei Personensuchen erfolgreich sein. Nach der Grundausbildung können die Hunde - in Bexbach vor allem deutsche, belgische und holländische Schäferhunde - zu Spürhunden geschult werden. Je nach Ausbildung suchen sie Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel, Leichen oder Personen.

Einmal im Jahr wird die Leistung des Hundes überprüft. "Ansonsten hält jeder seinen Hund auf dem geforderten Stand und trainiert mit ihm während der Dienstzeit", so Klein. Dabei vergehe keine Schicht, in der nicht ein Hund angefordert wird. Über 2000 Mal waren die Schutzhunde aus Bexbach im vergangenen Jahr im Einsatz, am häufigsten die zwölf Rauschgiftspürhunde mit 206 Einsätzen, oftmals mit mehreren Hunden. Am seltensten (16 Mal) wurden Leichenspürhunde eingesetzt.

"In Zeiten zunehmender Gewalt gegen Polizisten sind Hunde ein effektives Einsatzmittel", ist Klein überzeugt. Vor allem bei Fußballspielen sei jeder Kollege froh, einen Hund an seiner Seite zu haben. Auch zu hohen Staatsbesuchen in Berlin wie von US-Präsident Obama werden laut Klein Spürhunde aus dem Saarland eingesetzt.

Noch trainiert Hündin Annie zusammen mit ihrem Partner Dietmar Knobe zwei bis drei Mal die Woche. Doch Ende des Jahres endet ihre Dienstzeit. Mit zehn Jahren hat sie das Rentenalter erreicht. Knobe bleibt aber - obwohl er bereits einen anderen Hund übernommen hat - ihr Herrchen. Denn Checky verbringt ihre Pension bei ihm zu Hause. "Ab und an nehme ich sie schon noch mit. Sie will ja trotzdem noch weitersuchen", sagt Knobe.