Diese Pilze sollte jeder kennen

Maronenröhrlinge und Pfifferlinge erkennen viele. Aber wie sieht es mit Pantherpilz und Grünem Knollenblätterpilz aus? Der Pilzsachverständige Harry Regin gab Tipps, welche Pilze man besser stehen lassen sollte.

So viel Zuspruch hatten sich die Veranstalter der Pilz-Exkursion nicht erwartet: Etwa 30 Teilnehmer sind jetzt zur von den Pilzfreunden Saar-Pfalz organisierten Wanderung nach Bexbach gekommen, die unter der Leitung von Harry Regin einen Einblick in die Welt der Pilze gab. "Manchmal kommen im November nur vier oder fünf Leute", freute sich Regin über den regen Zuspruch. Der auch damit zusammenhängen konnte, dass der beliebteste Monat zum Sammeln von Speisepilzen, der Oktober, der langen Trockenheit zum Opfer fiel. Da es im November wiederum zu kalt wird für Sorten wie Maronenröhrlinge oder Pfifferlinge , blieb in diesem Jahr nur ein schmales Zeitfenster für Pilzsucher. Für die Exkursion war ursprünglich die Bexbacher Kohleabraumhalde vorgesehen, weil sie mediterranen Sorten wie dem Erbsenstreuling eine Heimat bietet. "Pilzsporen sind so winzig und haltbar, dass sie bis in die Stratosphäre aufsteigen und sich über den ganzen Erdball verteilen können", erklärte Regin die Wanderschaft des Erbsenstreulings. Da auf der Halde aber aktuell nicht viele Pilze wachsen, ging es in den nahe gelegenen Wald.

Pilzvergiftungen waren natürlich auch ein Thema der Exkursion, an der außer Regin noch die Experten Thomas Brandt und Peter Rink teilnahmen. Letzterer arbeitet an der Uniklinik und berichtete davon, wie einmal ein Pilzgericht einer Familie zum Verhängnis wurde. "Ich habe den Sohn losgeschickt, der nicht davon gegessen hatte, der hat mir einen Stiel des Pilzes mitgebracht: da wusste ich, was es war." Die Familie stamme aus Sibirien, wo es einen Speisepilz gebe, der dem Grünen Knollenblätterpilz ähnlich sieht. Pilzvergiftungen kämen "zu 99 Prozent" bei Einwanderern vor aus genannten Gründen; nur einmal sei Rink von einer deutschen Frau gerufen worden, die einen Pantherpilz verspeist hatte, zum Glück in einer geringen Menge. Das habe nur einen Rauschzustand ausgelöst - "die hat die ganze Notfall-Ambulanz unterhalten", sagte Rink. Thomas Brandt ist wie Harry Regin offizieller Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Pilzforschung). So weit er abschätzen kann, hat die Zahl der Pilzvergiftungen in den vergangenen zehn Jahren allgemein nicht zugenommen; es habe nur in letzter Zeit durch den Zuzug syrischer Flüchtlinge mehrere Fälle gegeben. In Syrien sei das Sammeln von Pilzen zu Speisezwecken eigentlich gar nicht bekannt, sagte Brandt, dennoch hätten die Betroffenen "wahllos im Wald gesammelt". Da sei dann eben auch der nicht seltene Grüne Knollenblätterpilz dabei gewesen - dieser sei für die meisten Pilzvergiftungen verantwortlich. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung solle das Erbrechen nicht künstlich hervorgerufen, sondern sofort der Arzt gerufen werden, rät der Experte.

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