Einbrecher sehen sofort, wo es schnell geht

Einbrecher sehen sofort, wo es schnell geht

Taschendiebstahl ist höchst ärgerlich, lässt sich aber meist verschmerzen. Anders verhält es sich bei Wohnungseinbrüchen. Hier bleibt oft lebenslang ein Unsicherheitsgefühl zurück. Die Homburger Polizeichefin Besse stellte die Einbruchszahlen von 2015 für Bexbach vor.

In Bexbach lässt es sich noch gut leben, denn Bexbach belegt einen der hinteren Plätze auf der Kriminalstatistik innerhalb des Saarlandes. Also da, wo die letzten Plätze die begehrenswertesten sind.

Bexbach leide aber auch darunter, dass die gefühlte Sicherheit mit der tatsächlichen Sicherheitslage nicht übereinstimme, vermutete Bürgermeister Thomas Leis anlässlich der Vorstellung der Straftaten-Statistik fürs Jahr 2015. Will heißen: Viele Menschen halten ihre Umgebung für unsicherer als die Zahlen es hergeben.

Dazu tragen solche Fälle bei, die die Bevölkerung schockieren, wie gerade erst gestern in der Hochstraße geschehen: ein junger Mann wurde zusammengeschlagen und beraubt. Das vergisst man nicht so leicht, auch wenn die Statistik eine andere Sprache spricht.

Und diese Statistik stellte Alexandra Besse vor, die Leiterin der Polizeiinspektion in Homburg und damit auch für Bexbach zuständig. Wohnungseinbrüche sei das Thema, das derzeit die Menschen am meisten verunsichere, erklärte sie.

Im Jahr 2013 wurde in Bexbach-Mitte 56 Mal eingebrochen, vor zwei Jahren 32 Mal und im vergangenen Jahr 44 Mal. Dies sei, so Besse, "keine dramatische Entwicklung, auch wenn die Menschen das anders empfinden mögen."

Was auch daran liege, dass Wohnungseinbrüche schwierig zu bearbeiten und die Aufklärungsquoten gering seien, "weil die Tätergruppen so unterschiedlich strukturiert sind". Da gibt es den Drogensüchtigen, der dilettantisch einbricht und am Ende nur die Kaffeekassen plündert, den "regionalen Profi-Einbrecher", der genau weiß, was es bei wem zu holen gibt - und die überregionalen Banden, die Europas offene Grenzen nutzen, um Diebstahl großflächig und gewerbsmäßig zu betreiben, "als Lebensunterhalt, wie eine Arbeit", wie Besse es formulierte.

Noch dazu biete das Saarland für diese Banden "ideale Bedingungen": Das Land sei verkehrsmäßig gut erschlossen, ",man kommt schnell weg" , und biete die Möglichkeit, sich ins nahe Frankreich zu flüchten. "Wir nehmen das Problem sehr ernst", betonte die Polizeichefin, "wir stecken landesweit in die Einbruchsbekämpfung viel Personal und Zeit, aber wir können das Problem nicht alleine lösen." Die Bevölkerung müsste mithelfen, um Häuser und Wohnungen sicherer zu machen: Die Türen richtig abschließen, Fenster niemals gekippt lassen, Bewegungsmelder im Garten installieren. Auf Wunsch käme auch ein Kontaktpolizist direkt ins Haus, um vor Ort zu beraten und auf Gefahrenstellen hinzuweisen. "Profis fahren durch eine Straße und sehen sofort, wo ein Einbruch leicht ist", erklärt die Expertin. Kontaktpolizisten hätten auch die Aufgabe, das Sicherheitsgefühl bei der Bevölkerung wiederherzustellen, "besonders bei denjenigen Bürgern, die bereits Opfer eines Deliktes wurden." Der Stadtverband Saarbrücken liegt mit 42,6 Prozent aller saarländischen Straftaten auf dem ersten Platz der Kriminalstatistik , gefolgt vom Kreis Saarlouis (23,3 Prozent). Der Saarpfalz-Kreis kommt an dritter Stelle mit rund zehn Prozent, knapp gefolgt von Neunkirchen (9,5 Prozent). Die beiden Schlusslichter sind die Kreise Merzig-Wadern mit sieben und Kreis St. Wendel mit nur vier Prozent.

Wie sicher lebt man in Bexbach? Bürgermeister Thomas Leis, Polizeikommissar Malte Krämer und die Polizeichefin Alexandra Besse.

Hier die weiteren Einbruchzahlen am Höcherberg: Kleinottweiler: 2013: fünf Einbrüche, 2014: zwei Einbrüche, 2015: sechs Einbrüche. Oberbexbach: 2013: sechs Einbrüche, 2014: vier Einbrüche, 2015: 20 Einbrüche. Frankenholz: 2013: zwei Einbrüche, 2014: zwei Einbrüche, 2015: vier Einbrüche. Niederbexbach: 2013: zwei Einbrüche, 2014: vier Einbrüche, 2015: zwei Einbrüche. Höchen: 2013: ein Einbruch, 2014: drei Einbrüche, 2015: zwei Einbrüche.