Blühender Acker: Ein Paradies aus Blüten geschaffen

Blühender Acker : Ein Paradies aus Blüten geschaffen

Niederbexbacher Landwirte engagieren sich durch das Anlegen von Blühlandschaften für den Fortbestand der Bienen.

Das Sterben von Bienen und Co. ist in aller Munde. Wissenschaftler wie Amateur-Forscher ermitteln derzeit, was an Insekten noch durch Deutschland fliegt. Seit sich die Warnsignale verstärkt haben, gibt es aber auch immer mehr Initiativen, die wichtigen Lebensraum für Insekten schaffen wollen.

Das geschieht teils mit rein privatem Engagement, teils auch gefördert von Kommunen, Kreisen, Land, Bund und Europäischer Union. In Niederbexbach sind es aktuell Landwirte wie Heinrich Schmoltzi, die aus -zig Tausende von Quadratmetern brachliegende Ackerflächen in Blühlandschaften verwandelt haben. Rund 30 000 Quadratmeter haben er und sein Sohn in ein Inseketenparadies verwandelt. Inmitten des „Lippstädter Blütenparadieses“, einer speziellen und artenreichen Blühmischung für Honigpflanzen, wimmelt es nur so von Bienen, Hummeln, Faltern und anderen Insekten.

Gesammelt wird jetzt und über die Blühperiode hinweg von Felderbse, Lupine, Sommerwicke, Sonnenblume, Ölrettich, Senf und Leindotter. Natürlich blühen nicht alle Pflanzen gleichzeitig, sondern über die Sommersaison hinweg zu unterschiedlichen Zeiten. Das sorgt dafür, dass der „blühende Acker“ der Schmoltzis in Niederbexbach für die Insekten eine lang andauernde Anflugstelle bleibt.

Am Dienstag trafen wir uns mit Heinrich Schmoltzi an einem der Äcker. Dort erklärte der Landwirt, wie es dazu kam, aus brachliegender Nutzfläche ein Paradies für Insekten zu machen. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren immer Randstreifen von Äckern mit Blühpflanzen gestaltet.“ Im vergangenen Jahr habe man aber darauf verzichtet. Grund dafür sei die immer wieder aufkommende Kritik von Imkern an den Landwirten gewesen. „Da wurden wir regelrecht beschimpft.“

In diesem Jahr nun habe er auf Basis einer Verordnung der Europäischen Union insgesamt 30 000 Quadratmeter mit der besagten Blühmischung angesät. „Das haben wir alles aus dem eigenen Geldbeutel bezahlt.“ Noch sei, so Schmoltzi, nicht klar, was im kommenden Jahr mit der Fläche geschehe. „Wenn die Vorgaben der EU aber so bleiben, dann werden wir auch im nächsten Jahr wieder Blühpflanzen einsäen.“

Schmoltzis Philosophie: „Man kann ja was tun. Man muss es nur wollen.“ Und wollen scheint nötig. Nach aktuellen Studien ist die Anzahl von Insekten zwischen 1989 und 2015 um 75 Prozent zurückgegangen. Als Grund dafür werden immer wieder der Einsatz von Insektiziden der Wirkstoffklasse der Neonicotinoide und auch eine intensive Landwirtschaft mit starkem Monokultur-Charakter genannt.

Diese Gründe werden, gerade mit Blick auf das Bienensterben, aber nicht von allen so als Ursache akzeptiert. Tatsache ist: Was das Insekten- und Bienensterben letztendlich auslöst, ist derzeit Gegenstand einer Vielzahl von wissenschaftlichen Erhebungen und Untersuchungen. Klar scheint nur, dass es wohl keinen alleinigen Grund gibt.

In jedem Fall scheint es sinnvoll, den bestehenden Insekten-Populationen Lebensraum zu geben. Blühwiesen, oder wie in Niederbexbach „Blühäcker“, sind da ein geeignetes Instrument. Aber es müssen ja gar nicht immer gleich knapp 30 000 Quadratmeter sein. Gutes tun kann man auch im kleinen Garten oder auch auf dem Balkon. Zudem muss man auch keine Botaniker sein, um Bienen und anderen Insekten ein bisschen Lebensraum zu schaffen. Zahlreiche Saatgutanbieter haben zwischenzeitlich spezielle Blühmischungen im Angebot. Immer wieder gibt es auch Aktionen mit kostenlosen „Bienenweiden“-Mischungen, meist organisiert von Umweltschutzverbänden.

Und auch beim Saarpfalz-Kreis und seitens der Landesregierung hat man ein Auge auf die Situation des Insekten. So hatte das Saarländische Umweltministerium im vergangenen Jahr das Programm „Dem Saarland blüht was“ aufgelegt. Hier stellte Saarbrücken insgesamt 300 000 Euro zur Verfügung. Damit sollten brach liegende Grünflächen in innerörtlichen und suburbanen Räumen in attraktive Blühflächen verwandelt werden. Wer selbst etwas für Bienen und andere Insekten tun möchte, der hat eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten (siehe Info).