Die Malerei war ihr Lebenselixier

Eine Sonderausstellung würdigt Leben und Werk der Malerin Ruth Engelmann-Nünninghoff. Kreative Neugier und Mut zum Experiment zeichneten die Künstlerin aus, die erst spät, im hohen Alter, zur Abstraktion fand.

Am vergangenen Donnerstag wäre die Malerin Ruth Engelmann-Nünninghoff 102 Jahre alt geworden - Grund genug, der im Juni 2016 verstorbenen Künstlerin in "ihrem" Martin-Niemöller-Haus eine Ausstellung zu widmen. Dort sind aktuell zahlreiche Werke, vor allem aus der Spätphase von Engelmann-Nünninghoff zu sehen, meist Arbeiten mit abstraktem Charakter.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrerin Sabine Graf, der Hausherrin des Niemöller-Hauses, würdigte Nicole Nix-Hauck, die Leiterin der städtischen Galerie Neunkirchen, Leben und Werk der am 5. Januar 1915 in Köln geborenen Ruth Engelmann-Nünninghoff - und das schon gleich zu Beginn mit einer deutlich persönlichen Note. "Am 5. Januar traf man sich hier in der Dostalstraße in Frankenholz . Das war so etwas wie ein kleiner Neujahrsempfang, zu dem sich Freunde und Bekannte von Ruth Engelmann-Nünninghoff einfanden. Und wenn die einen gingen, dann kamen schon die anderen." Eingeladen habe die Malerin zu ihren Geburtstagen nicht, erinnerte sich Nix-Hauck, "aber sie hat bereits ab dem Morgen ihr Haus geöffnet. Und sie empfing ihre Gäste freundlich und sehr gelassen in ihrem tiefen Sessel, dessen Ausmaße von Jahr zu Jahr immer weniger zu denen seiner zierlichen Besitzerin zu passen schienen". Für dieses Bild aus der Vergangenheit erntete Nix-Hauck zustimmendes Kopfnicken aus dem Rund der Gäste der Ausstellungseröffnung. "Und auch wenn sie das Aufheben um ihre Person gerne als unnötig abtat, genoss sie es doch auf eine bescheiden-selbstbewusste Art, im Mittelpunkt zu stehen."

Auf Initiative von Ulf Sauerbaum würdige man nun dieses Leben mit einer Ausstellung, gestaltet mit Arbeiten von Engelmann-Nünninghoff aus privatem Besitz. Dies mache es, dessen war sich Nix-Hauck sicher, möglich, der Malerin an ihrem 102. Geburtstag wieder zu begegnen. "Viele Jahre lang hat Ruth Engelmann-Nünninghoff hier im Niemöller-Haus selbst Ausstellungen organisiert und Kunstschaffenden ein Forum für die Präsentation ihrer Werke gegeben - so wie sie sich stets fördernd für Kunst und Kultur eingesetzt hat", blickte Nix-Hauck in die Vergangenheit. Nachdem ihr dies aus Altersgründen nicht mehr möglich gewesen sei, habe eben Ulf Sauerbaum diese Aufgabe weitergeführt "und es bleibt zu wünschen, und das wäre für das kulturelle Leben hier in Frankenholz von großem Wert, dass das Niemöller-Haus auch weiterhin ein Ort der Kunst bleibt".

Nun sind es aber erst einmal Werke von Engelmann-Nünninghoff, die Frankenholz in den kommenden Wochen kulturell prägen sollen. Nicole Nix-Hauck: "Ruth Engelmann-Nünninghoff war eine ungeheuer produktive Malerin." In ihrer Laudatio skizzierte die Leiterin der städtischen Galerie die Entwicklung der Künstlerin von Gegenständlichkeit hin zur Aufgabe der Form in den späten Jahren, "sie hat stets die Begegnung und das Experiment gesucht. Diese ständige Neugier führte sie noch im Alter zur Abstraktion". Bis zuletzt sei die Malerei das Lebenselixier von Engelmann-Nünninghoff gewesen.

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Auf einen Blick In den kommenden Wochen zeigt das Martin-Niemöller-Haus in Frankenholz im Gedenken an die im vergangenen Jahr verstorbene Ruth Engelmann-Nünninghoff zahlreiche Werke der am 5. Januar 1915 in Köln geborenen Malerin. Dabei handelt es sich vornehmlich im spätere und meist ab-strakte Werke von Engelmann-Nünninghoff, die als Malerin auf eine ganze Reihe von Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken konnte. thw

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