Die Hand ist noch ruhig genug

Er ist auch nach sechs Jahrzehnten noch begeistert von seinem Beruf: Uhrmacher Karl-Otto Regitz (75) arbeitet noch zwei Mal die Woche in seiner Werkstatt. Die Arbeit mit wertvollen Dingen macht ihm weiterhin Spaß und Freude.

Uhrmacher stellen Uhren und andere Zeitmessgeräte her, warten, prüfen, reparieren mechanische Klein- und Großuhren, beheben Fehler, setzen Uhren wieder zusammen und justieren sie. Auch nach nunmehr 60 Jahren ist Uhrmachermeister Karl-Otto Regitz von diesem Berufsbild immer noch fasziniert: "Es macht mir immer noch Spaß und Freude, an wertvollen Sachen zu arbeiten", erzählt der mittlerweile 75-Jährige, der vor kurzem geehrt wurde.

Im Rahmen einer Feierstunde in der Congresshalle in Saarbrücken hat der Uhrmachermeister aus Bexbach den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) erhalten. Damit gehört er zu den 199 Meisterinnen und Meistern, die ihre Jubiläumsurkunden aus den Händen von HWK-Präsident Bernd Wegner und HWK-Hauptgeschäftsführer Arnd Klein-Zirbes überreicht bekamen. Insgesamt standen sechs Eiserne, 38 Diamantene und 155 Goldene Meisterbriefe zur Verleihung an. Der aus Wellesweiler stammende Regitz begann seine Lehre 1955 in Wemmetsweiler und legte seine Gesellenprüfung 1958 ab. Nach zweijähriger Gesellenzeit wechselte er in das bereits 1930 gegründete, alteingesessene Bexbacher Uhrenhaus Hien. Nach dem Besuch der Fachschule für Feinwerktechnik in Schwenningen legte er 1965 bei der Handwerkskammer in Reutlingen seine Meisterprüfung ab. Ein ganzes Jahr lang hat er an seinem Meisterstück, dem Neubau einer Uhr, gearbeitet.

Aus vielen Einzelteilen hat er in Armbandgröße eine Stabkonstruktion zusammengestellt, Rad hinter Rad gesetzt. 1974 übernahm er das Geschäft in der Rathausstraße Bexbach und führte es gemeinsam mit seiner Frau Gisela bis zur Übergabe Anfang 2000 an seinen Nachfolger.

Während seiner selbstständigen Tätigkeit bildete Karl-Otto Regitz sowohl im handwerklichen als auch im kaufmännischen Bereich Lehrlinge aus. Leider sei der Beruf nicht mehr so gefragt, so Regitz. Die Ausbildung habe sich "viel mehr ins Elektrotechnische" verschoben.

Noch heute geht der 75-Jährige Uhrmachermeister seinem Beruf nach. "Jeden Mittwoch und Samstag bin ich von neun bis zwölf Uhr in meiner Werkstatt in der Rathausstraße 44 in Bexbach tätig, um für meine Kunden Batterien zu wechseln oder Reparaturen an Uhren , aber auch Schmuck vorzunehmen", berichtet Regitz, der in seiner aktiven Zeit erfolgreich Handball beim TuS Neunkirchen und dem TV Bexbach gespielt hat. "Man braucht viel Fingerspitzengefühl, viel Ruhe, eine stundenlange Konzentration und viel Sitzfleisch", beschreibt er die Voraussetzungen für den Beruf des Uhrmachers.

Die Auszeichnung der Handwerkskammer betrachtet er als Anerkennung: "Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, noch eine ruhige Hand zu haben und den Beruf noch immer ausüben zu können", betont Regitz.