Einschulung : Ein wichtiger Tag für Eltern und Kinder

Beim Schulanfang sind die Eltern meistens aufgeregter als die Kinder. Stellvertretend für die Homburger Grundschulen waren wir diesmal in Beeden dabei, als die Erstklässler mit den Schultüten aufgerufen wurden.

Die Schule ist kein Jammertal, sondern ein Vergnügen. Jedenfalls bekam man diesen Eindruck bei der Einschulung am Montagmorgen, dem Tag des Schulanfangs im Saarland. Zumindest, was die Grundschule Beeden anbelangt, denn da versprach der neue stellvertretende Schulleiter Johannes Ruppert den Kindern wunderbare Zukunftsaussichten: „Ihr werdet bei uns das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, wir werden Ausflüge machen, Feste feiern, Theater spielen und Spaß haben.“

Dass man Spaß haben und Theater spielen kann, bewiesen eindrucksvoll die Dritt- und Viertklässler, die auf dem Schulhof der Beeder Grundschule für die 24 Schulneulinge ein kleines Theaterstück aufführten, das sie in ihrer Freizeit eingeübt hatten. Die Präsentation sollte die Aufregung dämpfen, doch die war, wie ein Vater bemerkte, „bei den Eltern vermutlich größer als bei den Kindern“.

Am Ende wurden die Erstklässler einzeln mit Vornamen aufgerufen, sie mussten vortreten und wurden von einem „alten Hasen“ aus der dritten oder vierten Klasse in Empfang genommen und in die Klasse geführt – mitsamt einem Namensschildchen. Und dann begann ganz langsam der Ernst des Lebens, aber eben nur ganz langsam, denn die neue Lehrerin stellte sich erst einmal vor, sie musste gleichzeitig auch ein bisschen trösten und auf das eine oder andere weinende Kind Rücksicht nehmen.

Aber sie machte auch klar: Das ist nun Schule und kein Kindergarten mehr. Trösten am ersten Tag ist in Ordnung, auch Mama und Papa dürfen noch einmal mit in die Klasse, aber das war’s dann auch. Gelernt wird ab jetzt im Klassenverband. Oder, wie Johannes Ruppert sagte: „Guckt Euch gut um, Ihr werdet Euch ab heute jeden Tag hier in der Schule treffen und neue Freunde finden.“

Der Schulanfang wurde natürlich versüßt durch die Schultüten, die bei jedem Kind unterschiedlich ausfielen. Den Vogel abgeschossen hatte Marvin, dessen Schultüte in der Form eines grasgrünen Sauriers daherkam. Entdeckt hatten Marvin und seine Mutter das Ungetüm im Internet. „Wir wollten den Saurier eigentlich gemeinsam zusammenbauen, aber am Ende war das Ding so kompliziert, dass ich den Marvin lieber zum Spielen geschickt habe und selbst daran fast verzweifelt bin“, erinnert sich die Mutter lachend, „irgendwann ist der Saurier dann doch fertig geworden.“ Kein Wunder, dass Marvin stolz war auf sein besonderes Stück.

Die kleine Dara, die zum Einschulungstag ein rosa Spitzenkleidchen trug, hatte Mamas Schultüte unter dem Arm: „Die haben wir noch ein bisschen geschmückt, aber es ist tatsächlich meine alte Schultüte“, erklärte Daras Mama.

Marlon und Manuel waren ebenfalls aufgeregt, bei ihnen war die ganze Familie zur Einschulungsfeier dabei, nicht nur Eltern und Großeltern, auch Tanten und Geschwister freuten sich mit ihm über das besondere Ereignis. Zur Feier des Tages war Manuel ganz besonders schick angezogen, er trug einen kleinen schwarzen Anzug, einen Schlips und einen nagelneuen Lego-Ranzen. Die Haare hatte ihm die Mama mit einem nassen Kamm akkurat gescheitelt. „Mann, Du siehst ja richtig schick aus“, enfuhr es auch dem stellvertretenden Schulleiter Ruppert.

Überhaupt fiel auf, dass sich die meisten Eltern mit ihren Erstklässlern auf den großen Tag vorbereitet hatten, die Mädchen trugen zum besonderen Anlass hübsche Kleider, zum Teil mit Glitzer, Schmetterlingen oder Schleifchen – und viele hatten besondere Frisuren. So auch die kleine Beverly, die einen Pferdeschwanz trug, der mit einem dicken Perlenband geschmückt war. Beverly kann es kaum erwarten, Lesen und Schreiben zu lernen, „sie ist sowieso sehr wissbegierig“, betont ihre Mutter, „sie möchte endlich selbst alle Märchen und Geschichten lesen, die sie bisher nur vom Hören kennt“.

Die kleine Dara ist stolz auf ihre Tüte, die sie von ihrer Mama übernommen hat, die damit einst selbst vor vielen Jahren eingeschult wurde. Foto: Christine Maack
Beverly will Lesen lernen, ihre Mama findet den Vorsatz prima. Foto: Christine Maack
Marvin und die Saurier-Schultüte. Damit war er der Star. Foto: Christine Maack

Und so kommt bei aller Aufregung das Wichtigste nicht zu kurz. Es ist das kleine Wunder, das sich in der ersten Klasse ereignet, wenn Kinder plötzlich Buchstaben zu Wörtern formen können, die Wörter zu Bildern werden, die sich im Kopf zu Geschichten verdichten. Und man kann diese Geschichten sogar aufschreiben, weil man nicht nur Lesen, sondern auch Schreiben gelernt hat.

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