Ehrenpatenkind des Präsidenten

Oberbexbach

Oberbexbach. Das hätte sich der kleine David, das jüngste Mitglied der Familie Klasen aus Oberbexbach, nicht besser erträumen können: Als achtes Kind der Familie hat, einer guten Tradition folgend, Bundespräsident Christian Wulff die Ehrenpatenschaft für den Kleinen übernommen, am Freitagmorgen überbrachte Bexbachs Bürgermeister Heinz Müller beste Grüße aus dem präsidialen Amtssitz Schloss Bellevue, eine Urkunde und Patengeschenk von 500 Euro. Mit dabei auch Oberbexbachs Ortsvorsteher Günter Strähl, der sich den Glückwünschen anschloss und selbst auch noch ein kleines Geldgeschenk übergab.Mit ihren acht Kindern sind die Klasens ein gutes Gegenbeispiel zur statistischen 1,5-Kind-Familie, für Papa Markus eine Herausforderung mit Gewinngarantie: "Man hat eine Großfamilie und möchte es nicht missen. Das ist ein echtes Erlebnis." So was hört man heute nicht mehr oft, die sinkenden Geburtenzahlen sprechen da eine deutliche Sprache. Für Familienbetreuerin Ute Schwartz von "4Family" aus Gersheim, sie unterstützt das "Großunternehmen Klasen", hat ein solcher Familienverbund auch entscheidende Vorteile in der Erziehung. "Gerade bei so vielen Kindern entwickeln sich soziale Kompetenzen, die Kinder lernen in diesem Bereich untereinander und selbstständig."

Bei allen Vorteilen, seien sie im innerfamiliären Verbund oder auch rein für die Statistik: Familien wie die Klasens müssen auch mit vielen Vorurteilen kämpfen, Ute Schwartz spricht es deutlich aus: Stigmatisierung. Markus Klasen bestätigt dies. "Wir bekommen das auch ganz stark zu spüren, gerade hier im direkten Umfeld. Das ist teilweise ganz schlimm." Das hört Ortsvorsteher Günter Strähl nicht gerne. "Das enttäuscht mich doch sehr." Das Mittel der Klasens: die Anfeindungen abprallen lassen. "Wir stehen zu unseren Kindern, egal was die anderen sagen."

Die Familie hat es derzeit nicht nur deswegen nicht unbedingt leicht, denn Vater Markus Klasen, Berufskraftfahrer, ist seit etwas über einem Jahr arbeitslos. Ein Job als Fahrer wäre jetzt genau richtig, "ich habe erst vor kurzem meinen Führerschein erneuern lassen". Er steht bereit, jetzt fehlt nur noch der passende Arbeitgeber, der ihn arbeiten lässt. Das wäre ein zweites, noch nachhaltigeres Geschenk zum achten Kind als die Patenschaft des Bundespräsidenten - gleichwohl auch die schon ein ordentliches Signal ist.

Eben diese Patenschaft gibt es seit 1949, seit ihrer Einführung wurden die deutschen Bundespräsidenten insgesamt über 75 000 Mal Ehrenpate, allein im Jahr 2009 konnten sich 670 Kinder über diesen, wenngleich symbolischen, Beistand des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik freuen. Formal können Eltern frühestens für das siebte Kind über ihre Verwaltung einen Antrag auf eine solche Ehrenpatenschaft stellen, bei den Klasens wurde es die Nummer acht. Der kleine David nahm die Ehrung lautstark entgegen, für Bürgermeister Heinz Müller ein gutes Zeichen: "Wenn Kinder nicht schreien, dann sind sie nicht munter."