1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Bexbach

Ein Hexenhaus voller Geheimnisse aus alten Zeiten in Kirkel

Das Kirkeler Burg- und Heimatmuseum : Das Häuschen von Hänsel und Gretel

Das Kirkeler Burg- und Heimatmuseum ist ein restauriertes ehemaliges Tagelöhnerhaus mit einer Einrichtung wie zu Uromas Zeiten.

Im 19. Jahrhundert war Kirkel ein bitterarmes Dorf, das die besten Jahre hinter sich hatte. Und die lagen schon mehr als 250 Jahre zurück, als die ehemals mittelalterliche Kirkeler Burg von 1580 bis 1596 durch den Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken zu einem Wohnschloss umgebaut worden war. Der Herzog liebte den Renaissance-Stil und hatte mit Magdalena von Jülich-Kleve auch das notwendige Kleingeld dazu erheiratet. Den Kirkeler Dorfbewohnern ging es damals vergleichsweise gut, 1624 wird sogar Schulunterricht urkundlich erwähnt.

Wie die Archäologin und Museumsleiterin Christel Bernard erzählt, befinden sich unter den Schuttmassen der Kirkeler Burg noch Gebäudeteile, Tor- und Zugbrückenanlagen sowie eine Wehrmauer aus dieser Zeit. Doch dann brach der Dreißigjährige Krieg über das Land herein, und alles, was danach kam, lässt sich unter der Rubrik Krieg, Not, Pest und Hunger verbuchen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben die Anwohner von Kirkel arme Waldbauern. Auf sie traf zu, was man in Grimms Märchen liest: „Sie ernährten sich von den Früchten der Felder und den Beeren des Waldes“. Heute klingt das romantisch nach Pilze sammeln und Himbeeren pflücken, aber das war es damals ganz und gar nicht. Vor allem dann nicht, wenn man mindestens fünf, oft sogar zehn oder mehr Kinder zu ernähren hatte.

Einen Aufschwung brachte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrie, sodass viele Kirkeler in den Eisenwerken oder in den Gruben im benachbarten St. Ingbert oder Neunkirchen ein Auskommen fanden. Damit konnten sich auch Tagelöhner ein kleines Häuschen leisten, um wenigstens ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben.

In einem solchen Tagelöhner-Haus, in dem vermutlich auch Steine der Kirkeler Burgruine verbaut wurden, ist heute das Kirkeler Heimatmuseum untergebracht. Es liegt direkt am Fuße der Burg und wirkt auf heutige Besucher so putzig, als ob hier einst Hänsel und Gretel gehaust oder Rotkäppchens Großmutter das Bett gehütet hätten.

Allerdings dürften die damaligen Bewohner, die gerade mal 50 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung hatten, ihr Schicksal nicht als märchenhaft empfunden haben, zumal auch sie, wie Christel Bernard betont, viele Kinder hatten, für die abends überall im Haus Haferspreusäcke zum Schlafen ausgebreitet werden mussten. Und so ist das Heimatmuseum in erster Linie ein Zeugnis der Lebensweise, mit der sich arme Leute im 19. und noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts herumschlagen mussten.

Wenn man heute das kleine Häuschen durch eine niedere Tür im Erdgeschoss betritt und sich unmittelbar in einer gemütlichen Küche aus den 20-er Jahren befindet, so entspricht dies zwar dem Anliegen des Museums, frühere Zeiten zu illustrieren. Aber nicht der damaligen Wirklichkeit, „denn im unteren Bereich war das Vieh untergebracht, damit die Stallwärme nach oben ziehen sollte, was im Winter wichtig war“, so Christel Bernard. Der Wohnbereich befand sich im ersten Stock, auf kleinem Raum saß die Familie um einen qualmenden Küchenofen herum, dessen Abzug man noch an der Form der Holzbalken erkennen kann.

Heute stehen dort eine eiserne Ritterrüstung und ein Glasregal mit Fundstücken aus der frühen Besiedelung der Gegend, darunter auch gallo-römische Teile. Ein Modell der Burg aus dem 16. Jahrhundert ist ebenfalls zu sehen. „Die Rüstung ist eine Replik neueren Datums“, sagt die Mittelalter-Expertin Christel Bernard. Für die Schulkinder, die zu den häufigsten Besuchern des kleinen Museums zählen, tut dies keinen Abbruch. Sie dürfen sogar ein Paar von den nachgemachten mittelalterlichen Eisenhelmen anziehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie wenig die Ritter bei ihren Kämpfen eigentlich gesehen haben und wie schwer ihre Rüstung wog.

Im Hauptraum des Museums, der früheren „guten Stube“, richtet Christel Bernard jedes Jahr eine wissenschaftlich aufbereitete Ausstellung ein: „Die Ausstellungsthemen sind hauptsächlich meine eigenen Ideen. Anfangs hatte ich mehr Kinderausstellungen geplant, aber die Kirkeler wollen lieber Themen für Erwachsene“, sagt sie. Derzeit ist noch eine Ausstellung über die Jagd im späten Mittelalter zu sehen.

Im obersten Stockwerk des Museums, zu dem eine steile Stiege hinaufführt, befand sich einst das Elternschlafzimmer, das die Gemeinde mit Spenden von Kirkeler Bürgern wieder so eingerichtet hat wie vor 120 Jahren: mit einer bescheidenen Bettstatt für die Eltern, einer Kinderwiege, einem Heiligenbild, Hochzeitsandenken, Stickereien, einem Nachttopf und dem einzigen Paar „guten Schuhen“ und dem einzigen „guten Kleid“, das man besaß. Mehr war nicht drin für eine Tagelöhnerfamilie.

Die Küche des Heimatmuseums war ursprünglich der Stall fürs Vieh. Hier begutachten Christel Bernard, die Museumsleiterin, und Dominik Hochlenert vom Kulturamt Kirkel, alte Steingutware mit kobaltblauen Mustern. Foto: Christine Maack
Die Ritterrüstung ist bei Kindern der Renner. Obwohl sie nur nachgemacht ist, wird sie doch mit viel Ehrfurcht betrachtet. Foto: Christel Bernard

Das kleine Haus wurde 1988 von der Gemeinde Kirkel erworben. Zusammen mit dem Heimat- und Verkehrsverein wurde es zunächst fachgerecht restauriert und dann zu einem Museum umgewidmet. Ziel war, „das Leben und die Geschichte des Ortes darzustellen“, sagt Dominik Hochlenert vom Kulturamt der Gemeinde. Das Museum illustriere den „hiesigen bäuerlichen Haustyp, ein so genanntes Stallhaus“, so Hochlenert, „1844 gab es in Kirkel 21 Hausbesitzer, die als Tagelöhner in solchen Häusern wohnten“. Viele ehrenamtliche Museumsführer sorgen dafür, dass der Eintritt weiterhin kostenlos bleiben kann. Es sei schon ein großer Unterschied, ob Kinder oder ältere Leute als Besucher kämen: „Für die Kinder ist dieses Häuschen eine völlig fremde Welt. Genauso gut könnte man ihnen eine mittelalterliche Stube zeigen“, so Hochlenert. Von den älteren Besuchern hingegen komme der Ausruf: „Hier sieht’s ja genauso aus wie früher bei meiner Oma“.