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Das Büttenrednerpaar der MGM Oberbexbach stellt sich in der Redaktion vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Mer gehn metsamme : Mutter und Sohn gemeinsam in der Bütt

Die heiße Phase der närrischen Zeit steht bevor. Deswegen haben Akteure der hiesigen Fastnachtsvereine die Redaktion besucht. Heute sind es Anja Donauer und ihr Sohn Johannes von der MGM, die gemeinsam in die Bütt gehen.

Es ist immer wieder überraschend, was eine einfache schwarze Perücke, eine Kittelschürze und eine Narrenkappe bewirken können. Anja Donauer, 46, und Johannes Steimer, 11, verwandeln sie in Karla und Jojo von der Oberbexbacher „Mer gehn metsamme“ (MGM), die auf Fastnachtbühnen in der Region zusammen in die Bütt steigen – und dies letztlich in genau den Rollen, die sie auch im echten Leben verkörpern: Mutter und Sohn.

Heute ist aber zunächst mal von Karneval in der Homburger Redaktion wenig zu spüren. Johannes hat seinen Rucksack dabei, die Mutter bringt noch ihre fünfjährige Tochter Marie mit, die übrigens bei der befreundeten Bexbacher Blätsch in der Minigarde tanzt. So wie das eben ist, wenn man als Familie nachmittags mal eben einen Termin reinquetscht zwischen Schule und Freizeitaktivitäten – bei Johannes sind das Karate, Golf, Gitarre. Außerdem ist er als Messdiener und der freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Jetzt steckt er aber tief in der fünften Jahreszeit – und die ist für Mutter und Sohn eine besondere Sache. Es ist für die beiden ihre zweite Session als Duo. Sie haben also schon Bühnenerfahrung gesammelt. Anja Donauer sowieso, sie schlüpft nämlich nicht nur für die Fastnacht in Kostüm und andere Rollen, sondern auch in der Theaterabteilung der TV Oberbexbach. Quasi eine Art Bindeglied ist MGM-Sitzungspräsident Patrick Weber, zugleich Spartenleiter Theater bei der TVO. Ihn hatte Anja Donauer vor Jahren darauf angesprochen, ob sie bei der Theatergruppe mitmachen könne. Als sie dann mit von der Partie war, kam auch relativ zügig die Fastnacht hinzu. Mit einer Bekannten ging sie damals in die Bütt, zwei Jahre lang. Auch dies ein lang gehegter Wunsch, denn „Ich wolle immer gerne in die Bütt oder eben zum Theaterspielen“, sagt sie heute, wo sie beides macht. Dabei kommt die gebürtige Reiskircherin ursprünglich aus einer ganz anderen Ecke, turnte erst und spielte schließlich erfolgreich Fußball, war nach dem Abitur beim FC Homburg aktiv, bis sie dort mit 35 ihre Karriere beendet habe.

Ihr Sohn hat mindestens eine der Leidenschaften seiner Mutter geerbt, denn er hat regelrecht darauf hin gefiebert, dass er beim Karneval loslegen kann. „Ich bin nicht der Typ für so viel Sport, sondern eher fürs Schwätze.“ Als er dann im vergangenen Jahr neun wurde, war es endlich soweit.

Die Büttenreden schreibt bislang Sitzungspräsident Weber für das Duo. „Als Anfänger ist man da superfroh drum“, sagt Anja Donauer. Weber liefert quasi das Gerüst, das die beiden dann ergänzen, und bei dem sie bei jedem Einfall schauen „ob der auch zu uns passt.“ Das Ganze ist eine Mischung aus Bewährtem und neuen Ideen. Es gebe Sachen, die kommen immer wieder. Manche Gags von früher könne man noch mal bringen, man lebe auch von der Vergesslichkeit der Leute, verrät Weber einen seiner Tricks. Ausreizen darf man das andererseits auch wieder nicht. Sie habe schon bei diversen Sitzungen im Publikum gesessen, erzählt Anja Donauer, da höre man Witze, „die kommen immer wieder bei verschiedenen Darstellern“. Ideen für ihre Auftritte sammeln sie das ganze Jahr über. Wenn er zum Beispiel etwas Witziges im Fernsehen sehe, dann „wird das aufgeschrieben“, sagt Johannes. Es gibt dafür extra ein rotes Buch. Als Doro und Jojo grasen sie all die Themen ab, die sie auch in Wirklichkeit tangieren: Schule, Alltag, Familie, über den Vater wird hergezogen – im realen Leben geht der übrigens gerne mit, wenn Frau und Sohn auf der Bühne stehen. Auch den Bürgermeister, den Ortsvorsteher ziehen sie durch den Kakao. Am Anfang jeder Nummer kommt Anja Donauer als Karla zu spät, dann improvisiert ihr Sohn – und alles läuft, klar, auf Saarländisch. Generell halten sie sich nicht strikt an einen Text, variieren auch mal . Wichtig sei es Schlagworte im Kopf zu haben, und natürlich, „dass sich die Leute kaputtlachen“. Ihr Sohn sei sehr ehrgeizig, versuche alles auswendig vorzutragen, sagt seine Mutter. Eine Menge Arbeit neben der Schule, wo natürlich auch in der Fastnachtszeit Klassenarbeiten geschrieben werden. Im Johanneum, in dem er in die fünfte Klasse geht, wissen die Mitschüler natürlich, was er in der Fastnacht macht, manchmal erzählt er da auch mal einen guten Witz vor einer kleinen Gruppe.

Der aktuelle Orden der Oberbexbacher MGM. Foto: Ulrike Stumm

Johannes tritt in der Fastnacht übrigens auch solo auf, war zum Beispiel bei der MGM-Sessionseröffnung der berühmte Hoppeditz, Sinnbild der Oberbexbacher Fastnacht. Und jetzt sind ja zum Glück erst einmal Schulferien, da lässt es sich gut in die närrische Zeit eintauchen, bis beides an Aschermittwoch dann wieder vorbei ist.