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Der etwas andere Künstler aus Bexbach

Künstler aus Bexbach : In der Galerie geht es schon mal wild zu

Vom technischen Zeichner über den Bautechniker zum bildenden Künstler: Der Bexbacher Peter Köcher im Porträt.

„Ich musste dann, da ich nur das genaue Zeichnen gewohnt war, erstmal alle Bleistifte kaputthauen, also mich ‚freihauen‘“, erzählt der Bexbacher Künstler Peter Köcher beim Gespräch mit unserer Zeitung über den entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. Vor seinem Künstler-Dasein pflegt er nämlich eine eher bürgerliche Existenz. Das Zeichnen gehört allerdings auch da schon dazu.

Köcher absolviert eine Lehre als technischer Zeichner und danach ein Bautechnik-Studium, bis er feststellt, dass da noch was anderes in ihm steckt. „Ich hatte ein Planungsbüro, mit dem ich Häuser und Industriehallen entwarf.“ Nach zwölf Jahren wird ihm das zu viel. Zum Glück gibt ihm der gut bezahlte Beruf die finanzielle Freiheit, daraus auszusteigen. „1995 habe ich mir eine Segelyacht gekauft und bin fünf Jahre lang nur übers Mittelmeer gefahren. Nur im Winter war ich in Bexbach, da musste ich ja nach dem Haus gucken.“

Das geräumige und architektonisch spannende Wohngebäude, das heute fast platzt vor Kunstwerken, steht da schließlich schon. Doch jetzt zählt für ihn die „Erprobung einer minimalistischen Lebensweise auf einem Segelboot“, wie es in Köchers Lebenslauf heißt. Auf dem Boot malt und zeichnet er, in St. Tropez stellt er auch mal mit einheimischen Künstlern zusammen aus. Dort hat die Yacht einen festen Liegeplatz. Bald bestückt Köcher Ausstellungen in ganz Frankreich und beschäftigt zwischenzeitlich eine Galeristin in Saargemünd, die ihn überall hin vermittelt. Als er wieder komplett an Land geht, zieht es ihn nicht in eine Großstadt mit größerer Kunstszene, sondern wieder in seinen Geburtsort Bexbach.

Vor 20 Jahren eröffnet er seine Galerie in Bexbachs Stadtmitte, wo seither Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Der 66-jährige gehört sowohl dem Berufsverband Bildender Künstler in Rheinland-Pfalz als auch dem saarländischen Künstlerhaus an. Zu vielen von Köchers Werken passt am besten das Wort „wild“. Manche Bilder seien in zwei Minuten entstanden, erzählt er, in dieser Zeit habe er einen Haufen verschiedener Farben übereinander geschüttet. Dann und wann, wenn er zu ungeduldig ist und das Bild zu früh aufhängt, laufen die Farben nach unten. In einem seiner Werke befindet sich ein langer Riss. „Da habe ich versehentlich mit einem Stahlstift durch die Leinwand gekratzt“, erzählt er.

Gerne hantiert er mit chemischen Stoffen, die sich nicht vertragen: Bitumen, Terpentin oder Acryl etwa. Darin sei er sich ähnlich mit Malerin Jutta Bettinger, mit der er sich seine Galerie als Winteratelier teilt. „Wenn wir beide arbeiten, darf keiner reinkommen, so stinkt das dann dort.“ Der Künstler besitzt neben der wilden auch eine sarkastische und provokante Seite. Als der Besucher die sich aus dem Gartenboden empor reckenden Hände bemerkt, meint Köcher, hier würde er unliebsame Journalisten vergraben. Während des City-Fests hat er sich mal barfuß auf den Bürgersteig gesetzt, mit einem Schild „Bitte ein paar Cent als Hilfe zum Leben“ in der Hand – als Sammelgefäß diente ein Champagnerkübel. „Ich wurde getreten und beschimpft, Rettungssanitäter wollten mich mitnehmen. Kinder haben insgesamt 16 Euro reingeworfen.“

In seiner Galerie hat er einen leicht gruseligen „Warteraum“ eingerichtet, in dem von oben ein nacktes Stromkabel hängt. Gerne verarbeitet er ausrangierte Objekte und gestaltet sie um. „Wenn jemand was wegwirft, dann fragt er mich: Brauchst du das, machst du da Kunst draus?“, erzählt er. Wild und provokant muss es aber nicht immer sein. 2018 verarbeitet Köcher seine Bauzeichner-Jahre mit einer Serie aus verfremdeten Lichtpausen, die er noch übrig hatte. Er faltet sie, verschnürt sie, übermalt sie mit Klarlack und, trägt Figuren oder Buchstaben auf oder belässt sie quasi im Original. Das Ganze entwickelt eine sehr eigene Ästhetik, die den Betrachter vor allem in Kenntnis von Köchers Biografie in ihren Bann zieht.

Im letzten Jahr gewinnt Peter Köcher den Perron Kunstpreis der Stadt Frankenthal mit einem Werk aus dieser Serie namens „Aufzeichnungen“. Seine Galerie in der Bexbacher Rathausstraße hat nach der Coronapause wieder geöffnet, Vernissagen dürfen allerdings noch nicht stattfinden.

Die Öffnungszeiten der Galerie in der Rathausstraße 16a in Bexbach sind wie folgt: Mittwoch und Freitag jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie an Samstagen von 10 bis 14 Uhr.

www. peter-koecher.de